Mo., 16. Januar 2017, 14:50 Uhr
Neujahrsempfang der SPD im Alten Rathaus gut besucht und gestimmt
„SPD hat keine Angst dicke Bretter zu bohren“

Mit Heinz-Dieter Schäfer (von rechts), Wolfgang Kühn, Peter Neuhaus, Manfred Reipa und Gerd Bauer wurden langjährige Parteimitglieder geehrt, die nach der Kommunalwahl im vergangenen Jahr ihre öffentlichen Ämter in der Stadtverordnetenversammlung aufgegeben hatten. Im Bild: SPD-Vorsitzender Jens Klingler (links), Fraktionsvorsitzender Marius Schmidt und Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass. Foto: Hannelore NowackiLAMPERTHEIM – Beim Neujahrsempfang der Lampertheimer SPD am Samstagnachmittag standen die Zeichen mit Kaffee und Kuchenplatten auf den Tischen auf Gemütlichkeit, doch zunächst kamen die kommunalpolitischen Themen zu ihrem Recht. SPD-Vorsitzender Jens Klingler begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste, namentlich Bürgermeister Gottfried Störmer als Ehrengast, Brigitte Stass, die Stadtverordnetenvorsteherin und Altbürgermeister Erich Maier mit Ehefrau Ursula sowie Stadtrat Hans Schlatter. Eine starke Abordnung der AWO mit der Vorsitzenden Walburga Jung war gekommen, der Klinger den Gegenbesuch schon am kommenden Freitag versprach. Der große Sitzungssaal im Alten Rathaus erwies sich beinahe als zu klein. So voll sei es noch nie gewesen, meinte Klingler beim Blick in die Runde. Nach dem Anstoßen auf das neue Jahr rückte zunächst die letzte Kommunalwahl im März 2016 in den Blickpunkt. „Wir können stolz sein, die 40-Prozent-Marke geknackt zu haben“, sagte Klingler, „wir haben eine sehr engagierte Mannschaft und besetzen viele Themen, das hat sich im Ergebnis bezahlt gemacht“. Mit der FDP als neuen Koalitionspartner zeigte sich Klingler sehr zufrieden. Marius Schmidt, im letzten Jahr als Fraktionsvorsitzender in der Nachfolge von Hans Hahn im Amt, habe nach den Spannungen mit dem vormaligen Partner eine neue Koalition „zimmern“ müssen. Die FDP habe sich einen ehrenamtlichen Stadtrat gewünscht und bekommen - „das musste sein“. Die Schaffung bezahlbaren Wohnraums in den nächsten Jahren sei im vergangenen Jahr auf den Weg gebracht worden, ebenso die Sportförderung für Flüchtlinge aus dem Förderprogramm des Landes Hessen mit 10.000 Euro. Nachdem sich kein Sportcoach gefunden hatte, wie es das Land verlange, habe SPD-Fraktionsvorsitzender Schmidt selbst diese ehrenamtliche Funktion bei der Stadt Lampertheim übernommen. Das war den Zuhörern ein kräftiger Applaus wert. Auch die Aufnahme der Stadt Lampertheim in das hessische Förderprogramm Stadtumbau sei einem Antrag Schmidts zu verdanken, betonte Klingler. In Bezug auf das für die Politik noch jugendliche Alter des Fraktionsvorsitzenden meinte Klingler: „In Lampertheim nehmen wir nur die Besten, egal wie alt sie sind“. Eine Herzensangelegenheit der SPD sei der Altrhein. „Auch da sind wir vorangekommen“, bilanzierte Klingler. Wie schafft man es Bürger und Wähler zu überzeugen? Klingler wies auf das Motto der Lampertheimer SPD hin: „Versprochen und gehalten – tun was wir sagen und sagen was wir denken“. Gibt es eine Vertrauenskrise zwischen Politik und Bürgern? Diese Frage mit Blick auf die kommende Bundestagswahl fand keine direkte Antwort. Eine kleine Spitze Richtung CDU kam zuletzt: Die CDU habe den Antrag gestellt, überdachte Sitzplätze für Auswechselspieler beim Fußball zu schaffen. Marius Schmidt übernahm die weitere Erläuterung der anstehenden Themen. Zuvor wandte er sich Altbürgermeister Maier zu, der in der zweiten Jahreshälfte von der polnischen Partnerstadt Swidnica als Ehrenbürger ausgezeichnet wurde, ihm sei es gelungen, die Partnerschaft mit Leben zu füllen. Vier kommunalpolitische Themen stellte Schmidt in den Mittelpunkt: Den Stadtumbau mit der Förderung von 13 Millionen Euro über 10 Jahre; im Wohnungsbau gebe es Bedarf für zwanzig bezahlbare Wohnungen pro Jahr, gefördert mit 430.000 Euro, davon seien 200.000 Euro Darlehen. 30.000 Euro werden für den Aufkauf von Belegungsrechten ausgegeben. Auch das Thema Altrhein habe die SPD besetzt. Das Stadtmarketing solle nicht nur personell besser ausgestattet werden, Lampertheim soll für Investoren attraktiver werden. Die SPD wolle einige größere Projekte umsetzen, habe aber „keine Angst dicke Bretter zu bohren“, meinte Schmidt. Ein gutes Zeichen sei, dass Bürgermeister Störmer in seinem veröffentlichten „Ausblick“ ähnliche Vorstellungen wie die SPD zur Entwicklung der Stadt vorgelegt habe. „Wir arbeiten nicht gegeneinander, wir arbeiten miteinander“, erklärte Schmidt. Dies sei eine „gute gemeinsame Grundlage für die Zukunft“. Schmidt sieht die „langen Linien der Entwicklung“ in Lampertheim von der SPD ausgehend, dies sei ein Verdienst der Fraktion und des Ersten Stadtrats Jens Klingler. Hingegen sei die CDU seit 10 Jahren in der Opposition. In seinem Grußwort dankte Bürgermeister Störmer den Lokalpolitikern für ihren Einsatz im Ehrenamt, für das sie ihre Freizeit geben, ganz herzlich. Seine Anerkennung sprach er Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Stass für ihre Leitungsfunktion in der Stadtverordnetenversammlung aus. Dass im Vergleich der Bürgermeister und die SPD gleiche Ideen haben, sieht Störmer ganz gelassen: „Ich finde es klasse“. Es gehe dann nur noch darum, um den besten Weg zu ringen. Ein Dankeschön für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement in verschiedenen öffentlichen Funktionen sprach Klinger vier Parteimitgliedern aus, die nach der Kommunalwahl aus ihren Ämtern ausgeschieden waren. Hannelore Nowacki