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So., 11. September 2016, 10:38 Uhr
Die Kerwe läuft auf Hochtouren – traumhaftes Wetter, Essen und fetzige Musik
Tiefsinnige Kerwerede auf „Lambaderisch“ und Freibier zur Eröffnung
Beim Heimatmuseum war der Treffpunkt der Kerweborscht mit Spargelkönigin Stefanie II. – von hier aus rollten sie mit Musik mitten ins Kerwegeschehen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Glückliches Lampertheim – die Kerwe kann auf bestes Wetter zählen, ideal, um lange Abende gemütlich unter freiem Himmel auf der Festmeile und im Kerwedorf zu verbringen. Zum „gröschten Fescht“ strömten am frühen Samstagabend die Besucher aus allen Richtungen zur Römerstraße, zum Europaplatz und an die Domkirche. In der Kerwerhetorik werden die vergnügten Besucher auch gerne „Kerwestrunzer“ genannt, Menschen eben, die das Fest zu genießen wissen. Die Regenschirme durften zu Hause bleiben, in diesem Jahr ist manches anders. Zum Beispiel sprach die Spargelkönigin schon zu Beginn der Zeremonie, ausdrücklich auf Hochdeutsch, und der Erste Stadtrat hielt sich besonders wiederum mundartlich besonders kurz. Andererseits stellte der Kerweredner fest: „Aa schunscht, des ist nit üwwertriwwe, is einiges beim Alte gebliwwe“. Das traf auch auf die Szenerie auf dem Europaplatz zu. Pünktlich zur Kerwe-Eröffnung am späten Nachmittag füllte sich der Vorplatz vor dem Alten Rathaus, immer wieder gingen die Blicke hinauf zum Balkon, die Türe stand schon weit offen. Der auf Hochglanz getrimmte Oldtimertraktor mit Fahrer und Kerweborscht Christoph Oberfeld tuckerte gemächlich vom Heimatmuseum durch die Festmeile in der Römerstraße, auf der Rolle Spargelkönigin Stefanie II. in festlichem Kleid und acht gut gelaunte und betankte Kerweborscht. Auch die Musik fuhr mit – die „Zwoa Spitzbuam“ stimmten die Zuschauer auf die Kerwe ein und begleiteten wenig später auch die mehr als halbstündige Kerwerede von Kerweborscht Heinz „Clever“ Eichenauer, der diesmal kräftig die Lokalpolitik aufmischte, die Straßensanierung und die Kassenlage im Blick hatte und und den Hofheimern auf ihre Beschwerden im letzten Jahr eine witzige Retourkutsche lieferte. Das Publikum stand erhobenen Hauptes unter dem Balkon, aufmerksam und ausdauernd lauschend, was der Kerweredner zu verkünden hatte. Lachen und Applaus zeigten, dass der Kerweredner mit seiner gereimten Analyse der Geschehnisse ins Schwarze getroffen hatte. In wagefreudiger Kerwerhetorik erklärte er schließlich, warum Papst Franziskus demnächst in Hofheim Station machen werde: „Der Papst geht in de Welt immer dohee, des is gewiss, wu des Elend am allergröschte is“. Erster Stadtrat Jens Klingler korrigierte anschließend ganz locker, was Eichenauer zum Beamtenfleiß und zum Freiwilligentag gereimt hatte. „Der Kerl macht bestimmt nicht mit, denn mit zwei linke Händ was dut der schaffe?“. Spargelkönigin Stefanie II. wünschte allen eine schöne Zeit und „ich hoffe, euch an allen drei Tagen hier zu sehen“. In der Zwischenzeit glühten bei der DLRG die Grillkohlen und gaben den Haxen von Metzger Blüm die leckere Kruste. Beim „Dömer am Römer“, in der Nähe der Agip-Tankstelle, hatte das Team alle Hände voll zu tun, wie auch beim FC Olympia, der spanische Spezialitäten anbietet. Am Samstag gastierten auf der Bühne des FC Olympia die deutsch-französischen Musiker von „Seventies3“ – die rockigen Kracher aus einem Querschnitt der 1970er Jahre wogten mit Macht ins begeisterte Publikum. Beim Bauernladen Steinmetz im Hof gibt es zahlreiche lauschige Plätzchen wie die Weinlaube, auch bietet die Speisekarte hungrigen Besuchern eine große Auswahl, am Samstagabend gab es für den kleinen Hunger Hausmacherwurst, Grillsteak und Grillwurst mit Andechser Bier und Wein. Dazu spielte die Spugly-Band Unterhaltungsmusik, die auch zum Tanzen einlud. Hannelore Nowacki