Gelungene Premiere des Solo-Kabaretts von und mit Peter Gutschalk im Gasthaus „Zur Krone“ / Vorpremiere in der Siedlerhalle
„Tabula Rasa“ begeisterte das Publikum
In seinem Solo-Programm „Tabula Rasa" griff Peter Gutschalk auch das Thema soziale Netzwerke in komödiantischem Sinne auf. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM Auf eine äußerst gelungene Premiere seines fünften Solo-Programms kann der über die Grenzen Lampertheims hinaus bekannte und beliebte Kabarettist Peter Gutschalk stolz zurückblicken. Nachdem er bereits am Vortag in der Siedlerstube mit der Vorpremiere das Publikum ordentlich zum Lachen brachte, begeisterte er auch am Samstag bei der Premiere im Gasthaus zur Krone die anwesenden 100 Gäste im Saal. Er präsentierte einen gekonnten Mix aus Kabarett, Theater und MundART, bei dem er in die Rollen der unterschiedlichsten Typen schlüpfte, die auf skurrile, lustige, aber auch ehrliche Art und Weise reinen Tisch machten.
Mit „Tabula Rasa“, einem Neubeginn, ließ Gutschalk die Sorgen und Probleme des Alltags vergessen. Gute Stimmung herrschte von Anfang an im Kronensaal. In seinen humoristischen Beiträgen griff er Alltagssituationen auf und interagierte dabei mit dem Publikum. Er sei stolz Lampertheimer zu sein: „mer hann de Billesand, die Domkerch und de Owwerfeld“; das alles mache Lampertheim lebenswert, obwohl es hingegen aber auch zu viele Döner-Läden, Spielcasinos und Blitzer gäbe. Das Programm war mit Überraschungseffekten und musikalischen Einlagen gespickt, darunter das Lied „Heimat“ von Anna Depenbusch, in Dialekt umgedichtet . Heimat sei etwas richtig Schönes – das Wort „Muddasprooch“ käme übrigens da her, „weil de Vadda jo nie do war“. Auf typische Lampertheimer Redewendungen sowie die Aufzählung von heimischen Gerichten wie „Broggelbohne, gstammde Gelleriwe und Pannekuche mit Zucker unn Zimt“ reagierte das Publikum mit Zustimmung, aber auch Schmunzeln und Gelächter. Die faszinierende Mimik Gutschalks und seine ansteckend fröhliche Art begeisterte und riss die Anwesenden einfach mit. Auch das Thema Familienfeste wurde aufgegriffen. Gutschalk schlüpfte in die Rolle eines Mannes, der so absolut gar keine Lust auf die Einladung zu einem anstehenden Fest hatte. Früher waren diese generell viel schöner und schlichter gehalten; statt dem Wohnzimmer brauche man heutzutage Eventlocations, anstatt Teelichter reinste Illuminationen sowie umfangreiche Rahmenprogramme für die Gäste. Es gäbe wohl auch keine leckeren Spargelröllchen und gefüllte russische Eier mehr – allein der Gedanke machte ihm plötzlich doch noch Lust, auf das Fest der Freundin zu gehen. Zu Songs von früher tanzte er anschließend „wie de Lumbe am Stegge“ und ließ alte Zeiten kurz aufleben, während die meisten im Publikum die Texte selbstverständlich mitsingen konnten.
Die Zuschauer lernten ihn auch kennen als „Maddin“, um das Thema soziale Netzwerke aufzugreifen. Man sei heutzutage „irgendwie verbunne mit allem“, während man früher am Telefon „gefange war an de Doos“. Großes Gelächter und Beifall war ihm auch hier gewiss. Er erinnerte an die moosgrünen oder orangefarbenen Kabeltelefone aus alten Zeiten. Man fuhr Fahrrad ohne Helm und ohne Schutz- und Kettenblech. Bluna und Sunkist waren voller Zucker; „Unglaublisch, dass mer das überleewe hätt kenne – mer sinn immer noch do“. Gutschalk ist froh, dass er die Zeit ohne soziale Netzwerke erlebt hat und eine Kindheit mit schmutzigen Händen und Straßenbanden. Heutzutage gäbe es für fast alles eine App - „außer für Empathie“. Aber sind die sozialen Netzwerke wirklich so sozial? Früher ging man in den Bäckerladen oder auf den Boltzplatz, um „richtige“ Menschen zu treffen. Der darauffolgende Rap „real – digital“ sorgte ebenfalls für großen Applaus beim Publikum.
Die von vielen so wünschenswerte ewige Jugend ging er ebenfalls im kabarettistischen Sinne an. „Forever young“ sei für viele ein brisantes Thema – nicht zu verachten der Hype, der daraus gemacht werde. Mit Kopftuch und Sonnenbrille präsentierte sich Gutschalk, der selbst zu der Generation über 50 gehört, als „Best-Ager“. Man müsse auch über sich selbst lachen können. In diesem Alter braucht man eine Lesebrille – „das ist der Point of no return“. „Niemand kommt lebend hier raus; deshalb seid lustig, lebt, esst gutes Essen und freut euch auf das was kommt“, wandte er sich zum Publikum. Das Entscheidende sei, dass man nur im Kopf und im Herzen „forever young“ sein könne.
Die Aufgabenverteilung im Haushalt einschließlich Einkaufen wurde in Augenschein genommen. Schon frühmorgens beginnt der „Dädschde mol-Dag“ mit der Ehefrau; „er beginnt oft schunn, do liege mer noch im Bett und do steht schunn die To-Do-List fer de Dag feschd“, fügte er scherzend hinzu, während einige im Publikum schmunzelnd nickten. Der alljährliche Familienurlaub wurde ebenfalls unter die Lupe genommen, der eigentlich so schön sein könnte, wenn er nicht immer in Stress ausarten würde. Er konnte außerdem nie verstehen, dass gebräunte Haut so plötzlich 3 bis 4 Kilo mehr wiege. Der Liedbeitrag „zwei rosa Elefanten“ von Ingo Insterburg, seinem damaligen Motivator, rundete das zweieinhalbstündige Abendprogramm ab. Holger Selb zeichnete sich auch diesmal für die technische Unterstützung verantwortlich; und das bereits seit 30 Jahren.
Ein äußerst gelungener und lustiger Abend wurde den Gästen geboten, die gerne noch in geselliger Runde im Kronensaal in heiterer Stimmung verweilten. Sigrid Samson