INTERVIEW: Pfarrerin Sabine Sauerwein gibt Einblicke in die Tradition der Jubelkonfirmation
Rund 3.600 Euro an die Tafel gespendet
Pfarrerin Sabine Sauerwein. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – An Pfingsten konnte – nach zwei Jahren des Wartens – endlich wieder die Jubelkonfirmation gefeiert werden. In der Lukasgemeinde konfirmierte Lampertheimerinnen und Lampertheimer aber auch Zugezogene gedenken an diesem Tag ihrer Konfirmation. Dies ist ein freudiges Ereignis sowohl für die Jubelkonfirmanden als auch die Gemeinde. In diesem Jahr wurden auch die Jubiläen der vergangenen beiden Jahre nachgeholt. Unter den Jubilaren waren wieder Vertreter vieler verschiedener Jahrgänge. Die jüngsten Jubilare feierten die Silberne Konfirmation (25 Jahre), die ältesten ihre Kronjuwelene (75 Jahre).
TIP: Frau Pfarrerin Sauerwein, wie lange gibt es diese Tradition schon?
Sauerwein: Die Jubelkonfirmation gibt es hier in der Lukasgemeinde schon viele Jahrzehnte. Gerade in der älteren Generation wird sie sehr gerne wahrgenommen, zumal das immer auch mit dem Wiedersehen ehemaliger Klassenkameraden verbunden ist. Es reisen auch immer wieder Menschen aus ganz Deutschland oder sogar dem Ausland in ihre Heimat, um an diesem Tag dabei zu sein. Es ist oft berührend so etwas zu erleben.
TIP: Wie viele Jubelkonfirmanden kamen in diesem Jahr zu den Feierlichkeiten?
Sauerwein: Wäre Corona nicht gewesen, hätten wir in den vergangenen Jahren schätzungsweise 50 bis 60 Jubilare gehabt. In diesem Jahr waren es knapp Einhundert. Insofern sind die Zahlen der Jubilare als solche zurückgegangen, obwohl sie aus drei Jahrgängen waren. Sicherlich haben all die Einschränkungen und die recht große Verunsicherung, gerade unter den älteren Menschen, dazu geführt. Dennoch war es für die Lukasgemeinde einfach schön, nach diesen zwei Corona-Jahren, dieses Fest wieder anbieten zu können. Es hat uns sehr gefreut, dass doch so viele Menschen schlussendlich an dieser Jubelkonfirmation teilgenommen haben und wir die Tradition wieder fortsetzen können. Das möchten wir auch in Zukunft: Wir haben die durch den Wegfall der vergangenen Jubiläen gewonnene Zeit genutzt, um eine eigene Urkunde zu entwerfen. Sie ziert ein Foto des Heilig-Geist-Fensters unserer Domkirche. Es haben sich viele Leute gefreut, dass sie so etwas Besonderes bekommen haben.
TIP: Eine Tradition in der Tradition ist die Gabe der Jubelkonfirmanden. Wo nimmt sie ihren Ursprung?
Sauerwein: Sie nimmt ihren Ursprung in dem gut christlichen Gedanken, dass man etwas an andere weitergibt, wenn man selbst beschenkt ist. Dies fängt schon bei den Konfirmanden an. Sie überlegen, wem sie etwas zuteilwerden lassen können und spenden dann einen Teil von dem was sie bekommen an diese gemeinnützige Organisation.
TIP: Das setzt sich bei den Konfirmationsjubiläen so fort?
Sauerwein: Ja, die Jubeljahrgänge suchen sich einen Zweck für eine Spende aus. Wir geben Anregungen, aber meistens ist es der Wunsch, dass die Gabe in Lampertheim bleiben soll. Gerne werden soziale Projekte bedacht, beispielsweise das Dietrich Bonhoeffer Haus oder die Diakoniestation; oder bestimmte Projekte in diesen Einrichtungen. In manchen Jahren wurde auch konkret für akute Ereignisse gespendet, zum Beispiel Thema Tsunami.
TIP: Auf welches Projekt fiel in diesem Jahr die Wahl?
Sauerwein: Die Jubelkonfirmanden haben sich mit sehr großer Mehrheit für die Tafel Lampertheim entschieden – auch mit dem Hintergedanken an die ukrainischen Geflüchteten. Und der Gedanke, der dahintersteckte, hat sich bewahrheitet: Es gehen tatsächlich ukrainische Flüchtlinge zur Tafel.
TIP: Wie hoch fiel die Spendensumme aus?
Sauerwein: Es waren rund 3.600 Euro. Das finde ich schon eine erkleckliche Summe! Es waren rein freiwillige Gaben, die von den Menschen zusammengetragen wurden. Die wenigsten wollten eine Spendenbescheinigung. Sie legten das Geld einfach ins Körbchen – frei aus dem Herzen.
TIP: Was würden Sie als Besonderheit der diesjährigen Feierlichkeiten hervorheben?
Sauerwein: Die Jubelkonfirmation in diesem Jahr hat natürlich viel mehr Arbeit gemacht als die Jubiläen zuvor. Wir haben den Eingang der Anmeldungen genau verfolgt, um abzusehen, ob es ein oder zwei Gottesdienste werden. Die Tendenz ging relativ schnell hin zu zwei Gottesdiensten, worüber ich mich sehr gefreut habe, weil ich im zweiten Gottesdienst, mit der jüngeren Generation, die Jubilare nochmal ganz anders ansprechen konnte als im ersten Gottesdienst mit der älteren Generation. Deren Konfirmationen fielen ja in der Regel in die Kriegs- und Nachkriegsjahre. Sie verbinden ganz andere Erinnerungen damit als die jüngeren Menschen. Insofern hat sich die Mühe gelohnt. Zudem hat es mir Freude gemacht, denn es waren beides sehr schöne Gottesdienste – jeder auf seine Art einzigartig. Und beide mit schöner Musik von Heike Ittmann an der Orgel und Alexander Petry an der Trompete. Ein rundum gelungenes Ereignis.