Fastnacht: Das Gallische Rathaus-Dorf warf sich mit Witz und List dem Rathaussturm entgegen
Sieg über die Bürokratie – Rathausschlüssel in Narrenhand
Die Verwaltung läuft auf Hochtouren – die Chefin des gallischen Rathaus-Dorfs hat noch ihren Schlüssel. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Wie gut doch eine ordentliche Bürokratie ist – das bewies der diesjährige Rathaussturm eindrucksvoll und unterhaltsam. Die irre gut gelaunte und Wildschweinwurst liebende Dorfgemeinschaft im Gallischen Rathaus erheiterte die Narrenschar der Bürstädter Karnevalvereine und die zahlreichen Schaulustigen vor dem Rathaus mit einer Aufführung unter dem Motto „Mit Zaubertrank und Bürokratie – machen wir die Narren verrückt wie nie“. So einfach kommt man nicht in die Bürstädter Machtzentrale, das musste den Tollitäten klar sein. Rathauschefin Barbara Schader machte als Oberhaupt Gutemine gute Miene zum bunten Treiben der gallischen Dorfgemeinschaft, die alles daran setzte die Narrenherrschaft mit lustigen Einfällen und viel Bürokratie abzuwehren. Den römischen Narren prophezeite die Chefin: „Heit gibt es für eich koh Schlisselübergabe“. Weil „mer sind die Götter der Bürokratie, aus de Verwaltung schöpfe mer unsre Energie“. Ein Zaubertrank war angerührt und labte die frohen Gallier, doch die Gegenseite hatte Ausdauer und Humor mitgebracht und arbeitete sich nach gutem bürokratischen Brauch durch alle Anträge von Schalter zu Schalter durch. Am Ende Jubel – Stadtprinzessin Annalena I. und Viviane Mallig, die Präsidentin der Vereins-AG, bekamen den begehrten Passierschein A38.
Der Zaubertrank verleiht geheimnisvolle Kräfte. Foto: Hannelore Nowacki
Chefin Gutemine schwenkte die weiße Fahne, übergab der triumphierenden Stadtprinzessin den großen Rathausschlüssel und unterzeichnete die Kapitulationsurkunde. Die närrischen Paragrafen, die Annalena I. verlas, enthielten einerseits frohe Kunde für die Bürger wie freies Parken (wenn sich das Ordnungsamt daran halten würde), der Verwaltung gab sie bessere Öffnungszeiten des Bürgerbüros auf. Zum Fastnachtsumzug am Sonntag sei das Tragen der Umzugsplakette absolute Pflicht. Der Musikzug der Freiwilligen Feuerwehren Bürstadt/Hofheim mit Erik Minnder an der Spitze befeuerte die Lage mit kräftigen Fanfarenklängen, mit Pauken und Trompeten. Eine zauberhafte Erzählerin führte mundartlich mit flotter Zunge durchs Geschehen und hatte ordnend das Zepter in der Hand. Den Zuschauern hatte sie gleich zu Beginn erklärt, was auf sie zukommen werde: „Die Gallier sin los, ihr werds glei erlewe“. Ein unbeugsames Bäschdädder Rathausvölksche habe sich verschanzt in sei’m Beamtendörfsche. Bevor die Rathauschefin das närrische Publikum am Ende zum Feiern ins Bürgerhaus einlud, wurde gemeinsam „Humba, Humba, Tätärä“ in die Abenddämmerung geschmettert.
Wie Obelix den Sackstein wirft und die Gallier verrücktspielen
Die abwehrbereite Dorf-Gemeinschaft mit Chefin Gutemine und Häuptling Majestix hatte sich mit einem Zaubertrank des Zauberers Miraculix gestärkt. Obelix, von Natur aus mit unbändigen Kräfte ausgestattet, wuchtete mühelos den Sackstein hoch, bekannt auch als Sackschdoa, und warf ihn der Narrenschar entgegen. Im gallischen Dorf vor dem Rathaus tummelten sich tierische Gefährten wie der Kater Idefix (Tim Lux) und ein gallischer Hahn (Klaus Brenner), der schöner krähte als der Troubadix (Hilde Rother) zu singen vermochte. Asterix und Obelix waren die Spielmacher, während an den Schaltern zur Antragsbearbeitung mit hervorragender Besetzung vor allem fleißig zugeschaut und gearbeitet wurde. Die Idee zu diesem Spektakel hatte Tim Lux, wie aus informierten Kreisen zu erfahren war, inspiriert durch die Herkunft der Stadtprinzessin vom Verein der Sackschdoahogger.
Stefanie Reis reimte die Geschichte und Dialoge in Mundart, unterstützt vom Team Rathaussturm, zu dem Sandra Beilstein und Tim Lux gehören. Die Mitarbeiter aus Verwaltung, Bauhof und Kitas stellten sich mit sichtlicher Freude als tapfere Gallier der Narrenschaft entgegen. Für die Kulissen, die von der Theater AG Kleiner Bär und Company Biblis ausgeliehen waren, sowie für die Dekoration waren Klaus Brenner und Stefanie Reis zuständig, für die Technik Klaus Ofenloch. Den Zauberer mimte Abdalla Gdoura, Ralf Gawlik trat als Häuptling Majestix auf, Kevin Winkler war Asterix, Jonas Elsinger Obelix. An den Schaltern der Macht saßen Michelle Ohl, Michele Gerhard, Nadja Winkler, Alessia Fay, Birgit Keiber, Gerasimoula Grigoraki. An der Pforte wachten Frank Müller und Joanna Dudek. Hannelore Nowacki
Die Schlüsselübergabe steht bevor – bald kann gefeiert werden. Foto: Hannelore Nowacki