Do., 22. September 2016, 09:59 Uhr
„Größtes Problem ist Mangel an bezahlbarem Wohnraum“
SPD besucht Diakonisches Werk
LAMPERTHEIM - Im Rahmen ihrer Reihe „Fraktion vor Ort“ schaute die SPD-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Lampertheim am vergangenen Montag beim Diakonischen Werk in der Industriestraße vorbei. Im Gespräch mit Kerstin Biehal, Marion Persson sowie Martina Gaiser erfuhren die Sozialdemokraten Wissenswertes rund um die Arbeit der sozialen Einrichtung. Im zunächst unscheinbaren Gebäude neben den Technischen Betriebsdiensten der Spargelstadt ist dabei einiges los: Neben dem Programm Spagat sowie dem Jugendmigrationsdienst bietet das Diakonische Werk auch den Fachdienst der Jugendberufshilfe an. Kerstin Biehal berichtete, dass „im Jahr 2015 72 junge Menschen das Angebot einer langfristigen Beratung und Begleitung in Anspruch genommen haben -Tendenz steigend.“ Dabei hilft Biehal bei der Stellensuche, beim Bewerbungen schreiben oder trainiert das
Vorstellungsgespräch. „Wichtig dabei ist, dass die jungen Menschen Eigenverantwortung lernen. Sie sind ausbildungs- oder arbeitssuchend und sollen sich selbst aus ihrer Situation befreien“, so Biehal. Auch eine Ausbildungsbörse zur Last-Minute-Suche wurde 2016 wieder erfolgreich durchgeführt.
Der Jugendmigrationsdienst unter Leitung von Marion Persson leistet Beratung hinsichtlich Spracherwerb, Berufssuche oder sozialer Situation. Gerade bei der Integration der zahlreichen Flüchtlinge ein großes Arbeitsgebiet: „Unsere Zuständigkeit beginnt, sobald eine Anerkennung und damit eine Bleibeperspektive gegeben ist“, erläutert Persson. Im ersten Entwurf des Haushaltsplanes des Bundes wurden diesem Dienst acht Millionen Euro Mittel gestrichen. Dies würde dem Wegfall von bundesweit 70 Beratungsstellen entsprechen. Da die finanzielle Lage auch aufgrund der nur projektorientiert erfolgenden Finanzierungszusagen ohnehin angespannt ist, kritisierte die SPD diese Entscheidung scharf und forderte, „die SPD im Bund auf, hier schnellstmöglich parlamentarisch nachzubessern und diese Kürzung zurückzunehmen.“
Als dringlichstes lokales Problem gab Persson „das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum“ an. „Für uns als SPD ist dieses Problem bekannt und genießt dementsprechend hohe Priorität. Darum drängen wir darauf, das Konzept zum sozialen Wohnungsbau seitens der Verwaltung schnellstmöglich vorzustellen, um entsprechend geeignete Grundstücke im Stadtgebiet ausfindig zu machen. Denn reden reicht nicht mehr, wir müssen bauen“, waren sich die anwesenden SPD-Politiker einig.
Die Tafel Lampertheim ist seit 2008 fester Bestandteil der Angebotspalette des Diakonischen Werkes. Sie unterstützt mit Hilfe von ehrenamtlichen Mitarbeitenden in Lampertheim derzeit rund 510 bedürftige Personen mit Lebensmitteln. Die Lampertheimer Tafel finanziert sich ausschließlich über Spenden.
Spagat ist ein Projekt, um Alleinerziehende nach längerer Pause wieder in den Berufsalltag zu integrieren: „Zusammen mit dem Jobcenter führen wir dieses Projekt durch. Wir beraten Alleinerziehende, zu 90 Prozent Frauen, bei der Organisation des Alltags, bei Bewerbungen oder Stellenrecherche“, so Martina Gaiser. Diese Leistung wird für Frauen aus der gesamten Riedregion angeboten. Zuständig ist das Job-Center Bürstadt. Die SPD zeigte sich von der Vielfalt der Leistungen des Diakonischen Werks beeindruckt. Gerade im Zuge der anstehenden Armuts- und Sozialkonferenz freute sich die SPD auf einen vertiefenden Austausch mit der Diakonie. zg