Di., 24. November 2015, 10:41 Uhr
„Die evangelische Pfarrgeschichte Lampertheims“ von Helmut Walter im Verkauf
Teil der Ortsgeschichte bis zur Gegenwart

Das neue Buch von Helmut Walter – „Die evangelische Pfarrgeschichte Lampertheims“ ist seit Mitte November in den beiden Lampertheimer Buchhandlungen erhältlich, auch das Heimatmuseum, das Stadtarchiv sowie die Martin-Luther- und die Lukasgemeinde beteiligen sich am Verkauf. Mit Helmut Walter (rechts) freuen sich die Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins Margit Karb und Stadtarchivar Hubert Simon. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Nun ist sie da, rechtzeitig, um auch als Weihnachtsgeschenk für historisch Interessierte in Betracht zu kommen: „Die evangelische Pfarrgeschichte Lampertheims“ von Helmut Walter für neun Euro. Erhältlich in den beiden Lampertheimer Buchhandlungen, im Rathaus-Service in der Domgasse 2, im Heimatmuseum, bei der Lukasgemeinde in der Römerstraße 94, bei der Martin-Luther-Gemeinde, Königsberger Straße 28-30 und im Stadtarchiv. Schön griffig liegt das 168 Seiten starke Werk in der Hand, die Umschlagfarbe hat sich dem evangelischen Lila angenähert, eine Zeichnung aus der Feder von Heinrich Karb, Ehrenbürger der Stadt Lampertheim, zeigt die Domkirche auf dem Titel. Das Inhaltsverzeichnis leitet den Leser durch die Zeiten, in der Zeittafel beginnend mit dem Jahr 1068, als Lampertheim zum Bistum Worms gehörte, fast tagesaktuell bis heute. Dazwischen ist einiges geschehen – die Reformation, die Umwandlung zum Calvinismus, es gab konfessionelle Umbrüche und Verwerfungen im 30-jährigen Krieg von 1618 bis 1648, danach eine 70 Jahre währende Periode gemeinsamer Amtsführung der Gemeinden in Lampertheim und Sandhofen. Erst 1711 bekommt die Pfarrgemeinde Sandhofen einen eigenen Pfarrer. Die wenig tolerante Wormser Phase dauerte bis 1800 an. Schließlich gelangte Lampertheim zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu Hessen. Die großen Linien der Geschichte in Stadt, Kirche und Staatswesen verknüpft Helmut Walter mit den Lebensläufen der Pfarrer und, soweit aus Archiven, Chroniken und historischen Dokumenten destillierbar, beschreibt er deren Persönlichkeit, Schaffenskraft und Wirken auch im Detail. In Lampertheim hat der 30-jährige Krieg nicht viele Dokumente übrig gelassen, doch Helmut Walter hat an anderen Orten gefunden, was er suchte. Seine spannende Reise durch die Jahrhunderte führte ihn unter anderem ins Staatsarchiv in Darmstadt und ins Archiv der Lukasgemeinde. Immer wieder ergaben sich aus einem zufälligen Kontakt weitere interessante persönliche Verbindungen. Zwei Jahre habe er an dem Buch gearbeitet, erzählte Helmut Walter bei einem Gespräch mit dem TIP, zu dem Stadtarchivar Hubert Simon und Margit Karb, Vorsitzende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins Lampertheim, eingeladen hatten. Und während er spricht, wird die Begeisterung spürbar, die ihn antreibt. „Es macht mir Spaß, etwas herauszufinden, was bislang nirgendwo so stand“, beschreibt er die Entdeckerlust. Der Verfasser, vor seiner Pensionierung Schulleiter des Lessing-Gymnasiums seit der Gründung, ist auch als Autor kein Unbekannter. Die Leidenschaft des studierten Mathematikers und Physikers, der in der Kaiserstraße 15 aufwuchs, ist die Geschichte und im Besonderen die Lampertheimer Ortsgeschichte. Die von ihm verfasste „Schulgeschichte“ ist als Band V in der Reihe „Einblick in die Stadtgeschichte“ erschienen. Bei der Arbeit an der „Schulgeschichte“ war ihm ein Buch zur Geschichte von Sankt Andreas aufgefallen. Dieses wurde der Auslöser für die nun vorgelegte evangelische Pfarrgeschichte, die der Autor nach wissenschaftlichen Regeln verfasst hat, worauf er im Gespräch ausdrücklich hinwies. Plagiatsjäger müssten hier ohne Beute aufgeben. Seine Fußnoten haben wissenschaftlich gesehen Hand und Fuß und in die Literaturliste hat Helmut Walter nur aufgenommen, was er tatsächlich verarbeitet hat. Schon früh hatte er Kontakt zu Stadtarchivar Simon aufgenommen, der auch Geschäftsführer des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins ist und selbst ein Buch zur Reformation geschrieben hat. Von ihm hatte er fundierte Unterstützung erhalten. Als Herausgeber hat der Heimat-, Kultur- und Museumsverein Lampertheim das Buch finanziert. „Der Verein übernimmt Aufgaben, die die Stadt übernehmen müsste, wenn es ihn nicht gäbe“, verdeutlichte Simon die Lage. Sein Vorgänger war Heinrich Karb, der bei der Stadt als Heimatpfleger beschäftigt war und so sein Hobby zum Beruf machen konnte. Die Verbindungen des 380 Mitglieder zählenden Vereins zur Stadt sind traditionell gut – der Verein betreut das städtische Heimatmuseum und der Bürgermeister war in der Vergangenheit regelmäßig als Versammlungsleiter am Vereinsleben beteiligt. Andererseits weiß Autor Helmut Walter: „Mein Buch wäre ohne den Verein nicht erschienen“. Vereinsvorsitzende Karb sieht in dieser Konstellation eine klare „Win-Win-Situation“. Die Einnahmen des Vereins von Veranstaltungen wie Mundartabende und Kerwe werden für gemeinnützige Aufgaben eingesetzt, für Ankäufe, Gebäudeerhaltung und Unterhalt des heimatkundlichen Pfads. Mit dem Buch von Helmut Walter wurde eine Marktlücke erschlossen, ist Stadtarchivar Simon überzeugt – und die Verkaufszahlen geben ihm Recht. Schon denkt der Verein an eine Erhöhung der Auflage. Der Autor hat bereits ein neues Buchprojekt im Sinn, auf das man gespannt sein darf. Hannelore Nowacki