
LAMPERTHEIM – Drei weiße Rosen erinnerten jüngst an das Ableben einer sri-lankischen Gastfamilie in Lampertheim. Am 31. Januar 1992 war ein Haus, das zu dieser Zeit in der Ernst-Ludwig-Straße als Flüchtlingsunterkunft diente, in Flammen geraten, wobei Mohideen Mohamed Mulatta (29), Mohideen Nelofa Zeenai (31) und ihr 13 Monate altes Baby ihr Leben ließen. Wie sich später herausstellte, war das Feuer von drei jungen Männern aus Lampertheim und Worms gelegt worden. Sie wurden 1994 wegen schwerer, gemeinschaftlicher Brandstiftung mit Todesfolge zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein rassistisches Motiv erkannte das Gericht damals nicht an. Das Gebäude wurde bei dem Brand schwer beschädigt, so dass es später abgerissen werden musste. Der an gleicher Stelle errichtete Neubau ließ die Todesnacht optisch vergessen, weswegen nun mit einer Kundgebung die Erinnerung an das traurige Kapitel in der Lampertheimer Stadtgeschichte wachgehalten werden sollte.
Gut 60 Personen hatten sich dazu im nahegelegenen Stadtpark eingefunden, darunter Vertreter aller Parteien im Stadtparlament, Bürgermeister Gottfried Störmer (parteilos) sowie sechs der 70 Feuerwehrleute, die 1992 im Einsatz waren und mittlerweile der Alters- und Ehrenabteilung angehören. Marius Gunkel, Vorsitzender des DGB-Ortsverbands, begrüßte die Anwesenden und führte in die Ereignisse der Brandnacht ein. Ziel der Veranstaltung sei es, ein Zeichen des Mitgefühls gegenüber den Opfern zu setzen und für eine tolerante Stadtgesellschaft in Lampertheim zu werben. Der Politikwissenschaftler und Koautor des Buches „Rechter Terror in Hessen“ Sascha Schmidt verwies in seiner Rede auf jüngere Erkenntnisse aus Recherchen zu dem Fall. Diese brachten Schmidt zur Überzeugung, dass die Tat einen politischen Hintergrund habe. Wie aus Prozessberichten von damals hervorgehe, hatten die Täter in der gleichen Nacht auch in einer Asylunterkunft in Biblis versucht, ein Feuer zu legen.
Der Anwalt der Familie der Verstorbenen kam am Ende des Prozesses zu der Bewertung, dass die Täter „typische Merkmale rechtsradikaler Gesinnung“ aufgewiesen hätten. Die damalige Darstellung der Täter, sie hätten das Feuer aus Frust gelegt, da ein Bewohner der Asylunterkunft nicht zu einem verabredeten Zeitpunkt vor dem Haus erschienen sei, hält Schmidt für nicht plausibel. „Einem Bekannten zündet man nicht aus solch niederem Grund das Haus an“, so Schmidt. Der Politikwissenschaftler sieht in der Tat vielmehr einen Ausdruck einer herabgesenkten Bereitschaft zur Anwendung von Gewalt, für die es in diesem Fall keinerlei andere plausible Hinweise gibt, als die ablehnende Haltung gegenüber Asylsuchenden.
Anschließend zogen die Teilnehmer der Kundgebung zum damaligen Ort des Geschehens. Dort angekommen, übernahm Erich Maier das Wort. Der Altbürgermeister war damals Kulturamts- sowie Volkshochschulleiter und mahnte, dass die Gefahr der extremen Rechte weiterhin verharmlost werde. Manfred Forell von der Initiative nahm in seinem Schlusswort Bezug auf die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer und zitierte sie mit den Worten: „Es gibt kein christliches, kein muslimisches, kein jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. Alles ist gleich“. Zum Abschluss legten die Gewerkschafter am ehemaligen Standort der Flüchtlingsunterkunft Blumen nieder. Die Initiatoren wollen nun im Verlaufe des Jahres auf das Stadtparlament zugehen, um auszuloten, wie das Gedenken an die Flüchtlingsfamilie auch zukünftig hochgehalten werden kann. red
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