Fr., 26. Mai 2017, 08:51 Uhr
Unterhaltsames und tiefgründiges Theater im Fach Darstellendes Spiel
Theaterabend am Lessing-Gymnasium begeisterte Publikum

Ausdrucksstark brachten die Darsteller ihre Ideen in drei eigenen Stücken auf die Bühne wie hier bei der Suche nach der wahren Liebe im Leben. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – In der Aula des Lessing-Gymnasiums (LGL) sah das begeisterte Publikum beim Theaterabend am Dienstag drei Stücke zu Themen, die Herz und Welt bewegen. Das Besondere - die Schüler und Schülerinnen der Kurse Q2 und E2 haben ihre Stücke im Unterrichtsfach „Darstellendes Spiel“ im Schuljahr unter der Spielleitung ihrer Fachlehrerinnen selbst geschrieben und die Darstellung selbst choreografiert. Mit sparsamen Requisiten, die keine zeitraubenden Umbauarbeiten auf der Bühne benötigen, erreichten sie die Konzentration auf das Wesentliche. Witzig, tiefgründig und manchmal auch mit verstärktem Körpereinsatz gaben die jungen Frauen und Männer ihren Themen Ausdruck - Jubel im Saal als eine spannende Tumultszene als gelungener Gruppenstunt zu bewundern war. Die drei Kurse hatten bereits einen Theatertag mit Proben und einer öffentlichen Generalprobe für die 9. Klassen hinter sich, als sich der Bühnenvorhang zum Theaterabend öffnete. Was man für spielerisches Vergnügen halten könnte, ist in den gymnasialen Oberstufen in Hessen ein Wahlfach, das bis zur Abiturprüfung führt, mit einem Spiel im praktischen Teil und der mündlichen Prüfung. Für dieses noch junge Fach in der Schulbildung absolvieren die Fachlehrer eine dreijährige Zusatzausbildung, die mit einem Staatsexamen abschließt, wie Fachlehrerin Julia Schubert-Förster im Gespräch mit dem TIP erläuterte. Auch der Namensgeber der Schule, Gotthold Ephraim Lessing, Dichter und Dramatiker, habe dem Theater sehr nahegestanden, erklärte Fachlehrerin Katja Böttche bei der Eröffnung des Theaterabends und Shakespeare habe gesagt „die ganze Welt ist eine Bühne“. Davon konnten sich die Zuschauer anschließend beim Stück „Love Is In The Air – isn’t it?“ überzeugen. Romeo und Julia haben es in der Liebe nicht leicht, wie sich beim Darstellenden Spiel des Kurses Q2, der Qualifizierungsphase 2, zeigte. Dennoch: „Julia ist meine Sonne“ meinte Romeo. „Suchen Sie auch nach der wahren Liebe oder haben Sie diese schon gefunden?“ war die leitende Frage, der die Darsteller in einer hindernisreichen Erlebnisreise mit Herz und Witz auf den Grund gingen. Dabei kamen auch praktische Dinge zur Sprache, wie Tipps und Tricks bei der ersten Begegnung. Sein neues Deo muss passen und flache Schuhe sind besser als hohe, in denen Julia offensichtlich nicht gehen kann. Spielleiterin beim ersten Stück war Julia Schubert-Förster, beim zweiten Stück mit Szenen aus Hollywood bei der Oscarverleihung leitete Stephanie Ulber das Spiel. Unter dem Titel „Vom Schein und Sein der Traumfabrik“ des Kurses E2 wurde der rote Teppich imaginär ausgerollt, um den Zuschauern einen Blick hinter die Fassaden des schönen Scheins und der Hintermänner zu ermöglichen. Auch das Thema Rassismus in der Glitzerwelt des Films kam zur Sprache. Weitere Stichwörter wie Oberflächlichkeit, Erfolg, Ruhm, Schönheit, Lebensfreude und Dilemma warfen die Darsteller in den Raum. Der Kurs Q2 von Spielleiterin Katja Böttche ließ es beim Stück mit dem Titel „Sandmann, lieber Sandmann … Kindheitstraum oder Trauma?“ auch mal krachen wie beim körperbetonten Gruppenstunt. Kein Wunder, wenn der Wahnsinn im Leben Regie führt, wie es dem jungen Nathanael geschah. Was harmlos mit der Gutenachtgeschichte vom Sandmann begann, wurde im Erwachsenenalter zum Trauma. Die achtzehn Darsteller des Kurses wollten mit ihrem „kurzen Schauspiel die Grenzen des menschlichen Verstandes ausloten und vom Umgang mit solchen Grenzsituationen berichten“. So war es im gedruckten Programmblatt zu lesen. In der Pause zwischen den jeweils etwa halbstündigen Aufführungen boten Schüler den Zuschauern einen Imbiss und Getränke an. „Authentisch und virtuos, besser kann es nicht sein“, beurteilte Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur die Aufführungen. Mit dem Lob „ich bin stolz, das Darstellende Spiel ist ein ganz tolles Unterrichtsfach“ überreichte sie den Spielleiterinnen ein Blumengebinde. Hannelore Nowacki