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  • Mi., 03. Juni 2015, 16:14 Uhr
    Pro Bahn Rhein-Neckar kritisiert Entwicklung bei Busverkehr zwischen Lampertheim und dem Mannheimer Norden

    Ruftaxi statt Stadtbus?

    LAMPERTHEIM - Mit Sonntag, 14. Juni, entfällt die durchgehende Busverbindung zwischen Mannheim-Sandhofen und Lampertheim. Zum Sommer-Fahrplanwechsel  wird die Gemeinschaftslinie der RNV und der VTL zwischen Sandhofen und Lampertheim an der Haltestelle Scharhof - Ikea gebrochen. Ab dem 15. Juni müssen die Fahrgäste aus Lampertheim umsteigen.  Diese Regelung wird voraussichtlich diesen Sommer über bis zum 7. September 2015 beibehalten. Diesen Zwang zum Umsteigen gab es schon mal vorübergehend beim Winterfahrplan 2011/12 eine Fahrplanperiode lang. Zuvor und danach konnten die Fahrgäste mit dem gleichen Bus stündlich zwischen Sandhofen und Lampertheim-Europabrücke durchfahren. Auf dem Abschnitt in Mannheim trägt der Bus die Liniennummer 52.  Auf Lampertheimer Gebiet nannte er sich bislang um und zeigte die Liniennummer 603 der Verkehrstouristik Lampertheim.

    Lampertheim plant, dass mit dem Wechsel zum neuen Stadtbuskonzept im Herbst die Linie 603 ab dem 7. September  nur noch zwischen Biedensand und Europabrücke verkehrt und das im 20-Minuten-Takt. Ab dem 7. September soll – so die jetzige Planung – zwischen Lampertheim und Scharhof-Ikea nur noch ein Ruftaxi verkehren. Es soll also mit der Umstellung auf das neue Stadtbuskonzept keine VTL-Linie zwischen Scharhof-Ikea und Lampertheim mehr geben.

    Streng genommen war die VTL-Buslinie 603  auch keine Stadtbuslinie, sondern zumindest ein Teil einer Regionalbuslinie. Sie überschritt die Stadtgrenze, die Kreisgrenze und sogar die Landesgrenze. Kreis überschreitender Verkehr und Gemeinde überschreitender Verkehr sind Kreisangelegenheit und nicht Aufgabe einer Stadt oder Gemeinde. Der Kreis Bergstraße drückte sich hier wieder einmal vor seinen Aufgaben und lässt die Stadt Lampertheim auch mit der neuen Stadtbusplanung allein, betont Pro Bahn Rhein-Neckar. Dabei fließen zwischen Lampertheim und  den Mannheimer Norden ganz bedeutende Verkehrsströme. Es ist nicht zu glauben, dass diese seit Jahrzehnten bestehende durchgehende Busverbindung in die Metropole Mannheim mit einem Federstrich durch ein Ruftaxi ersetzt werden soll.

    Warum lässt sich Lampertheim eine Ruftaxiverbindung aufdrücken, die Lampertheim selbst bezahlen muss ?  Lampertheim sollte stattdessen  seine Rechte dem Landkreis gegenüber geltend machen und  Regionalbusverbindungen fordern, die vom Kreis zumindest mitfinanziert werden. Der Bedarf nach  guten direkten Busverbindungen besteht. So gehen, besser gesagt fahren, viele Schüler in den jeweiligen Nachbarort zur Schule. Die Angebote auf der hessischen und auf der badischen Seite ergänzen sich offensichtlich.

    In Lampertheim gibt es  die Elisabeth–Selbert– Berufsschule, das Lessing-Gymnasium sowie die Haupt- und Realschule in der Alfred–Delp–Schule im Schulzentrum West. Im  Mannheimer Norden gibt es in Schönau eine Gemeinschaftsschule, nämlich die Kerschensteiner Schule und das Johanna-Geissmar-Gymnasium und in der Sandhofenschule gibt es eine Realschule.

    Sowohl die Schulen in Lampertheim als auch die im Mannheimer Norden haben Zulauf von  den jeweiligen Nachbarort jenseits der Landesgrenze. Das ist nur bei direkten Busverbindungen zumutbar. Wenn die direkte Busverbindungen gestrichen würden und man mit der Bahn fahren müsste,  dauerte der Umweg mindestens 20 Minuten länger.

    Außerdem können Regionalexpress und Regionalbahn mit ihrem derzeitigen jeweiligem Stundentakt nicht die Wünsche vieler Pendler erfüllen. Daran wird sich in naher Zukunft auch nichts ändern. Darum ist es wichtig, neben der Bahnverbindung auch direkte Busverbindungen anzubieten.

    Hinzu kommt, dass  zwischen den Bahnhöfen Mannheim-Waldhof  und Lampertheim bislang keine zusätzlichen Bahn–Haltepunkte, wie z.B. Schönau,  Blumenau und Europabrücke in Lampertheim eingerichtet wurden.

    Es gab  früher auch bessere und direkte Busverbindungen zwischen Lampertheim und Mannheim, die leider gestrichen wurden, bzw. ihr Fahrtenangebot wurde reduziert. Jetzt soll noch weiter gekürzt werden. Stattdessen sollten mehrere Regionalbuslinien im Stundentakt realisiert werden, eine zwischen  Heppenheim und Sandhofen über  Hüttenfeld und  Lampertheim und eine zweite,  die Worms mit Schönau verbindet, über Rosengarten und Lampertheim.  Überlegenswert wäre auch eine Linie von Sandhofen nach Schönau über Lampertheim, die halbstündlich versetzt die beiden andern Linien zum Halbstundentakt ergänzen könnte.

    Diese Linien, die den Kreis Bergstraße besser mit Mannheim verbinden würden, wären ein Teil des Busbündels Ried, das noch in diesem Jahr ausgeschrieben werden soll. Bereits getroffenen Fehlentscheidungen müssen also schnell korrigiert werden. Von den Verantwortlichen im Kreis Bergstraße wird immer die Zugehörigkeit zur Rhein-Neckar-Region hervorgehoben. Hier zeigt sich, wie viel das Lippenbekenntnis wert ist.

    Wie es besser geht, zeigt der Zehnminutentakt der Straßenbahn-Linie 5 (so genannte OEG) in der Hauptverkehrszeit zwischen Mannheim und Viernheim. Woran hat es gelegen, dass Lampertheim vom Kreis Bergstraße allein gelassen wurde? Auch  andere Stadtverkehre haben zu wenig Unterstützung vom Kreis  und die Verbesserung grenzüberschreitender Verkehre wurden die im jüngsten Nahverkehrsplan einfach ausgespart.  Der Kreis Bergstraße muss seine Städte und Gemeinde bei Planung und Durchführung des Stadt- und Regionalverkehrs besser unterstützen. zg

     

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