Künstlerische Interpretationen der KIL zum Thema „Provokation“ / Außergewöhnliche Vernissage am 13. April mit neuem Aspekt der Darstellung
Themen, die Menschen provozieren
Die KIL-Mitglieder hoffen auf zahlreiche Besucher ihrer außergewöhnlichen Vernissage "Provokation" - (v.l.) Bernhard Hossner, Heike Kissel-Eltrop, Anette Jansen und Bernd Kalusche. Foto: Sigrid Samson
LAMPERTHEIM – „Was provoziert mich?“ „Wen will ich provozieren und warum?“ - Mit diesen und weitere Fragen rund um das Thema Provokation haben sich die vier Künstlerinnen und Künstler der KIL (Künstler Initiative Lampertheim) auseinandergesetzt. Etwas anders als gewohnt befassten sie sich mit einem eher ernsten Thema, das nicht ganz so der bisherigen Art ihrer künstlerischen Darstellungen entspricht. Die Besucher der Vernissage können gespannt sein auf eine Ausstellung mit Elementen, die den Betrachter bewusst provozieren und zum Nachdenken anregen, während eine gewisse Portion Humor selbstverständlich auch dazu gehört.
Die ursprüngliche Idee stammte von Bernhard Hossner; gemeinsam wurde die Idee dann weiterentwickelt. Anette Jansen erwähnte im Rahmen eines Pressegesprächs, dass das Thema eine wahre Herausforderung für sie darstellte, da es grundsätzlich nicht ihrer Natur entspreche. „Themen, die mich provozieren“ war ihre Herangehensweise. In ihren Objekten und Installationen spiegelt sich das Verhalten der Menschen oder auch die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Themen wider. „Manchmal ist es auch nur die ganz einfache Wortwahl und die damit verbundene übertriebene Verhaltensweise, die provokant wirkt“, ergänzte sie. Mit der Präsentation ihrer Werke verbindet sie auch ein wenig Hoffnung, dass jeder darüber nachdenkt, Dinge zu verändern. Sie musste eine Brücke schlagen von den gewohnt schönen und beliebten Frauentorsi und Skulpturen aus Beton: Dieses Mal erwartet die Besucher eine völlig neue Art der Darstellung, darunter Trash-Art, das heißt Verwendung von Abfallprodukten wie Plastik, aber auch Tierisches, wie beispielsweise Federn. Objektkunst mit unterschiedlichen Materialien wird von ihr zu sehen sein.
Auch Heike Kissel-Eltrop tat sich zu Beginn sehr schwer damit, das Thema künstlerisch umzusetzen. Nach einem geistigen Findungsprozess hatte auch sie dann ihre Herangehensweise gefunden und ging mit Begeisterung an's Werk. Provokation müsse auch nicht immer negativ belastet sein, sondern könne auch positiv und schön sein, auch inspirierend. Für sie hatte sich herauskristallisiert, dass Provokation nicht einseitig ist, sondern immer auch ein Gegenüber beteiligt ist. Provokation ist immer eine subjektive Angelegenheit und ein zwischenmenschliches Thema. In ihren Werken – ausschließlich Bilder, darunter auch dreidimensionale - arbeitete sie viel mit Rost, inspiriert von ihrer Kollegin Jansen.
Interessant ist der Unterschied in der Herangehensweise der beteiligten Künstlerinnen und Künstler. Während sich Jansen und Kissel-Eltrop im Vornherein die Frage stellten, was sie selbst provoziere, traten die Männer völlig anders an das Thema heran. So stellte sich Bernd Kalusche und Bernhard Hossner im Vorfeld die Frage, WEN sie provozieren möchten. Kalusche versteht seine Werke eher als Stichelei anstatt Provokation. „Ich möchte Menschen ansprechen, die mir nahe stehen und von denen ich denke, dass sie einen kleinen Provokationsschub vertragen können“, teilte er mit. Nicht mit bitterem Ernst, sondern mit Humor stellt er die drei Themen Männer, Sex und Kunstbetrieb in den Vordergrund seiner Kunstwerke. Sechs kleine Stahlskulpturen, eine Stahlinstallation und zwei Bilder von ihm werden zu bestaunen sein. Kalusche versteht dabei die Provokation als probates Mittel – gezielte Provokation sei viel wert, meinte er. Dabei schwingt er nicht die ganz große moralische Keule. Den Hinweis auf Gier, Neid, Lügen, Verklemmungen, Eitelkeit, Tratsch und Bosheit verbindet er mit der Aufforderung nach Offenheit, Gelassenheit, Humor und der Botschaft, dass niemand frei von all dem ist. „Leute, lasst euch provozieren, regt euch auf, denkt nach, und zum Schluss das Lachen nicht vergessen“, so sein Motto.
Hossners ausgestellte Werke, darunter ein Bild mit einem Fahrradschlauch und Fahrradventilen auf knallrotem Hintergrund, tragen grundsätzlich keine Titel. Für ihn sind es die gesellschaftspolitischen Themen, die er in Frage stellt. Er widmete sich Themen, über die niemand spricht und von denen doch jeder weiß, dass sie da sind. Aber auch Dinge, die eine provozierende Wirkung auf einen großen Teil der Gesellschaft haben. Drei Bilder aus Stahl und Bitumenpappe und drei Holzskulpturen erwarten die Besucher.
Die Vernissage findet am Freitag, 13. April, um 19 Uhr, in den Räumlichkeiten der KIL in Lampertheim-Hofheim, Schulstraße 4, statt. Für die musikalische Umrahmung wird das Duo „District Lounge“ sorgen. Die Ausstellung ist auch am 14. und 15. April jeweils von 14 bis 18 Uhr und anschließend bis Mitte Mai immer donnerstags von 18 bis 19 Uhr für Interessenten geöffnet. Sigrid Samson