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  • Di., 18. November 2014, 11:34 Uhr
    Erneut Stolpersteine in Bürstadt verlegt / Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

    Sichtbare Zeichen wider das Vergessen

    Die Stolpersteine, die der Kölner Künstler Gunter Demnig an der Ecke Andreasstraße/Nibelungenstraße verlegte, erinnere an Familie Meyer. Foto: Benjamin Kloos


    BÜRSTADT - Ein sichtbares Zeichen wider das Vergessen wurde am Dienstag in Bürstadt durch die Verlegung von sieben weiteren Stolpersteinen gesetzt.  Der Kölner Künstler Gunter Demnig, der die Stolperstein-Aktion ins Leben gerufen hat und mittlerweile in ganz Europa damit unterwegs ist, war persönlich nach Bürstadt gekommen, um die Steine zu verlegen. Initiator des Projektes in Bürstadt ist Burkhard Vetter, der betonte, dass „es sich im Grund zwar um einen traurigen Anlass handele, aber es dennoch auch freudig und positiv sei, denn wir geben ehemaligen Bürstädtern durch die Stolpersteine ein bleibendes Andenken. Vielen Dank an die Spender, und vielen Dank an Holger Eberle für die hervorragende Recherche bezüglich der Geschichte der ehemaligen jüdischen Mitbürger."

    Jeder Stein ist eine kleine Gedenktafel und steht für das Schicksal eines jüdischen Mitbürgers, der von den Nazis verschleppt und ermordet wurde. Der Stein wird dort in den Boden eingelassen, wo der letzte Wohnort des von den Nazis Ermordeten war. Somit wird vor den Häusern die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.

    In der Andreasstraße 2 erinnern die neu verlegten Stolpersteine an Albert Meyer, Betty Meyer geb. Brückmann, Irene Sofie Meyer und Sophie Brückmann. Der Stein, der vor dem Haus in der Nibelungenstraße 62 in den Boden eingelassen wurde, ist sichtbares Mahnmal und Erinnerung an Gustav Flörsheim. Am Standort der ehemaligen Synagoge in der Mainstraße 22 wurden die bereits vorhandenen Steine durch zwei weitere, die an Cäcilia Ida Mehrl und Moses „Moritz" Mehrl erinnern, ergänzt .

    Zeitzeuge Theo Held erinnerte beeindruckend an das „unmenschliche Verhalten", das den jüdischen Bürgern Bürstadts entgegengebracht wurde. Foto: Benjamin Kloos


    Einen beeindruckenden und zugleich erschreckenden Bericht lieferte Theo Held. Er selbst war Zeuge, als eines Tages die SA vor dem Haus von Familie Meyer stand. „Familie Meyer war in Bürstadt hoch angesehen, Albert Meyer war nicht nur Ehrenmitglied beim VfR Bürstadt, sondern auch sehr großzügig. Arbeitslosen Fußballspielern seines Vereins schenkte der Betreiber eines Textiliengeschäftes gerne einmal Jacken oder Anzüge. Doch mit dem Tod Hindenburgs wuchs die Angst und in den folgenden Jahren sind schreckliche Dinge geschehen. Ich stand vor dem Haus von Familie Meyer, als die SA offenbar das Auto abholen wollte. Albert Meyer wollte dies nicht zulassen und wurde dafür mit Knüppeln verprügelt. Auch als er auf dem Boden lag, traten die SA-Männer noch auf ihn ein. Einzig seine Tochter Irene wollte ihm helfen, sie bekam dafür ein Loch in den Kopf geschlagen und rannte, verfolgt von zwei SA-Männern, zur Ärztin Dr. Sieben. Diese stellte sich schützend vor Irene Meyer und bewahrte sie vor weiteren Übergriffen. Währenddessen randalierte die SA im Haus von Familie Meyer, warf Gläser, Tassen und Teller in den Hof. Vor Angst bin ich heim gerannt", schilderte Theo Held dieses „unmenschliche Verhalten." Wie er später erfuhr, habe die SA noch alles gegessen und getrunken, was Familie Meyer im Haus hatte, und dabei gegrölt und gelacht. Albert Meyer hat später Selbstmord begangen, da er die bedrückende und gefährdende Situation nicht mehr ausgehalten hat.

    „Die jüdischen Mitbürger in Bürstadt waren alles anständige Menschen", betont Theo Held und bedauert, dass nur ein Nachbar von Familie Meyer gegen die SA vorgegangen ist und auch nach dem Krieg gegen die entsprechenden Personen, „die jeder in Bürstadt kannte", ausgesagt hat.

    Gustav Flörsheim wurde während der Nazidiktatur im KZ inhaftiert, überlebte dies und konnte 1941 in die USA fliehen. Dort kam er aber mit dem Erlebten nicht zurecht, drehte durch und verstarb 1943. „Sein Enkel in New York hat sich sehr darüber gefreut, dass wir Gustav Flörsheim ein solches Andenken bewahren. Er konnte sich selbst auch noch an einige Bürstädter erinnern", so Burkhard Vetter.

    Für jeden Stolperstein übernimmt eine Person, eine Schulklasse oder ein Verein die Patenschaft. Übrigens: Wer selbst eine Patenschaft für den Stein und das Verlegen übernehmen möchte, kann gerne eine Anfrage an info@stolpersteine.com richten. Die Kosten für eine Patenschaft betragen 95 Euro. „Für diese Aktion haben sich mehr Spender als Steine gefunden", freute sich Burkhard Vetter. Für 2015 ist bereits die nächste Verlegung von Stolpersteinen geplant - wider das Vergessen und als sichtbares Zeichen an die Gräueltaten während der Zeit des Nationalsozialismus. Benjamin Kloos

    Foto: Benjamin Kloos


     

     

     

     

     

     

     

     

     

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