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  • Mo., 30. Oktober 2017, 09:28 Uhr
    Dorferneuerungsverfahren geht zu Ende – ein Programm mit Tücken

    Rundgang durch Bobstadt mit Resümee

    Beim Rundgang durch Bobstadt steuerte die Gruppe unter Führung von Moderator Stefan Lösch (vorne rechts) und Arbeitskreissprecher Volker Utz (links) sowie Bürgermeisterin Barbara Schader geförderte und nicht geförderte Bauwerke und Maßnahmen an. Foto: Hannelore Nowacki

    BOBSTADT – Das Dorferneuerungsverfahren geht in diesem Jahr zu Ende, alle geförderten Maßnahmen sind abgeschlossen. Zeit für ein Resümee, das Anfang 2018 als Abschlussdokumentation in Form einer Broschüre vorliegen soll und bei einer abschließenden „Danke-schön-Veranstaltung“ mit allen Beteiligten vorgestellt wird. Dies teilte Bürgermeisterin Barbara Schader am Samstagnachmittag beim Treffen im Alten Rathaus mit. Im Auftrag der Stadt Bürstadt hatte Moderator Stefan Lösch die Arbeitskreismitglieder und die Bevölkerung zu einem geselligen Rundgang durch Bobstadt eingeladen. Zuvor ließ Bürgermeisterin Schader die Ereignisse Revue seit 2007 passieren. Eine Bobstädter Besonderheit stellte sie heraus, die anderswo in dieser Form noch nicht vorgekommen sei, eine Erfolgsgeschichte, bevor die eigentliche Dorferneuerung amtlicherseits auf den Weg gebracht wurde. Weil die Bobstädter nicht bis 2010 mit der Dorferneuerung warten wollten, trafen sie bereits Anfang 2008 Vorbereitungen und übernahmen ehrenamtlich notwendige Vorarbeiten, um eine Aufnahme in das Programm Dorferneuerung voranzutreiben. Und das ohne die Gewissheit zu haben, ob die Aufnahme gelingen würde. Das habe auch Vertreter des Landkreises beeindruckt. Schon im Mai 2007 hatte die Stadt Bürstadt eine erste schriftliche Interessenbekundung an den Kreis Bergstraße zur Weiterleitung an das Land Hessen abgegeben. Unter dem Projektnamen „Bobstadt 2020“ fasste die Stadt im September 2007 ihren Grundsatzbeschluss. Im Januar 2008 wurde die Bobstädter Bevölkerung in der örtlichen Presse zur Mitarbeit im Arbeitskreis aufgerufen, der dann am 14. Februar 2008 im Rahmen einer sehr gut besuchten Veranstaltung bei der Bobstädter Feuerwehr gegründet wurde. Bei der zweiten Sitzung am 10. April 2008 entschieden sich die Mitglieder für drei themenspezifische Arbeitsgruppen. Eine Gruppe befasste sich mit dem Ortsbild, eine weitere nahm sich des gesellschaftlichen Lebens und der Infrastruktur an, die dritte brachte Ideen zum Verkehr und zur öffentlichen Sicherheit ein. In Anerkennung dieses besonderen Engagements und der bereits beachtlichen Ergebnisse, die in Bobstadt in Vorbereitung auf die Dorferneuerung erarbeitet wurden, kam im September 2008 die überraschende Mitteilung des Landkreises, dass Bobstadt 2009 ins Landesprogramm aufgenommen werde. Eine andere Kommune war zurückgetreten. Am 12. November 2008 fasste die Stadt Bürstadt den Beschluss zur Antragstellung, das Bewerbungsschreiben wurde schon Mitte Oktober abgeschickt. Staatsekretär Karl-Winfried Seif kam am 10. Dezember 2008 zur feierlichen Bescheidübergabe. Für die Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm mussten alle im Fördergebiet gelegenen Gebäude exakt erfasst werden, eine Aufgabe, die von den Arbeitskreismitgliedern ehrenamtlich geleistet wurde. Bürgermeisterin Schader zeigte sich von diesem Engagement begeistert: „Anderswo machen dies hauptamtliche Kräfte“, erklärte sie. Ein Dorfentwicklungskonzept wurde erarbeitet und dem Land Hessen eine Projektliste vorgelegt. Am Ende wurden in Bobstadt 441.000 Euro an Landeszuschüssen investiert, insgesamt wurden rund 700.000 Euro aufgewendet, mit Anteil der Stadt Bürstadt. Die Ortsbeiräte und die jeweils amtierenden Ortsvorsteher Ewald Stumpf und Hans-Georg Gött hätten den Arbeitskreis unterstützt, betonte Schader. Nach diesem Überblick machten sich die eingeladenen Arbeitskreismitglieder, weitere Bobstädter Bürger und Mandatsträger mit Bürgermeisterin Schader, Moderator Lösch und Arbeitskreissprecher Volker Utz bei stürmischem Wetter auf den gut einstündigen Rundgang durch Bobstadt. Ausgangspunkt und Ziel war das sanierte Alte Rathaus, das Bürgermeisterin Schader mit dem erneuerten Vorplatz als „Schmuckstück“ bezeichnete. Die etwa zwanzigköpfige Gruppe machte am Kriegerdenkmal in der Bergstraße Station, das auf der Projektliste stand, aber nicht ins Programm aufgenommen wurde. Einige neu erbaute Häuser fielen auf, ein Wohnhaus wurde vom Land Hessen gefördert, ein Schild weist auf das Dorferneuerungsprogramm hin. Einst kehrten an dieser Stelle die Bobstädter in die Gaststätte „Zum kühlen Grund“ ein. Andere Gebäude werden von einem privaten Investor ohne Fördermittel errichtet.
    Schmuckstück der Dorferneuerung ist das sanierte Alte Rathaus mit Vorplatz, der nicht größer wurde, aber besser nutzbar. Foto: Hannelore Nowacki

    Das Gebäude mit der ehemaligen Gastwirtschaft „Zur Sonne“ wurde ebenfalls von privater Seite ohne Fördermittel saniert und in Wohnungen umgewandelt. Volker Utz sieht sich bestätigt, dass Bobstadt für Investoren interessant ist und Bürgermeisterin Schader sieht in der regen Bautätigkeit „ein klares Ja zum Stadtteil“. An der nicht vom Dorferneuerungsprogramm geförderten Chausseeallee vorbei ging es zum multifunktionalen Kleinspielfeld am Sportplatz. „Ein sehr gelungenes Projekt“, meinte Lösch. Beim kurzen Halt an der Sporthalle erläuterte Bürgermeisterin Schader, dass die Erneuerung des Foyers für Veranstaltungen mit hundert Personen, vom Planungsbüro mit 2 Millionen Euro angesetzt, für den städtischen Haushalt nicht tragbar sei. Der städtische Anteil hätte 1,4 Millionen Euro betragen – „eine Geldverschwendung“. 2016 sei daher die Notbremse gezogen worden. Der Kreis Bergstraße werde die sanitären Anlagen, Küche und die Fensterfront erneuern. Lösch machte deutlich, dass es mehr private Interessenten für Bau- und Sanierungsvorhaben gab, die jedoch wegen der hohen Hürden und verschärften Auflagen des Landes Hessen nicht zum Zuge kamen. Die Dorferneuerung habe das Gesicht des Stadtteils positiv verändert und den Zusammenhalt gefördert, auch wenn nicht alle Maßnahmen finanziell gefördert werden konnten. Die Reise durch die Zeit endete mit einem geselligen Umtrunk mit Gebäck im Alten Rathaus. Hannelore Nowacki


    Information

    Die geförderten Maßnahmen:

    • Altes Rathaus mit Außenanlagen (311.300 Euro).
    • Begrünung und Maßnahmen zur Geschwindigkeitsreduzierung in der Mannheimer- und Frankfurter Straße zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität.
    • Bau des Kleinspielfeldes am Sportplatz.
    • Innerörtliches Entwicklungskonzept mit Aufzeigen von Bebauungs- und Erweiterungspotenzialen auf privaten und öffentlichen Grundstücken.

    Beratung privater Antragsteller.

    Nicht geförderte Initiativen:

    • Aktion „Sicherer Schulweg“.
    • Spielplatzbegehung mit den Kindern der Kindertagesstätte.
    • Ehrenamtliche Helferinitiative zur Pflege der Grünanlagen, Spielplätze, Friedhof usw.
    • Aktive Mitgestaltung der Bobstädter Kerwe.
    • Initiative zum Ausbau der Breitbandversorgung.

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