Sa., 22.08.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Sa., 03. Oktober 2020, 09:00 Uhr
    Neue Serie im TIP / Heute: Philosoph Anton Schmitt im Gespräch mit Kalle Horstfeld

    Talk im TIP

    Im Gespräch: Philosoph Anton Schmitt und Kalle Horstfeld (v.l.). Foto: oh


    LAMPERTHEIM – „Talk im TIP“ ist eine neue Beitragsreihe des TIP-Verlags in Zusammenarbeit mit dem Initiator Kalle Horstfeld. Horstfeld, der inzwischen auch als „Lômbadda Babbler“ bekannt ist, hatte im Februar 2020 mit dem „Talk im Alten Rathaus“ eine neue Veranstaltungsreihe in Lampertheim initiiert. Bei diesen Treffen sollten verschiedene Gäste vorgestellt und zu ihrer Lebensgeschichte befragt werden.
    Durch die Corona-Pandemie ist die Veranstaltungsreihe vorerst einmal gestoppt. Horstfeld wird deshalb in regelmäßigen Abständen „Bürger unserer Stadt bzw. Region“ in einem persönlichen Gespräch vorstellen und zu verschiedenen Themen befragen. Die Reihe beginnt heute mit dem Philosophen Anton Schmitt.

    Kalle: Was gefällt Dir in Lampertheim besonders gut?

    Anton: Lampertheim ist meine Heimat. Es gibt wahrscheinlich Millionen von Ortsschildern auf der Erde. Wenn aber auf dem Ortsschild Lampertheim steht, dann weiß ich, dass ich zu Hause bin. Gut gefällt mir in Lampertheim auch das milde Klima. Außerdem der Sandboden, der sich nicht nur zum Spargelanbau eignet, sondern auch für eine große Anzahl weiterer Obst- und Gemüsearten.
    Ein weiterer Aspekt, der mir besonders gut gefällt ist, der Dialekt. Natürlich hat sich unser Dialekt im Laufe der Jahre verändert, aber für mich ist es dennoch ein „lebender und zeitgemäßer Dialekt“.

    Kalle: Was gefällt Dir in Lampertheim weniger gut?

    Anton: Als sehr bedrohlich empfinde ich die Verschlammung des Lampertheimer Altrheins. Hier geht kontinuierlich ein Stück Lampertheimer Identität verloren. Außerdem hat der Altrhein einen hohen Freizeit- und Erholungswert. Besonders beeinträchtigend finde ich die Lärm-Belästigung am RheinStrand durch die zahllosen Jet-Ski-Raser. Was mich auch sehr stört, ist die zunehmende Verschmutzung in der Lampertheim Gemarkung. Ob es Grünflächen, öffentliche Plätze oder auch Straßen sind, überall wird von manchen Personen der Müll entsorgt. Was mir auch weniger gut gefällt, ist die Lampertheimer „Fußgängerzone“. Leider gibt es zu viele Leerstände und das Angebot ist sehr begrenzt.

    Kalle: Wenn Du drei Wünsche frei hättest, was würdest Du in Lampertheim sofort ändern?

    Anton: Ich würde einen städtischen Garten für Senioren anlegen. Dort könnten sich ältere Menschen treffen, gemeinsam Gemüse anbauen oder Pflanzen setzen und damit einfach einen Ort für Ruhe und Erholung schaffen. Das Gleiche könnte man auch für Kinder und Jugendliche machen. Eine solche Maßnahme würde auch die Identität der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Heimatstadt stärken. Der Gemeinschaft könnte man auch mit gemeinschaftlichen Projekten fördern. Beispielsweise könnte man Schülern der Klassen 11 bis 13 ein Budget zur Verfügung stehen, um daraus ein soziales Projekt abzuleiten. Ich finde das die tollen Ideen von jungen Menschen noch zu wenig berücksichtigt werden. Was ist mir auch wünschen würde, ist eine stärkere und zwar echte Mitbestimmung auf kommunaler Ebene. Insbesondere bei ökologischen und sozialen Fragen.

    Kalle: Wie hast Du die Anfangszeit der Corona-Pandemie erlebt?

    Anton: Der enorme Zeitdruck war plötzlich weg. Ich hatte plötzlich mehr Zeit zum Chillen, um Freundschaften zu pflegen, um sich selbst zu kümmern, den Pflanzen und der Vegetation beim Wachsen zu zusehen und auch einmal die eine oder andere Sendung im Fernsehen anzusehen.

    Kalle: Welche Veränderungen sind dir bisher während Corona-Pandemie aufgefallen?

    Anton: Es zeigte sich auch, wie wichtig die Familie und Freunde im Leben sind. 

    Auffällig waren auch die einzelnen und verschiedenen Abhängigkeiten und die internationalen Verflechtungen. Darüber sollte man intensiv nachdenken und versuchen wieder stärker autonom zu werden. Vielleicht auch Wege einer stärkeren Selbstversorgung zu finden.

    Kalle: Hast Du irgendwelche Gefühle oder eine Vermutung wie es mit der Corona-Pandemie jetzt weitergeht?

    Anton: Es wird keine Sicherheit auf Dauer geben. Wir sollten auf das Beste hoffen und auf das Schlimmste vorbereitet sein. Wir sollten die Dinge, die wichtig sind, am besten gleich erledigen. 

    Folgende Zitate fallen mir zur gegenwärtigen Situation ein. „Die Gegenwart allein ist das, was immer da ist und unverrückbar feststeht“ (Arthur Schopenhauer). „Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern dass man nie begonnen hat, zu leben“ (Marc Aurel).

    Kalle: Herzlichen Dank Anton für das Gespräch.

    Infokasten:

    Zur Person von Anton Schmitt

    Geboren in Lampertheim. Abitur an der AMS in Viernheim. Bachelor Studium im Fach Philosophie an der Hochschule des Jesuitenordens in München. Master Studium an der Universität in Bonn. Wissenschaftlicher Mentor/Online-Dozent an der Universität Hagen. Lehraufträge an den Universitäten Karlsruhe und Kaiserslautern. Zur Zeit Lehrbeauftragter an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen/Geislingen.  Dozent an der Abendakademie Mannheim und den Volkshochschulen in Viernheim und Lampertheim (Hier z.B. jeden ersten Sonntag/Monat das „öffentliche Forum für freie Meinungsäußerung – Sonntags bei Anton“). 

    Beitrag aus der Rubrik

    » Lampertheim und Stadtteile
    » Lokal
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige NK Worms und RheinhessenAnzeige 3 Anzeige - 1