COURAGE 2023: Bürgerstiftung würdigt ehrenamtliches Engagement mit Festakt und Auszeichnungen
Stolz auf Gemeinwesen und sozialen Mut
Die Bürgerstiftung Lampertheim zeichnete den Jugendbeirat der Stadt Lampertheim als Gruppe sowie Jochen Halbauer und Ulrike Gliem für ihr couragiertes ehrenamtliches Engagement mit dem Preis „Courage in Lampertheim 2023“ aus. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Der Jugendbeirat der Stadt Lampertheim als Gruppe und Jochen Halbauer und Ulrike Gliem als Einzelpersonen standen als couragierte Ehrenamtliche im Mittelpunkt des Festaktes im Römersaal des Stadthauses. Für sie hatte die Bürgersstiftung Lampertheim die Auszeichnung mit Preisgeld „Courage in Lampertheim 2023“ ausgelobt. Die langjährige Tradition wurde nach vier Jahren Pause wieder aufgenommen. Für sozialen Mut will die Bürgerstiftung werben und Anreize schaffen, denn das sei nicht selbstverständlich. Um verantwortungsvolles, ehrenamtliches und soziales Verhalten für die Allgemeinheit geht es der Bürgerstiftung, verbunden auch mit der Hoffnung auf viele Nachahmer. Neu ist die Partnerschaft mit dem Verein Lebenshilfe als Partner und Mitveranstalter und die damit verbundene Aufstockung des diesjährigen Preisgeldes der Bürgerstiftung von 500 Euro um 200 Euro in der Kategorie Inklusion. Diese erste Inklusionsauszeichnung ging an Ulrike Gliem, die Sport-Inklusionslotsin des Kreises Bergstraße ist, und an Jochen Halbauer, Vorsitzender des Behindertenbeirates und vielfältig sozial engagiert. Bürgermeister Gottfried Störmer, der auch Vorsitzender des Stiftungsrates ist, dankte in seinem Grußwort der Bürgerstiftung und ließ das Publikum wissen, dass er als Bürgermeister sehr stolz sei in Lampertheim ein so solches Gemeinwesen mit der großen Bedeutung des Ehrenamtes zu haben. Das Violinenensemble der Musikschule Lampertheim mit den Geschwistern Nura und Ranja Magahed gab dem Festakt den musikalischen Rahmen.
Aktiver Jugendbeirat
Die Laudatio für den Jugendbeirat hielt der Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung und frühere Bürgermeister Erich Maier. Der Vorstand sei sich schnell einig gewesen, dass der Jugendbeirat ausgezeichnet werden soll, zumal schon die Satzung der Bürgerstiftung die Jugendhilfe als einen der Stiftungszwecke benenne. Den Zuhörern erläuterte Maier die Aufgaben, Zusammensetzung und die Historie des Jugendbeirats, der 2014 zum ersten Mal durch die Stadtverordnetenversammlung ernannt worden war und zurzeit aus fünfzehn Delegierten im Alter von elf bis 17 Jahren besteht: Die Mitglieder wählten Leonie Krämer als Vorsitzende sowie Caitlin Bruce und Leon Klos als Stellvertreter. In allen Angelegenheiten, die Kinder und Jugendliche betreffen, wird der Jugendbeirat in den politischen Gremien der Stadt gehört und kann in eigener Sache beraten, anregen, unterstützen und Wünsche der Lampertheimer Kinder und Jugendlichen einbringen. Maier nannte als Beispiele für das Wirken des Jugendbeirats die Mitgestaltung der Kinderrechtssatzung und des Leitbildes der Stadt Lampertheim sowie das eigene Projekt „run against racism“. Der Vorstand der Bürgerstiftung sehe das als außergewöhnliches und vorbildliches Engagement an. Es sei aber auch notwendig, dass sich junge Menschen in der heutigen Zeit in demokratischen Institutionen engagieren.
Mit Herzblut für Inklusion
Für Jochen Halbauer hielt Günther Baus vom Verein Lebenshilfe Lampertheim und Ried die Laudatio. Kennengelernt habe er Halbauer, den er mit „du“ und Vornamen anspricht, durch die gemeinsame Zeit im Behindertenbeirat und gemeinsame Projekte. Halbauer war 2015 Gründungsmitglied und wurde 2021 zum Vorsitzenden gewählt. Der Preisträger habe in außergewöhnlicher Weise die Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigung am gesellschaftlichen Leben gefördert. Nach seinem Studium der Biologie ist Halbauer zum Paul-Ehrlich-Institut gegangen, wo er seitdem tätig ist, und hat sich dort als Personalrat und Behindertenvertreter engagiert. Neben vielen weiteren Eigenschaften hob Baus Halbauer Hilfsbereitschaft und sein konstruktives Durchhaltevermögen, seine immer neuen Ideen hervor. „Du bist mit Herzblut dabei“. Halbauer habe viel bewirkt, zum Beispiel, dass es im Bahnhof Aufzüge zu den Gleisen gibt, die Rampe am Alten Rathaus und öffentliche barrierefreie Toiletten. Auch habe er sich beim Inklusionscafé eingebracht. Mit der Lebenshilfe hat Halbauer am Aktionsplan Inklusion gearbeitet. Eine bemerkenswerte und bewundernswerte Lebensleistung, wie Baus feststellte, auch mit Blick darauf, dass Halbauer durch eine Krankheit seit jungen Jahren auf den Rollstuhl angewiesen ist. Ein gemeinsames Erlebnis wünscht sich Baus für die kommenden Jahre – gemeinsam mit dem Bus barrierefrei durch Lampertheim fahren.
Gemeinsam Sport machen
„Ulrike Gliem ist eine Frau, die Teilhabe möglich macht für andere Menschen“. In seiner Laudatio für die Sport-Inklusionslotsin des Kreises Bergstraße, die schon seit früher Kindheit im Kanu-Club aktiv ist, beschrieb Dieter Goll vom Vorstand der Bürgerstiftung das vielfältige Wirken der Preisträgerin und machte mit Zitaten aus dem anschaulichen „Bürgerlied“ der frühen Demokratiebewegung in den 1840er Jahren deutlich, dass die Menschen bei allen Unterschieden gleich wertvoll seien. Das Thema Inklusion habe sie mit großer Energie im Selbstverständnis des Kanu-Clubs verankert und kümmere sich federführend in Zusammenarbeit mit der benachbarten Lebenshilfe um den gemeinsamen Sport von Kindern mit und ohne Beeinträchtigung auch beim Kinderschwimmen, betreut das Kinderturnen und kümmert sich um die Kanu-Jugend. Zudem ist sie Kanu-Trainerin in der Inklusivgruppe und zuständig für den Reha-Sport, sie hilft geflüchteten Menschen bei der gesellschaftlichen Integration durch Sport und ist auch Zweite Vorsitzende des Kanu-Clubs. Mit ihren neuen Ideen und Energie für Integration und Inklusion sorge Ulrike Gliem für Akzeptanz im Miteinander.