
LAMPERTHEIM – „Das schlägt aufs Gemüt“, sagte der Leitende Pfarrer Christian Rauch beim gemeinsamen Pressegespräch mit Verwaltungsleiterin Bettina Seibert im Pfarrhaus gegenüber der St.-Andreas-Kirche. Viele Lampertheimer empfinden nach ersten Eindrücken ganz ähnlich, denn ein Stück kultureller Heimat ist vorerst verloren, keine Konzerte, keine Chorproben, keine Veranstaltungen, nichts. Viele schöne Erinnerungen bleiben. Das große Tor zum Schwanen am Europaplatz bleibt für immer geschlossen, das Gebäude ist seit 1. September gesperrt - der Schwanen als emotionale Heimat für das gesellschaftliche, kulturelle und kirchliche Leben ist baulich nicht mehr zu retten. Der Bauzaun umfasst zum Schutz von Passanten einen mehrere Meter breiten Streifen entlang der Fassade. Was mit dem Schwanen am Europaplatz in Zukunft geschieht, scheint nach Meinung der Statiker unumgänglich: Die kürzliche Überprüfung des stadtbildprägenden Gebäudes mit Schwanensaal und der ehemaligen Gaststätte „Zum Schwanen“ hat gravierende Mängel in der Stabilität vom Dach bis zur Decke des Erdgeschosses ergeben - der Abriss ist unausweichlich, eine Sanierung der völlig verschobenen Bausubstanz nicht möglich. Der Abrissantrag ist bereits unterschrieben, das Gebäude stehen zu lassen ist laut Rauch keine Perspektive. Als leitender Pfarrer der Pfarrei Alfred Delp Südliches Ried ist Rauch mit Verwaltungsleiterin Bettina Seibert zuständig für die nächsten Schritte und die Abwicklung der kirchlichen Liegenschaft. Schlaflose Nächte habe er hinter sich, sagt Rauch. Das Gutachten rate „kontrolliert zurückbauen“ mindestens bis zur Decke des Erdgeschosses, ein Abriss aller Hoffnungen. Das Landesamt für Denkmalschutz werde mit eigenem Statiker kommen, für die Nachwelt müsse zudem dokumentiert werden was war. Denn der Schwanen ist nicht irgendein historischer Bau, hier im Elternhaus hat Alfred Delp einen Teil seiner Jugend verbracht. Als bedeutender Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Mitglied im Kreisauer Kreis, war er auch ein führender Kopf bei den Plänen für eine demokratische und sozial gerechte Neuordnung Deutschland nach dem Ende der NS-Diktatur, das er nicht mehr erlebte. Am 2. Februar 1945 wurde er hingerichtet. Lange Zeit bereits von den Gläubigen ersehnt, wurde am 2. Februar 2026 in München das kirchliche Seligsprechungsverfahren für ihn eröffnet.
Foto: Hannelore Nowacki
Es kam nicht plötzlich
Bei Licht betrachtet waren dem Schwanensaal die Jahrzehnte anzusehen und tatsächlich sei der jetzige Zustand des Gebäudes keine Überraschung, stellte Pfarrer Rauch fest. „Das kommt nicht plötzlich, versagt hat die Kirche“. Über Jahrzehnte habe die Kirche nichts für den Erhalt der Gebäude in Lampertheim getan. Mit Kirche ist das Bistum Mainz gemeint, das sich auch jetzt auf ein Anschreiben nicht gerührt habe. Rücklagen könne die Pfarrei heute nicht mehr bilden. Weniger Mitglieder bedingen weniger Einnahmen und auch das Ehrenamt sei rückläufig. Finanzdezernentin Seibert macht deutlich, dass die Pfarrei neun Kirchen und Kitas sowie die Pfarrzentren unterhält. Von der Gesamtfläche im Eigentum der Pfarrei mit 933.000 Quadratmetern nach der Neuordnung und Fusion am 1. Januar 2025 seien 720.000 Quadratmeter verpachtet. Investitionen habe es auch in den besseren Zeiten des Bistums Mainz nicht gegeben, zum letzten Mal 1985 wurde etwas unternommen – und die WC-Anlage des Schwanen saniert. In der Haushaltsplanung seien die Schwerpunkte festgelegt, erklärte Seibert, für einen ausgeglichenen Haushalt müsse konsolidiert werden. Gebäude, die für den pastoralen Betrieb nicht zwingend notwendig seien, sollen abgegeben werden. Eine Aufgabe, die im Verwaltungsrat von Ehrenamtlichen getragen werde. Eigentlich hatte Pfarrer Rauch ganz andere Pläne mit dem Schwanen, nachdem er bereits 2021 ein statisches Gutachten veranlasst und interne Maßnahmen für den Weiterbetrieb ergriffen hatte, damals noch als Pfarrer der selbständigen Sankt-Andreas-Pfarrei. Da die Liegenschaften von Mariä Verkündigung nicht abgewickelt werden konnten, stehe kein weiteres Geld zur Verfügung. Fraglich sei, ob die Stadt an dieser prominenten Stelle eine Bauruine haben wolle. Ein erstes Gespräch führte Pfarrer Rauch gleich nach dem Pressegespräch mit Bürgermeister Alexander Scholl (CDU) im Stadthaus. Das Areal sei in Erbpacht abzugeben.
Hannelore Nowacki
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