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Di., 31. März 2015, 09:13 Uhr
Ausstellung „Abbau Biblis im Gespräch“ mit 50 Besuchern
RWE Power will mit Informationsinitiative präsent und transparent sein
Kraftwerksleiter Horst Kemmeter weist auf die nächste Informationsveranstaltung am 9. April hin, die RWE Power im Rahmen der Informations-Initiative „KW Biblis transparent“ für die Bürger durchführt. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Ein schöner Samstagmorgen, strahlender Sonnenschein. Ideales Wetter für Gartenarbeiten, zum Einkaufen - oder einen Ausflug ins Bürgerzentrum zur Ausstellung „Abbau Biblis im Gespräch“ von RWE Power. Dort war auch für die ganz jungen Besucher gesorgt, ein gut ausgerüsteter Maltisch war vorbereitet. Auch Ostereier und süße Schmunzelhasen gab es. Als Kraftwerksleiter Horst Kemmeter die Wanderausstellung um zehn Uhr mit einem Rundgang eröffnete, waren Wilhelm Kreider und sein 18-jähriger Enkel Uwe Kreider schon dabei. „Wir wohnen in Sichtweite des Kraftwerks“, erzählt der Großvater im Gespräch mit dem TIP. Auf dem Luisenhof in Nordheim, dem Wohnsitz der Familie Kreider, stehe schon aus der Zeit vor Inbetriebnahme des Kernkraftwerks ein begehbarer Container, der mit Messinstrumenten vollgepackt sei. Das erzählt er in bester Stimmung und erläutert: „Der wird vom Regierungspräsidium Darmstadt betrieben, Tag und Nacht ist er an Großrechner angeschlossen“. Enkel Uwe, der wegen seiner Ausbildung derzeit nur am Wochenende kommt, sagt: „Ich vertraue der Sicherheit hier bei uns, Sorgen habe ich keine“. Dazu kommt, man kennt sich persönlich. Großvater Kreider ist im Stiftungsrat der Bürgerstiftung Biblis aktiv, ebenso Kraftwerksleiter Kemmeter. Zu bedenken gab er, dass im Laufe der Jahre bei den Wahlen die Atomkraftgegner nie gewonnen hätten. Rund 50 Besucher kamen im Laufe der folgenden sechs Stunden. Alexander Scholl, stellvertretender Leiter der Öffentlichkeitsarbeit, zeigte sich in einer ersten Einschätzung zufrieden mit dieser Resonanz. Die Besucher seien an allen Themen interessiert gewesen. „Wir wollen präsent und transparent sein – und das ist uns gelungen“. Zu den Besuchern mit dem kritischen Blick auf den Abbau und Rückbau gehörten sicher Tanja Krämer-Ahlers und Ehemann Volker Ahlers, die auch schon früh auf den Beinen waren. Sie sind im Vorstand des Vereins „Atomerbe Bibis“ engagiert, der als Teil der Anti-Atom-Initiative am Informationsforum beteiligt ist. Welche Informationen über den bekannten Sicherheitsbericht hinaus gibt es hier? Dieser Frage wollten sie in der Ausstellung nachgehen. Zu erwarten sei nichts extrem Spannendes, meinten sie, aber viele wichtige Themen seien nach wie vor ungeklärt. Die Techniken zum Abbau der gefährlichen Stoffe seien beispielsweise nur „Möglichkeiten“, nicht wirklich erprobt. Auch die Freimessung, das Vorgehen bei der Freigabe von Abbaumaterial für die Wiederverwertung, birgt aus ihrer Sicht gesundheitliche Gefahren. Zur Besprechung dieser und anderer Fragen standen mehrere Fachleute von RWE Power Rede und Antwort, jeweils zuständig für ihr Fachgebiet, illustriert auf insgesamt 16 Schautafeln. Kraftwerksleiter Kemmeter wies darauf hin, dass diese Ausstellung auch in Worms und Gernsheim gezeigt werde. „Was passiert mit den Brennelementen“ ist das Thema bei der Veranstaltung am 9. April von 17 bis 19 Uhr im Informationszentrum des Kraftwerks. Ein Höhepunkt dabei ist die Besichtigung des Standortzwischenlagers, eine Gelegenheit, mit eigenen Augen zu sehen, was dort passiert. Wegen der begrenzten Teilnehmerzahl sei eine frühzeitige Anmeldung empfehlenswert. Beim Rundgang erklärte er, dass das Personal um 250 Mitarbeiter reduziert werden musste, 400 Mitarbeiter sind im Kraftwerk noch tätig. Interessant auch die Menge von 55.000 Tonnen Material, das weiterverarbeitet werden könne. Kemmeter betonte: „Die Sicherheit der Anlage hat für uns oberste Priorität“. Michael Krämer, Leiter der Anlagentechnik, informierte die Besucher über die Energieeffizienz der Anlage und über die Pufferlagerung für schwach radioaktive Stoffe, deren Genehmigung im Frühjahr erwartet werde. Die Genehmigung zur Endlagerung im Schacht Konrad werde bis 2022 erwartet. 460 Brennelemente aus Block A müssen in Castorbehälter entladen werden, 90 Stück pro Castor seien vorgesehen. 51 Castoren seien derzeit im Zwischenlager untergebracht. Welche Abfallmengen aus dem Ausland zurückgenommen werden müssen und wo sie lagern werden, entscheide die Politik, hob Kemmeter hervor. Aus der RWE-Zentrale in Essen war Dr. Ralf Versemann gekommen. Der Leiter für Stilllegung, Abbau, Rückbau und Strahlensicherheit informierte die Besucher unter anderem über die komplexen Prüfverfahren auf Landes- und Bundesebene. Zwei Familien aus Worms betraten den Saal. Sie seien sehr an Information interessiert, sagten sie. „Wir sind ja ein Vorort von Biblis“. Der 15-jährige Sohn hatte sich schon auf den Rundgang gemacht. Nur die elfjährige Tochter sei zu Hause geblieben. Hannelore Nowacki
Bei der Besichtigung des Zwischenlagers am 9. April werden die Besucher die Castorbehälter selbst sehen können. Dieses Castor-Modell im Bürgerzentrum hatte den Maßstab 1:10. Ein Behälter fasst 128 Tonnen Lagermasse. Foto: Hannelore Nowacki