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Mi., 15. Oktober 2014, 12:38 Uhr
Kindertheater des Capitol Mannheim zu Gast in der Kita Saarstraße / „Theater zum Anfassen"
Spielerisch mit Märchen lernen: „Nein heißt Nein!"
„Nein heißt Nein!": Spielerisch wurden die Kinder der Kita Saarstraße durch das Kindertheater des Capitol zu einem schwierigen Thema hingeführt. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM - Kinder sollen lernen, dass es in bestimmten Situationen wichtig ist, nein zu sagen. Aus diesem Anlass hat das Capitol Kindertheater das Stück „Nein heißt Nein!" entwickelt, dass am Mittwoch in der Kita Saarstraße aufgeführt wurde.
Das Kindertheater hat es sich sei mehr als zehn Jahren zur Aufgabe gemacht, sozial relevante Themen in den Fokus zu rücken, wobei immer auch der Spaß für die Kinder im Vordergrund stehen soll. In diesem Jahr steht ein wichtiges, aber gleichzeitig auch schwieriges Thema auf der Tagesordnung: Sexueller Missbrauch. „Dieses Thema ist medial sehr weit verbreitet, setzt aber immer nur bei den Älteren an. Dabei beginnt das Problem wesentlich früher, gerade für den Kindergartenbereich gibt es jedoch wenig Materialien. Wir möchten mit diesem Stück Aufklärung in diesem Bereich treiben - immer mit Rücksicht auf die Kinder", betonte Regisseur, Autor und Schauspieler Georg Veit.
Dabei ist es ihm und seiner Kollegin Susanne Back gelungen, in Form eines Märchens die Kinder behutsam und mit viel Humor zu diesem Thema hinzuführen - ohne Angst zu machen, aber dennoch gleichzeitig aufzeigend, wie Auswege gefunden werden und vielleicht sogar die Erwachsenen geändert werden können. „Wichtig ist für die Darsteller, dass das Thema sexuelle Gewalt nur in ganz kurzen Sequenzen angesprochen wird und das immer Lösungen angeboten werden", stellte Barbara Boll, Assistentin der Geschäftsleitung des Capitols, klar. „'Nein heißt Nein' dient zur Förderung des Kindes, es geht dabei nie direkt um sexuellen Missbrauch."
Ernstes Thema, viel Spaß: Die Kinder waren von der Aufführung begeistert. Foto: Benjamin Kloos
Kita-Leiterin Natascha Luft betonte die Bedeutung des Themas: „Es ist wichtig, dass dieser Bereich aufgegriffen wird, viele Kinder sind davon betroffen. Um so bedeutender ist es, möglichst früh die Kinder zu stärken und dieses Thema, das leider immer noch häufig ein Tabuthema ist, anzusprechen." Unterstützung erhielt sie von Anna Messina, Mitglied des Elternbeirates. „Wir haben als Elternbeirat schnell zugestimmt, dass dieses Stück gezeigt wird. Gerade aus der Sicht der Eltern ist dies wichtig. Denn wir reden über dieses Thema immer im ernsten Ton, durch die spielerische Art bekommen die Kinder mehr Zugang. Und: Wir Eltern müssen lernen, dass die Kinder oftmals wissen, was ihnen guttut."
Das Theaterstück selbst handelt von Lotte, die es nicht leicht hat. Immer muss sie das tun, was andre ihr sagen, nie darf sie nein sagen. Dadurch gerät sie immer wieder in Situationen, die ihr zunehmend Bauchschmerzen bereiten. Bis sie soweit ist, dass sie gar nicht mehr weiß, was sie überhaupt sagen soll. Zum Ende des Stückes gelingt es Lotte, mithilfe eines Freundes laut und deutlich nein zu sagen - und sich so aus unangenehmen Situationen zu befreien. Bewusst wurden die Kinder getreu dem Motto „Theater zum Anfassen" in das Stück mit eingebunden. So sangen alle gemeinsam zu Beginn das „Nein-Lied", wobei die Kinder von Strophe zu Strophe lauter mitmachten. Nach dem Stück standen die beiden Schauspieler den Kindern für Fragen zur Verfügung.
„Seit 2012 haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, das Kindertheater direkt in die Kindertagesstätten in Lampertheim zu holen", freute sich Susanne Camus von der Jugendförderung der Stadt Lampertheim über den Besuch und darüber, dass neben der Kita Saarstraße auch die Kita Guldenweg und die Kita im Rosengarten - dort gemeinsam mit den Schulanfängern aus Hofheim - einer Aufführung zugestimmt haben. Finanziert wird die Vorführung durch die Kinder, die einen kleinen Beitrag entrichten müssen. Benjamin Kloos