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  • Mo., 30. März 2020, 11:28 Uhr
    Landwirtschaft braucht viele Helfer – Aufruf an alle, die möchten und Zeit haben

    Spargelzeit auf dem Wochenmarkt und in den Hofläden 

    Spargelernte bei Gemüsebau Schmidt – früher Spargel unter Folie. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Strahlender Sonnenschein und gute Luft, so machte der Einkauf auf dem Wochenmarkt in der vergangenen Woche Spaß. Alles für den täglichen Genuss beim Essen ist zu haben und fürs Auge die Frühlingsblumen. Besonders aber der frisch gestochene Lampertheimer Spargel lockt, das Angebot ist groß. Das kann sich jedoch ändern, wenn nicht genügend Erntehelfer auf den Spargelfeldern Hand anlegen. Ganz wichtig in dieser Corona-Zeit: An den Ständen stellten sich die Kunden geordnet an, hielten Abstand und das offenbar in guter Stimmung. Auf dem weitläufigen Schillerplatz kommt man sich nicht so schnell in die Quere. Auch in den Hofläden der Lampertheimer Landwirte ist das Angebot an Spargel reichlich, es gibt alles, wie man es gewohnt ist. Kartoffeln aus eigenem Anbau sind noch zu haben, dank Kühlung so frisch als wären sie gerade vom Acker gekommen. Die Gastronomie hat geschlossen und fällt als Abnehmer aus. Beim Einkauf in den Hofläden werden Abstände eingehalten, Eingang und Ausgang sind meistens separat, wo es enger wird, sind nicht mehr als zwei Kunden im Raum. Alles ist durchdacht und gut organisiert. Lob ist von Kunden zu hören. 

    Auf den Feldern fehlen die Saisonmitarbeiter

    Aber die großen Probleme sind schon da oder absehbar. Die bewährten und eingearbeiteten Mitarbeiter fehlen, zu wenige konnten noch vor der Grenzschließung aus Rumänien und Polen einreisen. Landwirte haben die Anreise im Flugzeug organisiert und bezahlt. Beim Spargel wird es zuerst eng werden, denn das zarte Gemüse mag das warme  Frühlingswetter und wenn bald die Nächte milder werden, gibt es kein Halten mehr in der fruchtbaren Erde in und um Lampertheim herum. Nur durch einen feinen Riss in der glatt gestrichenen Erdoberfläche zeigen die Spargelstangen dem geübten Auge, dass sie gestochen werden wollen. Die Kraft der Sonne wird unter schwarzen Folien verstärkt, auf die weiße Seite wird gedreht, damit es dem Spargel nicht zu warm wird. Bald reifen zudem die Erdbeeren und müssen gepflückt und in den Verkauf gebracht werden. Damit im Sommer und Herbst Gemüse geerntet, verkauft und gegessen werden kann, muss jetzt vieles gepflanzt und gesät werden – auch dafür brauchen die Landwirte Helfer. Die große Gemüsevielfalt in Lampertheim und im Ried trägt zur gesunden Ernährung bei, mit dem Vorteil kurzer Transportwege. Erntehelfer werden dringend gesucht – Bewerbungen sind bereits direkt bei den Landwirten eingegangen. Ortslandwirt Helmut Steinmetz hat Helfer schon unter Vertrag genommen. Studenten, Lehrer, von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit Betroffene verschiedenster Branchen, Rentner und viele andere können und wollen bei vorbereitenden und pflegenden Arbeiten auf den Feldern tätig werden, beim Ernten oder bei der Aufbereitung zum Verkauf. Und die Zeit drängt – die Lage ist ernst.

    Wie kann die Versorgung gesichert werden?

    „Wer hier helfen kann, der melde sich bitte. Wir appellieren an alle Bergsträßerinnen und Bergsträßer, die Zeit haben oder Zeit entbehren können, helfen Sie unseren Landwirten! Sie werden dringend gebraucht“. Diesen Appell richtet Landrat Christian Engelhardt gemeinsam mit den Bergsträßer Bürgermeistern und den beiden hauptamtlichen Kreisbeigeordneten Diana Stolz und Karsten Krug an die Bevölkerung im Ried. Die heimische Landwirtschaft, vor allem im Ried mit ihrer langen Gemüsebau-Tradition, darauf weist der Landrat insbesondere hin, ist einer der größten regionalen Lebensmittelhersteller und leistet einen wichtigen Beitrag zur hiesigen Lebensqualität. „Die Lage erfordert sofortiges Handel“, macht Engelhardt deutlich, den örtlichen Landwirten stehe teilweise nicht einmal ein Viertel der Erntehelfer zur Verfügung. Letzte Woche hatte sich Engelhardt vor Ort auf einem Lampertheimer Spargelacker im Gespräch mit dem Vorsitzenden des Regionalbauernverbandes Starkenburg Dr. Willi Billau ein Bild von der Lage gemacht. „Mit den Helferinnen und Helfern, die bereits da sind, können wir höchstens ein Drittel der gesamten Ernte einbringen“, erklärte Billau. Wie Engelhardt sieht er die Existenz von Landwirten und die Versorgung der Bevölkerung bedroht. Spargelstechen sei kein einfaches Handwerk, betont Billau, und es gebe nur ein kleines Zeitfenster für das Anlernen der Erntehelfer. „Es darf nicht passieren, dass tonnenweise regionales Obst und Gemüse auf unseren Äckern verdirbt oder wegen Personalmangels nicht verkauft werden kann“, appelliert Engelhardt eindringlich an mögliche Erntehelfer, die sich entweder direkt bei den Landwirten bewerben oder sich auf der Plattform der Bundesregierung www.daslandhilft.de registrieren können.  Hannelore Nowacki

    Mit zarter Hand will der Spargel gestochen werden, das haben die Erntehelfer gelernt und im Gefühl. Foto: Hannelore Nowacki


    Der TIP mit Landwirten im Gespräch

    Ziel - Versorgung der Bevölkerung und die Existenz sichern

    LAMPERTHEIM/RIED - Noch am Samstagabend ist Gerd Knecht mit dem Traktor auf dem Acker unterwegs, nimmt sich aber Zeit für das Telefongespräch. Aus seiner Sicht ist die Lebensmittelversorgung „definitiv nicht mehr gewährleistet“. An Politiker hat er sich gewendet, zunächst an Marius Schmidt, den Vorsitzenden der SPD Bergstraße, und mit einem Schreiben an die Bundesjustizministerin Christine Lambrecht (SPD), die als Bundestagsabgeordnete für den Kreis Bergstraße zuständig ist, verbunden mit der Bitte, das Anliegen an die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) weiterzuleiten. Eine Rückmeldung habe er noch nicht. „Es ist eine Situation, die extrem ist, auch für Gemüsebauern“, sagte Gerd Knecht, der Vorsitzender des Bauernverbandes Lampertheim ist, gegenüber dem TIP. Nicht genug Erntehelfer auch auf seinem Hof, statt der nötigen zwölf Helfer aus Rumänien haben es nur vier vor dem Einreiseverbot der Bundesregierung geschafft. Was seine vier Leute und er bei der Spargelernte nicht schaffen, lasse er auswachsen, später werde der Acker abgemulcht. Das heißt: Wunderbarer Spargel bleibt im Boden. Damit nicht genug – Gemüse und Salate müssen angepflanzt und gesät werden, für die Stangenbohnen müssen die Stangen aufgebaut werden. Viel Arbeit fällt an. „Aber wir brauchen Einkommen und die Menschen brauchen Vitamine und Mineralstoffe, sonst leidet das Immunsystem“, gibt Knecht zu bedenken. Für das Spargelstechen gebe es Mindestlohn, das sei zwei Bewerbern zu wenig gewesen. „Doch wenn der Verbraucher uns das Geld für teureren Spargel nicht gibt?“ Die Einnahmen müssen auch für Pacht, die fortlaufende Pflege auf dem Acker und vieles mehr reichen. Auf staatliche Unterstützung will Knecht nicht bauen. Zukünftige Spargelstecher will Knecht ermutigen, aber man müsse sich die ersten Tage durchbeißen. Aus eigener Erfahrung weiß er das, anfänglich fahre einem ein tierischer Muskelkater ins Kreuz. Die letztjährigen Kartoffeln reichen für den Verkauf im Hofladen und auf dem Wochenmarkt voraussichtlich noch bis Ende April. Die Erbsen sind schon im Boden, Auch für die Ernte im Juni brauche er Erntehelfer, ebenso für die Zwiebeln, Salate und Chinakohl. Ehefrau Petra Knecht ist mit einem großen Stand auf dem Wochenmarkt vertreten und führt den Hofladen. 

    Auch Landwirt Dr. Willi Billau war abends noch auf dem Traktor bei der Arbeit, als ihn der Anruf vom TIP erreichte. Treffpunkt war vor der Halle für die Spargeljungpflanzensortierung, in der die Mitarbeiterteams aus Rumänien an den Rollen voller frisch gerodeter Jungpflanzen standen, bei flotter Partymusik das Wurzelwerk entwirrten und sorgfältig in die Verkaufskisten legten. Beliefert werden Spargelanbauer. Glücklicherweise können diese Mitarbeiter auch bei der Spargelernte eingesetzt werden. Noch vor vier Wochen konnten die Mitarbeiter problemlos einreisen. „Von denen hat keiner was, sie kommen aus ländlichen Regionen“, sagt Billau mit Blick auf das Corona-Virus. Deshalb sein Wunsch an die Bundespolitik: „Bei den Erntehelfern könnte man durchaus Regelungen erleichtern“. Wenn Anfang Mai während der Spargelernte zusätzlich die Erdbeeren reif sind, werde es bei den Erntehelfern knapp. Auf den Feldern gibt es außerdem einiges zu tun: Pflanzen, pflegen, hacken, Unkraut bekämpfen, bei Frühsorten Folien legen, Kartoffeln wässern. Der Bauernverband habe noch versucht, Leute mit dem Flugzeug herzubringen und koordiniere jetzt den Erntehelfereinsatz für die Betriebe. „Ich finde es toll, wenn Leute helfen wollen“, betont Billau. Seine Zuversicht stützt Billau auf seine Familie und Mitarbeiter und den „schönen Job in der Natur“. Allerdings zeige die Corona-Krise „wie verwundbar wir sind“. Im Hofladen zeigt Marita Billau auf die Kartoffeln aus der vorjährigen Ernte, für die große Nachfrage besteht. Da der eigene Spargel nicht unter Folie wachse, beginne die Spargelzeit im Hofladen in etwa 14 Tagen. Kann man planen? „Wir leben in Ungewissheit“, sagt sie, die auch Vorsitzende der Landfrauen ist.  

    Helmut und Sandra Steinmetz freuen sich, dass die Kunden dem Hofladen in der Römerstraße die Treue halten. Abstand ist das Gebot, deshalb wird das Mittagessen draußen zum Mitnehmen verpackt, sogar ein Drive-in wurde eingerichtet, um aus dem Auto heraus zu bestellen und bestellte Ware abzuholen. Innen führt ein Rundgang durch den Hofladen, Abstand halten ist auch an den Frischetheken ganz einfach. Fleisch, Wurst, Backwaren, Torten – alles ist wie immer zu haben. Die Produktion läuft. Jetzt hat der Spargel aus eigenem Anbau Saison. Helmut Steinmetz sagt: „Wir jammern nicht, wir machen, was möglich ist, um die Leute mit Lebensmitteln zu versorgen“. Für die Ernte sind weitere Helfer nötig, daher ist die Freude groß, dass sich viele Bewerber gemeldet haben, die auf Hof und Feld mit anpacken wollen. Einige sind schon eingestellt. Von den bewährten ausländischen Erntehelfern seien einige schon vor Wochen gekommen, weiteren 15 Mitarbeitern gelang die Einreise im letzten Augenblick vor dem Einreiseverbot der Bundesregierung per Flugzeug. Sandra Steinmetz berichtet von chaotischer Bürokratie bei den Einreiseformalitäten, die sich nahezu stündlich änderten. Geschlossene Grenzen zu Ungarn und Österreich bedeuteten, dass auch kein Bus mehr durchkam. Viel Arbeit dafür im Büro. „Die Leute wollen kommen, sie verlassen sich auf das Geld, das sie hier verdienen“, wissen Helmut und Sandra Steinmetz von ihren rumänischen Mitarbeitern. 

    Michael Schmidt von Gemüsebau Schmidt In den Böllenruthen will das Beste aus der aktuellen Lage machen. Die Landwirte seien aber schon leidgeprüft, meint Schmidt mit Blick auf die Erntehelfer, die nicht einreisen dürfen. Mit dem Wortpaar „Politik und Praxis“ umreißt der Lampertheimer Landwirt die Problematik. In der Pflicht sieht er sich den Kunden, der Bevölkerung und den Mitarbeitern gegenüber. Allerdings sind bei ihm bislang nur etwa 30 Prozent der benötigten Helfer verfügbar. Da beim Gemüsebau Schmidt die Hauptarbeitszeit beim Spargel Mitte und Ende April beginne, stehe man ganz am Anfang. Doch die Hilfsbereitschaft sei groß, Angebote habe er von Kunden aus der Gastronomie bekommen, die Mitarbeiter entsenden könnten, und Anfragen von Leuten in Kurzarbeit, Bankangestellten, Lehrern und Schülern. Das sieht auch Seniorchef Karl-Heinz Schmidt positiv, wegen der Anlernphase beim anstrengenden Spargelstechen denkt er, dass die Erdbeerernte einfacher und das Wetter dann meistens besser sei. Viele Gemüsesorten und Salate seien für Ungeübte einfacher zu ernten. Die Spargelpflanze werde mehrfach in der Saison beerntet, die kommenden Triebe dürften jedoch nicht verletzt werden. Gosia Schmidt weist auf den Hofladen in der geräumigen Halle hin. Auch hier werden die Abstandsregeln beachtet.  

    In der Landwirtschaft von Rigo Strauß in der Biedensandstraße sind zurzeit nur die Hälfte der benötigten Arbeitskräfte vorhanden, bis Ende August wären 60 Leute nötig. „Wir haben Glück gehabt“, erzählt Andrea Strauß. „am Sonntag kamen noch zehn Helfer aus Rumänien, nach endlosem Formularchaos“. Ein schnelles Einreiseverfahren wünscht sie sich zukünftig. Seit einer Woche wird schon Spargel gestochen. Zehn Leute fehlen noch für die Spargelaufarbeitung. Die Blumenkohlernte ist im Mai. Wie geht es weiter? In einigen Wochen müsse entschieden werden, ob und was für die Ernte im Herbst gepflanzt werden kann. „Wir Bauern sitzen alle in einem Boot“, sagt Andrea Strauß, vielleicht ein Trost. Sie wünscht sich ihr ganz normales Leben zurück. Bis dahin ist viel zu tun. Die ganze Familie ist gefordert, Ehemann Rigo Strauß organisiert viel telefonisch, er braucht noch Leute für die Beregnung. Der Wind habe die Böden ausgetrocknet, erklärt Andrea Strauß. Die Rohre werden nach der Saat ausgelegt. Sohn Philipp Strauß ist in der Logistik und auf dem Acker aktiv. Bewerber hätten sich gemeldet, darunter manche, die auf den Acker gehen wollen. Erfreulich findet Andrea Strauß, dass die Kunden das regionale Angebot auf den Wochenmärkten und im Hofladen schätzen und unterstützen. 

    Beim Kreuzhofbauer Karb in der Biedensandstraße ist die Gastronomie wie überall geschlossen, aber der Hofladen ist geöffnet. Die Abstandsregeln gelten, ansonsten erscheint alles wie immer. Doch auch Edyta und Heinz Karb haben zu wenig Erntehelfer – nur vier von 20 Leuten sind da. Einige hatten wegen der Lage von sich aus abgesagt, andere wollten kommen, konnten aber nicht einreisen. Erfreulich finden die Eheleute, dass sich Bekannte und fremde Leute zum Helfen gemeldet haben. Die Frage sei, was ist, wenn die Schulen und Universitäten wieder öffnen? Doch wenn alle kommen und durchhalten, wäre ihnen geholfen. Vorausgesetzt, die Helfer sind gesund. Wenn das Personal nicht reicht, werde nicht alles geerntet, es müsse jongliert werden, was geht und was nicht. Gut wäre, wenn die versprochene Soforthilfe für die Gastronomie ankommt, hoffen die Eheleute. Aber trotz allem: „Hauptsache, wir bleiben alle gesund“. 

    Das Hofgut Ochsenschläger in Biblis-Wattenheim hat nur feste Mitarbeiter, ein Vorteil in dieser Zeit. Die Solidarische Landwirtschaft von Siegbert Ochsenschläger ist neben dem Getreideanbau mit Weizen, Roggen und Urgetreide sowie dem Anbau vieler, auch seltener und alter Gemüsesorten und den freilaufenden Hühnern das Kerngeschäft. Im Hoflädchen hat Dagmar Ochsenschläger im Zuge der Corona-Krise die Abläufe geändert. Nur noch zwei Kunden betreten das Hoflädchen, Desinfektionsmittel stehen auf einem Tisch, bei Obst und Gemüse ist Bedienung angesagt. Ansonsten – alles total entspannt, keine Hektik. „Für die Kunden ist es auch schön, mit Zeit beraten zu werden“, findet Dagmar Ochsenschläger. Viele neue Kunden habe sie begrüßt, sie hofft, dass die Kunden bleiben, auch wenn die Krise vorbei ist. Sogar aus Pfungstadt sei ein Fahrradfahrer wegen der Hähnchen gekommen. Er habe jetzt Zeit, hatte er erklärt. „Wenn jeder normal kauft, gibt es für alle etwas“, meint Dagmar Ochsenschläger. Hamsterkäufe gebe es bei ihr nicht. Als Mitglied im Genussnetz unterstützen sich die Betriebe gegenseitig, das sei hilfreich wegen der geschlossenen Gastronomie.  Da keine touristischen Angebote erlaubt sind, habe sie ihren angemeldeten Feriengästen absagen müssen, bedauert Dagmar Ochsenschläger.  

    Wolfgang Steeg mit Landwirtschaft in Lampertheim-Rosengarten sieht momentan noch die Zeit auf seiner Seite. Mit mehreren Festangestellten für die Zwiebel-Aussaat kommt er zunächst über die Runden. Die Erntehelfer aus Rumänien und Polen sollten Anfang Mai kommen. Bis dahin gibt es vielleicht schon den Schnelltest für das Corona-Virus, hofft Steeg. Bei deutschen Helfern müsse man abwarten, wie es täglich läuft. Entscheidungen zu treffen sei im Moment relativ schwierig. Für die Zwiebelernte im Juni sei noch Luft, die derzeitige Spinaternte werde von Frosta selbst übernommen. Kein Spargelanbau, das ersparte aktuell einige Sorgen. Im Normalfall beschäftigt Steeg 60 Leute bei der Erdbeerernte, die Mehrzahl pflückt, andere verwiegen, palettieren, transportieren zum Hof, beschicken die Märkte und fahren zu den Ständen. An viele Dinge müsse gedacht werden, zum Beispiel auch an Plexiglasscheiben an den Erdbeerverkaufshäuschen. Gelassen sieht Wolfgang Steeg die Entwicklung nicht, aber „ich bin froh, dass es noch vier Wochen bis dahin sind“, sagt er, „es kann aber sein, dass die Ernte verloren ist, kann aber auch sein, dass der Einbruch milder ist“. Ob das Selbstpflücken der Erdbeeren wie bisher möglich sein wird, wisse er noch nicht. „Wir sind flexibel“. 

    Werner Hartmann, Landwirt und Ehrenvorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, hat am Samstag mit den Vorarbeiten zur Spargelernte begonnen. Freunde und Bekannte helfen.  Die Tunnel waren wegzuräumen, da es keinen Sinn mache die Ernte weiter zu verfrühen, erklärt Hartmann. Am Sonntag wurden die ersten Spargel gestochen. Hauptprobleme seien die fehlenden Erntehelfer und das Wegbrechen der Gastronomie als verlässliche Abnehmer. Alles habe er versucht, um Flugtickets für die Einreise der Helfer zu beschaffen. Mit dem Vorsitzenden der Mittelstandsvereinigung Matthias Wilkes, Landrat a. D., habe er Kontakt zur hessischen Landesregierung aufgenommen und in Berlin alle Hebel in Bewegung gesetzt. Eine positive Seite sieht Hartmann dennoch, die Bereitschaft zu helfen: „Ich bin überrascht wie solidarisch und vorbildlich die Gesellschaft ist“. Doch es fehlen die sachkundigen Vorarbeiter bei der Ernte. Auch grundsätzliche Probleme der Landwirtschaft spricht Hartmann an, vor allem die neue Düngeverordnung mache die Landwirte zum Prellbock. Das Grundwasser müsse sauber sein, dafür stehe er, aber die hohen Nitratwerte bei einzelnen Brunnen im Ried seien Ausreißer durch Einträge von alten Deponien, nicht von der Landwirtschaft. Seine Meinung: „Klöckner hat total versagt“. Kulturen werden verhungern, wenn die Düngung pauschal um 20 Prozent reduziert werden müsse. Hannelore Nowacki

     

     

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