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  • Di., 06. August 2024, 14:24 Uhr
    ENTLASTUNG: Bezahlte Nachbarschaftshilfe bei Pflegebedürftigkeit zur Entlastung im Alltag / Infoveranstaltung am 3. September  

    Stadt Lampertheim will ein Nachbarschaftshilfe-Netz aufbauen 

    Ziel der Nachbarschaftshilfe ist, pflegebedürftigen Menschen zu helfen, weiter im eigenen Haushalt zu leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. In Lampertheim soll ein Netzwerk von Nachbarschaftshelfern entstehen, daran arbeiten Fachdienstleiter Andreas Dexler, Erster Stadtrat Marius Schmidt sowie Silvia Rhiem von der Seniorenberatung der Caritas Bergstraße und Gemeinwesenarbeiterin Kerstin Biehal von der Diakonie Bergstraße mit. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Wenn Nachbarn Unterstützung brauchen, zum Beispiel beim Einkaufen, finden sich mit etwas Glück in der Nachbarschaft hilfsbereite nette Menschen. Doch wer bei Pflegebedürftigkeit ab Pflegegrad 1 regelmäßig und zuverlässig Unterstützung im Alltag benötigt, soll sich zukünftig in Lampertheim im Rahmen einer organisierten Nachbarschaftshilfe gut aufgehoben fühlen. Zur Entlastung werden hauswirtschaftliche Leistungen wie Einkaufen, Putzen oder auch die Begleitung zum Arzttermin angeboten. Bei einem Pressegespräch stellte Erster Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt die Zusammenarbeit der Stadt Lampertheim mit Fachdienstleiter Soziales Andreas Dexler, den Mitarbeiterinnen der Gemeinwesenarbeit der Diakonie Bergstraße Kerstin Biehal und Franziska Wolff sowie Silvia Rhiem von der Seniorenberatung der Caritas Bergstraße vor. Zunächst geht es den Organisatoren darum, die Möglichkeit eines kleinen Zuverdienstes und den Aufgabenbereich bekannt zu machen sowie interessierte potenzielle Helfer über die gesetzlichen Bedingungen für die Abrechnung mit der jeweiligen Pflegeversicherung und die Planung eines eigenen Lampertheimer Netzwerks zu informieren. Bei der kostenlosen Veranstaltung mit Vortrag am 3. September um 15 Uhr im Familienzentrum Lampertheim in der Dieselstraße 2 werden die Besucher Infos und Tipps bekommen, wie sie in die Nachbarschaftshilfe einsteigen können. Einfach kommen, ohne Anmeldung, lautet die Einladung. 

    Mit sinnvoller Aufgabe etwas verdienen

    Bei dieser sinnvollen Aufgabe für pflege- und hilfsbedürftige Menschen kann man Geld verdienen, wenn die persönlichen Voraussetzungen stimmen. Ein polizeiliches Führungszeugnis muss vorgelegt werden, die Kosten dafür übernimmt für diesen Zweck die Stadt Lampertheim. Nach der amtlichen Anerkennung und Zertifizierung durch die Fachstelle „Leben im Alter“ beim Kreis Bergstraße können die Nachbarschaftshelfer durchstarten. Allerdings ist die Hilfe auf höchstens drei Personen beschränkt, der Verdienst beträgt maximal 12 Euro in der Stunde, erklärte Fachdienstleiter Dexler. Ähnlich der jährlichen Ehrenamtspauschale sei diese Einnahme in der Regel steuerfrei. Abgerechnet wird ganz offiziell über die Fachstelle „Leben im Alter“ mit der jeweiligen Pflegeversicherung. Ab Pflegegrad 1 stehen monatlich 125 Euro als sogenannter „Entlastungsbetrag“ zur Verfügung, wobei die Pflegebedürftigen das Geld auch über einen bestimmten Zeitraum für größere Aktionen mit mehr Zeitaufwand ansparen können. Häufig sei den Pflegebedürftigen gar nicht bekannt, welche Hilfsmöglichkeiten es gibt, meinte Dexler. Auch ambulante Pflegedienste bieten hauswirtschaftliche Leistungen an, doch sei dies häufig nicht zur gewünschten Zeit oder wegen Personalmangels nicht möglich, teilte Silvia Rhiem auf Nachfrage mit. 

    Ein Netzwerk und Zusammenhalt schaffen

    In Lampertheim gehe es darum, Zusammenhalt zu schaffen und das Gemeinwesen zu stärken, indem ein Netzwerk von Nachbarschaftshelfern aufgebaut wird, darin sind sich der Erste Stadtrat und die Organisatoren einig. Gedacht ist eine Anlaufstelle mit Ansprechpartnerin Silvia Rhiem für Nachbarschaftshelfer und Pflegebedürftige und deren Angehörige, um bei Bedarf schnell einen Helfer zu finden. Voraussetzung ist, dass die Nachbarschaftshelfer mit ihrer registrierten Anschrift erreichbar sind. Erster Stadtrat Schmidt hofft, dass auf diese Weise ein nachhaltiges Netzwerk entsteht. Dexler erklärte, dass bei der Fachstelle „Leben im Alter“ in Heppenheim mangels personeller Kapazitäten keine Begleitung der Nachbarschaftshelfer angeboten werde. Vor einem Jahr wurde in Heppenheim erstmals im Kreis Bergstraße die Nachbarschaftshilfe mit der damaligen Ersten Kreisbeigeordneten und heutigen hessischen Familienministerin Diana Stolz vorgestellt (der TiP berichtete). Wer Fragen hat, kann sich unter der Telefonnummer 160 90734062 an die Gemeinwesenarbeit wenden. 

    Projekt ZIL - „Zusammen im Leben“

    Wenn Senioren etwas Schönes unternehmen wollen wie Spazierengehen oder ein Theater besuchen, was ohne Begleitung nicht möglich wäre, gibt es in Lampertheim als Ergänzung zur „aufsuchenden Sozialarbeit für Seniorinnen und Senioren“ das Projekt „Zusammen im Leben“ (ZIL). Geschulte Bürger stehen den Senioren in alltäglichen Dingen zur Seite, helfen zum Beispiel bei digitalen Anwendungen wie eine Fahrkarte kaufen oder bei behördlichen Dingen. Ziel ist, mehr Kontakte zu ermöglichen, der Vereinsamung entgegenzuwirken, erklärte Erster Stadtrat Schmidt das städtische Programm. Für die Aufgabe als ehrenamtliche „Seniorenpartnerinnen und -partner“ werden Lampertheimer Bürger geschult. Dies alles läuft seit September 2022 über die Seniorenberatung der Caritas. Silvia Rhiem berichtete, dass noch drei zertifizierte ZIL-Partner aktiv seien, eine weitere Person sei nachträglich geschult worden. Wegen der Personalsituation habe es bislang noch keine zweite Runde gegeben, doch soll das Projekt weiter verfolgt werden (der TiP wird berichten). 

    Hannelore Nowacki

    Info

    Kostenfreie Infoveranstaltung mit Vortrag zur Nachbarschaftshilfe mit Tipps für die Anerkennung durch die Fachstelle „Leben im Alter“ am Dienstag, 3. September 2024 um 15 Uhr im Familienzentrum Lampertheim, Dieselstraße 2 (ohne Anmeldung). Die Veranstaltung ist ein Angebot im Rahmen der Gemeinwesenarbeit Lampertheim. 

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