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    GESCHICHTE: Verein für Heimatgeschichte Bürstadt e.V. besucht ehemaliges Konzentrationslager Osthofen

    „Sei ruhig, sonst kommst Du nach Osthofen!“

    Mit der Anordnung vom 1. Mai 1933 zur Schaffung eines Konzentrationslagers für den damaligen Volksstaat Hessen entstand in Osthofen bei Worms eines der ersten staatlichen Konzentrationslager überhaupt. Foto: oh


    BÜRSTADT – Einen äußerst interessanten und informativen Nachmittag verbrachte der Verein für Heimatgeschichte Bürstadt eV mit insgesamt 26 Personen Anfang November in der Gedenkstätte KZ Osthofen. Insbesondere die Schilderungen der Einzelschicksale und die informative Ausstellung hat die Vereinsmitglieder berührt und tief beeindruckt. „Das habe ich so nicht gewusst“, war des öfteren zu hören. Auch schockierten Schilderungen über die Rohheit der Wachmannschaft, teilweise waren Sadisten am Werk.

    Dass es in Osthofen ein sogenanntes Konzentrationslager gab, haben die Nationalsozialisten nie verheimlicht. Es diente im Gegenteil sogar bewusst der Abschreckung zur Festigung der Macht. „Sei ruhig, sonst kommst Du nach Osthofen“ war eine durchaus bekannte Drohung. „Umerziehungslager“ war ein Schlagwort.

    Dr. Werner Best, der bereits im August 1931 als junger Gaufachberater der NSDAP auf dem Boxheimerhof die sogenannten „Boxheimer Dokumente“ verfasst und vorgestellt hatte, hatte nunmehr als Sonderkommissar für das hessische Polizeiwesen, zum 1. Mai 1933 die Schaffung eines Konzentrationslagers für den damaligen Volksstaat Hessen in Osthofen bei Worms angeordnet. Mit Errichtung des frühen Konzentrationslagers hatte Best eines der ersten staatlichen KZ im Reich geschaffen. Anfang März hatten bereits örtliche Nationalsozialisten eine leerstehende Papierfabrik beschlagnahmt und diese als Konzentrationslager genutzt. Im Unterschied zu anderen Konzentrationslagern, wie beispielsweise in Dachau, kam es im KZ Osthofen zu keinen Todesfällen. Gleichwohl liegen viele Berichte von Folterungen, Demütigungen, Misshandlungen und Übergriffen vor. Da das KZ bereits 1934 geschlossen wurde, kann man es nicht als Vernichtungslager bezeichnen.

    Etwas mehr als die Hälfte der Inhaftierten sind heute namentlich im Dokumentationszentrum erfasst. Man geht insgesamt von ca. 3.000 Insassen aus. Nach Vereinsrecherchen wurden mindesten 43 Bürstädter und drei Bobstädter, darunter neben Kommunisten, Gewerkschafts- und SPD-Mitgliedern auch Juden, zeitweise hier inhaftiert. Besonders in Erinnerung blieb die Geschichte von Christoph Weitz, einem Bürstädter Gewerkschafts- und SPD-Mitglied. Mit beispielsweise Max Hochstädter und Adolf Sondheimer sind auch zwei Juden aus Bürstadt bekannt, die ohne Gerichtsbeschluss nach Osthofen verbracht wurden. Es muss also von einer deutlich höheren Anzahl inhaftierter Bürstädter ausgegangen werden.

    Rechtsgrundlage war die Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933. Somit traf die erste Welle der verhafteten Insassen im Wesentlichen Kommunisten, Gewerkschafts- und SPD-Mitglieder, die ohne Gerichtsurteil inhaftiert wurden. Der bekannteste Häftling des Konzentrationslagers in Osthofen war der Pressesprecher des hessischen Innenministers Wilhelm Leuschner, Dr. Carlo Mierendorff (SPD). Im Juli 1934 wurde das KZ Osthofen als eines der letzten frühen KZ wieder aufgelöst.

    Im Anschluss an den Besuch der Gedenkstätte kehrte man in Osthofen zum gemeinsamen Abendessen und zum Austausch der Eindrücke ein. Weitere Ausflugstermine zum Thema Heimatgeschichte sind geplant. zg

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