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  • Sa., 25. Mai 2024, 10:56 Uhr
    AUFKLÄRUNG: „JVA goes Schule“ war in Lampertheimer Schulen zu Gast / Präventionsreihe für Jugendliche / Premiere in Hessen an der Alfred-Delp-Schule

    „Schulausflug in den Knast“

    Der Tenor „Niemals Knast“ wird für die Haupt- und Realschülerinnen und -schüler mehr und mehr zur Gewissheit: „Knast, nein danke!“ Das gilt für die Jungs ebenso wie für die Mädchen. Denn ihnen blüht dasselbe, wenn sie einfahren. Der „Schulkausflug in den Knast“ dürfte in Lampertheim seine Wirkung nicht verfehlt haben. Foto: oh/Werner Herkert


    LAMPERTHEIM – Wer den falschen, den kriminellen Weg, um seine Ziele zu realisieren, für die ist der Ausgang in der Regel meistens vorprogrammiert: Ihr Weg in den Knast. In die Jugendstrafanstalt. Wie schnell das gehen, insbesondere wie der Weg verhindern werden kann, wissen nun rund 150 Schülerinnen und Schüler der Alfred-Delp-Schule dank ihrem außergewöhnlichen „Schulausflug in den Knast“ – der neuen Prävention für Jugendliche, ausgelegt für die Schulen, Jugendhäuser bis zu Vereinen.

    Die Mensa der Haupt- und Realschule wird für die Achtklässler am frühen Morgen für rund zwei Stunden zum Unterrichtsraum. Was verbirgt sich hinter diesem Titel „Schulausflug in den Knast“? Nach einer kurzen Begrüßung durch Konrektorin Petra Popp stehen „Bndo“ (Pseudonym), ein Ex-Häftling, und der Journalist Werner Herkert im Mittelpunkt. Ziel: informieren, schildern, aufklären und am Ende abschrecken. „Bndo“ stellt sich vor. Vor wenigen Tagen 19 Jahre alt geworden, beschreibt er seine aktuelle Lage: raus aus dem Knast, jedoch über dreieinhalb Jahre auf Bewährung. Das heißt im Klartext: Keine „krummen Dinger“, sonst landet er ohne Gnade wieder in seiner Zelle in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Adelsheim. Fünf Verbrechen werden ihm zur Last gelegt. Darunter eine schwere räuberische Erpressung. Ein Angriff auf einen anderen Jugendlichen mit dem „Cuttermesser“. Die Beute: ein teures Smartphone. Doch die Festnahme ist der Preis für seine Straftat. Kurz vor 6 Uhr stürmen Polizisten die Wohnung seiner Freundin, er wird in Handschellen abgeführt. Das für ihn erschreckende „Knastdrama“ beginnt. Ein eigens produzierter „Knastfilm“ beschreibt sein Leben und das von Aki und Toms (alles Pseudonyme) hinter Gittern. Der Film vermittelt den schmerzlichen Verlust ihrer Freiheit. Das beängstigende, beklemmende und ausgelieferte Eingesperrt-sein. Mithilfe ihres Mentors Werner Herkert wurde eine etwas andere Kriminalprävention ins Leben gerufen und sehr ansprechend. Und dieses kommt bei denen, um die es geht, super an. Bei den Jugendlichen. Alles passiert auf Augenhöhe. Keine schlauen Sprüche. Kein erhobener Zeigefinger. Nackte Tatsachen, Schilderungen und Bilder.

    Der Film vermittelt die Enge von „Bndos“ Zelle. Eigentlich eine Einzelzelle, doch aufgrund der vielen Straffälligen als eine Doppelzelle belegt. Foto: oh/nejako.de


    Teils erschrockene Gesichter der Schüler

    Die teils erschrockenen Gesichter der Schülerinnen und Schüler zeigen, die Prävention geht nicht spurlos an ihnen vorbei. Ganz im Gegenteil. Große Augen, offene Münder und während den Erzählungen von der Verhaftung über den Transport im Bus, danach die Demütigungen sich vor fremden Menschen splitternackt auszuziehen, um in schäbige Anstaltskleidung zu schlüpfen, immer wieder Zwischenfragen. Sie lassen daran keinerlei Zweifel. Das Thema interessiert. Das Ziel wird erreicht: Information, Aufklärung, ja selbst die Abschreckung. Einer der Schwerpunkte der Prävention ist und bleibt die Frage-Antwort-Runde, neben all den Fragen während den Berichten. Ohne ein Tabu stehen „Bndo“ und sein Mentor Rede und Antwort. Alle Fragen, und sind sie noch so intim, werden beantwortet. Wie zum Beispiel, ob im Jungenknast wirklich besser keiner die Seife in der Dusche fallen lässt. Ein Klischee, das etliche aus Filmen kennen. Auch wie er sich seine Zukunft vorstellt, wollen einige wissen. Er wird im kommenden Herbst eine soziale Ausbildung gemeinsam mit seiner Freundin starten. Und, ob er nochmals kriminell werde, auch das wird gefragt. Seine klare Antwort: „Nein!“  Die Fragerunde sprengt den zeitlichen Rahmen und auch die Erwartungen „Bndos“. Was jedoch kein Problem ist. Er wird von allen Seiten mit Fragen regelrecht bombardiert. Mit dem Antworten kommt er manchmal kaum nach. Das Interesse der Jugendlichen: überwältigend. Auch Konrektorin Petra Popp zeigt sich schwer beeindruckt. An einigen Passagen bekommt selbst sie eine Gänsehaut, so sehr geht diese etwas andere Prävention ihr unter die Haut – und unter Garantie nicht nur ihr. 

    Nach dem Premierenbesuch in der Alfred-Delp-Schule geht es weiter zur Elisabeth-Selbert-Berufsschule, wo „Bndo“ erneut zahlreiche Schülerinnen und Schüler in seinen Bann zieht. Er und sein journalistischer Begleiter strahlen. Sie sind sich beide sicher: „Ein rundum gelungener Präventionstag in Lampertheim.“ Weitere Infos unter https://nejako.de/der-schulausflug-in-den-knast. zg/Gustav Paul

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