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Mo., 26. August 2019, 20:01 Uhr
Auch Jugendliche ließen die Muttersprache in drei ausverkauften Vorstellungen hochleben
Schauspieler begeisterten bei Mundart-Abenden im Heimatmuseum
Die Jungschauspieler in ihrem Element. Foto: Petra Gahabka
LAMPERTHEIM – „Gunowend un donkschee a fers Kumme“, begrüßte die Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins Margit Karb die Gäste des Lampertheimer Mundartabends im idyllischen Innenhof des Heimatmuseums. Dass die Vorstellungen am Donnerstag, Freitag und Samstag schnell ausverkauft waren, spricht für sich.
Als vor 43 Jahren der erste Mundartabend veranstaltet wurde – zum Abschluss eines heimatkundlichen Seminars – hat wohl niemand daran gedacht, welche Erfolgsgeschichte sich daraus entwickeln würde. Der Kreis Heimatforschung und -pflege beschäftigte sich seinerzeit erstmals ernsthaft mit dem Lampertheimer Dialekt und „damit des nit so trucke war“ habe man am Ende ein lustiges Theaterstück drangehängt. Vom Stadthaus über verschiedene Säle finden die Mundartabende seit 1987 im Heimatmuseum statt. „Schee, dass da all do seid, die Bud is voll“, freute sich auch Moderator Rainer Müller. Es gehe in den folgenden zwei Stunden um Rentner, Gesundheit und Krankheit, aber auch die könne „e lusdischi Sach soi“, was Heiner Weppelmann gleich im ersten Mundart-Gedicht bewies. Als Rentner sei er immer ausgebucht und verbringe viel Zeit im Wartezimmer des Doktors, wo über „Matze-Aage“ bis „de Darm hot versagt“ geklagt werde.
Macken, bei denen auch Werner Gärtner, der das erste Mal bei den Mundart-Abenden auf der Bühne stand, mitreden konnte. „Trotz de rode Bäckelscha, jeder hot soi Mäckelscha“ beginnt das von Willi Bock geschriebene Gedicht. „Wilma Bock, die seit zwei Jahren nicht mehr auf der Bühne steht, ist die Tante meiner verstorbenen Frau“, erklärte Gärtner im Gespräch mit dem TIP, wie es zu seinem Auftritt gekommen ist. Margit Karb, der die Gesamtleitung des Abends oblag, gab den „Frankfurter Dokter“ zum Besten und Heinz „Clever“ Eichenauer erinnerte sich an früher, als noch Fuhrwerke durch die Römerstraße fuhren, „Gaulsknoddel“ aufgesammelt wurden und Lampertheim über 100 Wirtshäuser zählte. Vom Hochdeutschen ins Platt wechselten ohne Mühe die Jugendlichen Kathrin und Sarah Justen, Ronja und Simon Kärcher, Elina Bohrer sowie Annika Sassmann in dem von Hugo Karb verfassten Einakter „Die Kerlscha aus Nochbars Gaade“. Die Mädchen spielen Higgelheisel, die Jungs sind als Indianer unterwegs, und gemeinsam beschließen sie eine Bande zu gründen, die sich die „Gaadekerlscha“ nennt.
Eine warme Sommernacht im idyllischen Hof des Heimatmuseums und Mundart, wie sie die Lampertheimer lieben. Foto: Petra Gahabka
Kulissenwechsel im von bunten Lichterketten durchzogenen Innenhof. Für das Volksstück „Blutdruck 170“ aus der Feder von Heinrich Friedrich Karb, bei dem Heiner Weppelmann Regie führte, verwandelte sich die Bühne in ein Wartezimmer. „Isch schwör euch, ihr erkennt euch da alle wieder“, bemerkte Moderator Müller lachend. Nach und nach trudelten die Patienten in der Arztpraxis von Dr. Klein, gespielt von Karl-Heinz Hoffinger, ein: die geschwätzige Luis (Silvia Hoffinger), ihre Freundin Hannche (Doris Schmidt), die an Blasenschwäche leidende Frau Heß (Angelika Kessler), der rheumakranke Hannes (Patrick Rupp) und die ramponierten Kicker vom „FC Schinnahaisel“ Lui (Florian Weppelmann), Philp (Stefan Weis) und Schorsch (Sascha Hartnagel). Für Sprechstundenhilfe Klara (Margit Karb) alles keine Unbekannten, insbesondere Luis und Hannche treffen sich hier regelmäßig zu einem Schwätzchen.
Neuigkeiten wurden ausgetauscht, jeder gab seinen Senf dazu und die Gerüchteküche brodelte. Als der von Bettche angehimmelte Angelo aus Bergamo mit einem „Bongiorno, Signorina“im Wartezimmer erschien, gerieten auch die anderen Damen ganz aus dem Häuschen. Mit schwarzer Lockenperücke und italienischem Akzent gab Peter Medert den charmanten Südländer. Als er auf der Gitarre „Una festa sui prati“ von Adriano Celentano anstimmte, war es auch um die Zuschauer geschehen. Zum Abschluss gab es wie immer das Lampertheimer Lied, bei dem lautstark mitgesungen und geschunkelt wurde. Petra Gahabka