Fr., 15. April 2016, 19:39 Uhr
Primäres Investoreninteresse an Standorten Lampertheim und Bensheim / Belegschaften der Krankenhäuser informiert
Südhessischer Klinikverbund: SHK-Krankenhäuser zunächst weiter betreiben
KREIS BERGSTRASSE – Die Mitglieder des vorläufigen Gläubigerausschusses des Südhessischen Klinikverbunds gGmbH (SHK) haben sich über den aktuellen Stand der Investorensuche informiert und befürwortet, die drei Standorte über den 1. Mai 2016 fortzuführen.
Der Geschäftsführer der mit der Investorensuche beauftragten Restrukturierungsberatung ‚Falkensteg‘ erläuterte dem Gremium, dass insgesamt 75 potenzielle Interessenten angesprochen wurden.
„Viele mögliche Investoren sind auf Grund der Krankenhauslandschaft in der Region nicht weiter in den Investorenprozess eingestiegen“, erläutert der generalbevollmächtigte Insolvenzfachmann in der eigenverwaltenden SHK-Geschäftsführung, Dr. Jörg Bornheimer von der Sozietät GÖRG. „Einige haben sich mit den Herausforderungen an den einzelnen Standorten des Südhessischen Klinikverbunds beschäftigt und starkes Interesse an den Häusern in Lampertheim und Bensheim bekundet“.
„Der vorläufige Gläubigerausschuss hat sich mit der Idee eines Krankenhauses für die ambulante Untersuchung und Behandlung von Patienten in Lindenfels mehrfach auseinandergesetzt“, erklärt der vom Gericht bestellte vorläufige Sachwalter, Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner. „Die Mitglieder haben die insolvenzrechtlichen Aspekte gegenüber den wirtschaftlichen und personellen Ressourcen abgewogen. Der vorläufige Gläubigerausschuss ist sich darin einig, dass eine vertraglich vereinbarte Lösung für das Modell ‚Luise light‘ bis spätestens 1. Juni 2016 vorliegen muss“. Bis dahin wird der SHK den Betrieb in Lindenfels weiter aufrechterhalten, um das Haus an den neuen Betreiber von ‚Luise light‘ übergeben zu können.
Die eigenverwaltende Geschäftsführung des Südhessischen Klinikverbunds hat heute – in Lindenfels und Bensheim gemeinsam mit dem vorläufigen Sachwalter - die Belegschaften an den drei Krankenhausstandorten über den aktuellen Stand des vorläufigen Insolvenzverfahrens informiert:
St. Marien Krankenhaus, Lampertheim
Ein halbes Dutzend ernsthaft interessierte Investoren haben Angebote für das St. Marien Krankenhaus in Lampertheim vorgelegt. Die Belegzahlen entwickeln sich positiv, aus wirtschaftlicher wie aus medizinischer Sicht kann das Krankenhaus den Krankenhausbetrieb uneingeschränkt aufrechterhalten.
Heilig Geist Hospital, Bensheim
Einige wenige interessierte Investoren wollen den Krankenhausbetrieb am Standort Bensheim fortführen. Weitere Interessenten beabsichtigen konzeptionell auf Grund der demografischen Entwicklung und der vorhandenen Krankenhausversorgung im Kreis und der Region den Standort Bensheim zu einem Pflegeheim umzuwandeln.
Das Heilig Geist Hospital hat in den vergangenen drei Monaten überdurchschnittlich viele Mitarbeiter verloren, so dass eine vertragliche Vereinbarung für den Standort zügig weiterverhandelt werden soll. Die Geschäftsleitung prüft, mit unterstützenden Kräften das operative Geschäft in Bensheim weiter zu führen.
„Der vorläufige Gläubigerausschuss favorisiert mehrheitlich, das Heilig Geist Hospital in Bensheim als Krankenhaus fortzuführen“, erklärt Plathner. „Wo immer möglich sollten die Bensheimer wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrem Hospital die Treue halten“.
Luisen Krankenhaus, Lindenfels
Der vorläufige Gläubigerausschuss will für Lindenfels die medizinische Regionalversorgung gewährleistet wissen. Das Krankenhaus kann im Laufe des Mai 2016 noch betrieben werden.
„Diese letzte Frist sollten die politischen Entscheidungsträger jetzt nutzen können“, kommentiert Bornheimer den Beschluss.
Die Diskussionen im vorläufigen Gläubigerausschuss haben die Spannungsfelder aufgezeigt: Auf der einen Seite das Interesse der Kommunalpolitik, die lokale Grund- und Regelversorgung zu sichern. Dazwischen die Landespolitik, die das Luisen Krankenhaus zunächst als verzichtbar, derzeit offensichtlich wieder als unverzichtbar einstuft. Am anderen Ende die Bundespolitik, die etwa jedes zehnte kleine Krankenhaus als überflüssig einschätzt und dementsprechend zum Jahresbeginn den Krankenhausstrukturfonds auf den Weg gebracht hat. zg