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  • Mo., 16. März 2015, 22:28 Uhr
    „Die Sainäwwel“ machen mit Lustspiel „Es Douregrewerhaus im Briewel drauß“ Furore

    Schwarzer Humor – die Lust am Tabu

    Das Bestattungsunternehmen Klein hat Finanzprobleme, weshalb Elvira Klein (Gabi Schäfer-Bauer) mit Gerichtsvollzieherin Anna Guggemus (Irene Kruschenski) verhandelt. Foto: Hannelore Nowacki


    RIEDRODE – Einen Grund traurig zu sein könnte es geben: So viel hintersinnigen schwarzen Humor wie beim Lustspiel der „Sainäwwel“ mit dem Titel „Es Douregrewerhaus im Briewel drauß“ wird man weit und breit nicht finden. So bleibt nur die Erinnerung an einen gehaltvollen Abend mit witzigen Dialogen in Bürstädter Mundart und überraschenden Momenten. Das Ableben und das Leben danach spielte sich auf unterhaltsame Weise im Totengräberhaus der Familie Klein ab, ein Bestattungsunternehmen, das es nicht wirklich gibt, aber die dekorativen Urnen im Regal und das goldene Kreuz an der Wand waren durchaus echt. „In drei Wochen nur eine Leich“, diese todernste Bilanz treibt den Hugo Klein um. Sohn Paul hatte da schon Fakten geschaffen. In der Zeitung liest der Vater die Anzeige: „Bestattungsunternehmen Klein – wir dosen Sie ein“. Sein Ärger verfliegt schnell, als er erfährt, dass der wohlhabende Egon Kilian, ein Gummernfabrikant, schon mit „Doudeschoi“ versehen, in seine Hände kommt. Dessen treusorgende Gattin Helga will ihren Egon auch unter der Erde mit allen Annehmlichkeiten versorgt wissen, bis ihr klar wird: Er war ein Mann mit geheimen Seiten, mit einem Hang zu anderen Frauen. Frieda Maul, die eine der beiden geheimen Liebschaften, klärt auf, was die beiden verband. Ramona Becker ist schockiert, dass ihr Traummann verheiratet war – nun gewinnt Egons ergebener Angestellter Ludwig Bauer ihr Herz. Sein Chef hatte einen Plan ausgeheckt, bei dem der treue Ludwig behilflich ist. Die Zuschauer werden auf höchst amüsante Weise Zeugen einer Entwicklung, die so ganz anders ausgeht als vom Toten erwartet. „Der Tod kommt schneller als man denkt“ sagt Elvira Klein anlassbedingt zu ihrer Kundin und freut sich, dass die Geschäfte wieder anlaufen. Die ebenso hartnäckige wie genussfreudige Gerichtsvollzieherin Anna Guggemus verteilt zwar ihre Kuckuckaufkleber, aber, so viel sei verraten - alles wird gut. Sohn Paul ist durch seine Freundin Melanie, in Gothic-Kreisen als Morgana bekannt, für allerlei schwarzen Zauber aufgeschlossen, was Mutter Klein zunächst gar nicht gefällt. Das Publikum lachte und amüsierte sich prächtig, mit Szenenapplaus wurde nicht gespart. Am Ende der Vorstellung klatschte das Publikum im voll besetzten Bürgerhaus heftig Beifall – in den Gesichtern lag der Glanz erlebter Freude. Fast drei Stunden inklusive zweier kurzer Pausen hatte das Ereignis gedauert. In dieser 6. Aufführung betrat ein Überraschungsdarsteller die Bühne, der nicht im Programmheft abgebildet war, dessen Tätigkeit aber im Stück eine unverzichtbare Rolle spielt - Pfarrer Peter Kern von der Pfarrgemeinde St. Michael begeisterte das Publikum mit seiner künstlerischen Interpretation der Priesterrolle. Weitere lebensechte Pfarrer nehmen und nahmen an den Aufführungen teil. Von vierzehn Aufführungen sind derzeit nur vier noch nicht ausverkauft. Weitere Informationen im Internet unter www.sainaewwel.de. Hannelore Nowacki

    Bestatter Hugo Klein (Markus Winkler) informiert den Priester (Pfarrer Peter Kern) über Details. Foto: Hannelore Nowacki


    Information

    Die Darsteller der Theatergruppe „Die Sainäwwel“: Markus Winkler als Bestatter Hugo Klein, Gabi Schäfer-Bauer als Ehefrau Elvira Klein, Michael Reischert als Sohn Paul Klein. Frank Gumbel spielte den Gurkenfabrikanten Egon Kilian, Doris Tannenberger seine trauernde Gattin Helga Kilian. Anita Reischert spielte eine enttäuschte Geliebte des Toten, Eleonore Röchner zeigte als Geliebte besondere Lebensart. Karl-Hans Reischert spielte den Angestellten Ludwig, Irene Kruschenski die Gerichtsvollzieherin Anna Guggemus. Simone Kipfstuhl machte als Melanie Tiefel, Freundin des Bestattersohns Paul Klein und Gothic-Fan, eine gut geschnürte Figur. Die weiteren Akteure und Helfer: Souffleusen: Gisela und Roswitha Gebhardt. Maske: Waltraud Baierle, Anastasia Tremmel, Simone Kipfstuhl. Kulissen: Richard und Matthias Brenner, Markus Winkler, Norbert Schäfer, Karl-Hans Reischert. Bühnengestaltung: Bestattungshaus Kern, Gardinen Gräf, Gisela Riedinger. Bewirtung: Annkathrin Thöne, Simon Morweiser und viele Freunde der „Sainäwwel“. Textliche Bearbeitung des Stücks „Chaos im Bestattungshaus“ von Winnie Abel aus dem Reinehr Verlag: Gabi Schäfer-Bauer, Markus Winkler, Frank Gumbel und die „Sainäwwel“. Licht und Toneffekte: Sebastian Andres, Karin Seidel, Lena Reischert. Regie: Frank Gumbel.

     

     

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