
BÜRSTADT – Die SPD Bürstadt hatte am Sonntagvormittag zu einem Neujahrsempfang in entspannter Atmosphäre ins Vereinsheim des VfR Bürstadt eingeladen. Die Bundestagswahl am 23. Februar und die Bürgermeisterwahl in Bürstadt am 9. März rückten in den Fokus. Kurze Ansprachen und ungezwungene Gespräche hatte der 1. Vorsitzende German Dzsida in der Einladung in Aussicht gestellt. Zwei Gastredner waren gekommen, der SPD-Bundestagskandidat Sven Wingerter und der Vorsitzende der SPD Bergstraße Marius Schmidt, der in Lampertheim zur Bürgermeisterwahl antritt. Der Bürstädter SPD-Bürgermeister-Kandidat Boris Wenz sprach über sein Wahlprogramm und verriet seine Sicht auf die beiden Mitbewerber. Etwa zwei Dutzend Mitglieder waren der Einladung gefolgt. Der Ortsverbandsvorsitzende Dzsida spannte in seiner Rede den Bogen von der Weltgemeinschaft, die wieder einmal aufgerüttelt worden sei angesichts des neuen US-Präsidenten und populistischen Entwicklungen, um dann die Politik in Land und Stadt unter dem Aspekt des Vertrauens in den Blick zu nehmen. Zwar habe die Koalition Vertrauen, doch sieht Dzsida Fortschritte, die die Bundesregierung erzielt habe wie den Ausbau der LNG-Terminals zur Energiesicherung und das Deutschland-Ticket als Meilenstein für die Mobilität. Dagegen biete die AfD programmatisch nur einfache Scheinlösungen. Einen Hoffnungsschimmer sieht Dzsida im Protesttag „gegen Rechtsextremismus“ am Vortag. Die CDU Bürstadt habe durch die Nominierung von Jürgen Eberle das Vertrauen der Bürger aufs Spiel gesetzt. Die SPD Bürstadt sei für eine starke Wahlkampagne mit vollem Einsatz aktiv. Es komme darauf an, den Bürgern zuzuhören und ihre Anliegen ernst zu nehmen. SPD-Direktkandidat für den Bundestag Sven Wingerter berichtete über seine positiven Erfahrungen im Tür-Wahlkampf, viele freundliche Menschen habe er angetroffen. Ein Bedürfnis nach Austausch habe er festgestellt, häufige Themen seien die Corona-Maßnahmen und der Ukrainekrieg. Doch finde er, die Stimmung sei besser als es nach den Umfragen aussehe. Klare Antworten müssten zur sozialen Sicherheit gegeben werden, ein Appell auch an die CDU. Als Lampertheimer SPD-Bürgermeisterkandidat ging Marius Schmidt in seiner Ansprache auf die interkommunale Zusammenarbeit zwischen Bürstadt und Lampertheim ein, die gute Ergebnisse erbracht habe. Auch ließe sich auf den Erfahrungen der anderen aufbauen, wobei Schmidt ein Vertrauensverhältnis der Bürgermeister untereinander befürwortet.
Foto: Hannelore Nowacki
Boris Wenz will ein offenes Rathaus
Der Bürstädter SPD-Bürgermeister-Kandidat Boris Wenz ließ gleich zu Beginn seiner Ansprache wissen, dass er Marius Schmidt schon lange kenne. Nach siebzehn Jahren in der Politik wolle er als Bürgermeister ändern, was ihn am meisten stört und etwas bewegen: Bürgernähe will Wenz und kritisiert, wie es mit dem Freizeitkickergelände gelaufen sei, die Bürger seien gefragt worden, aber tatsächlich sei alles schon entschieden gewesen. Das Rathaus solle offen für die Bürger sein, man soll nicht klingeln müssen, meint Wenz. Bei der Schaffung von Wohnraum will Wenz neue denken, anstatt Grundstücke der Stadt zu verkaufen, solle die Stadt im Rahmen des Erbbaurechts Eigentümerin bleiben. Für den Klimaschutz sollen Grünflächen geschaffen werden, die „Betonkübel“ in der Nibelungenstraße findet Wenz „nicht richtungsweisend“. Den Radverkehr will er stärken und neue Verkehrsmittel wie die schnellen E-Roller und E-Bikes besser berücksichtigen. Kritikwürdig auch das Abbiegen nach links aus der Wasserwerkstraße und der Stau am Bahnübergang am Friedhof. Kräftigen Applaus bekam Wenz zum Vorschlag Tempo 30 auf der Frankensteinstraße einzuführen, was durch neue Gesetzeslage möglich sei. Dem Land Hessen hält er vor, dass die Pauschale für die 6 Stunden kostenfreie Kinderbetreuung schon lange nicht ausreiche, die Mehrkosten blieben trotzdem an der Stadt hängen. Dass sich die Bürstädter Grünen einstimmig für ihn als Bürgermeisterkandidat ausgesprochen haben, freut ihn, man arbeite konstruktiv zusammen, ohne immer einer Meinung zu sein. „Einen echten Wechsel“ will Wenz als Bürgermeister erreichen., was vom Kandidaten Michael Heidrich nicht zu erwarten sei, da dieser nicht „unabhängig“ sei, sondern bekanntermaßen von der CDU unterstützt. Wieder kam kräftiger Applaus auf. Dem anderen Kandidaten bescheinigt Wenz einen stillen Wahlkampf, falls überhaupt ein Wahlkampf stattfinde, das solle ihm recht sein.
Hannelore Nowacki
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