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Do., 08. September 2022, 15:36 Uhr
ENERGIEVERSORGUNG: Landrat Engelhardt stellt Konzept für Energieeinsparungen in kreiseigenen Liegenschaften vor / Schulen, Sporthallen und Verwaltungsgebäude betroffen
Trotz starker Einsparungen: „Im Kreis Bergstraße wird es nicht dunkel”
Mit niedrigeren Raumtemperaturen will der Kreis Bergstraße Energie in Verwaltungsgebäuden, Sporthallen und Schulen sparen. Foto: www.pixabay.com
KREIS BERGSTRASSE – Die Energiepreise steigen, überall ist sparen, sparen, sparen angesagt. Avisierte Ziele dabei: Ressourcen und Kosten einsparen und mögliche Engpässe zu verhindern. Auch der Kreis Bergstraße wird in Hinblick auf seine Liegenschaften – darunter Verwaltungsgebäude, Sporthallen und vor allem auch Schulen – diverse Maßnahmen ergreifen, um Einsparungen zu erzielen. Wie genau diese Maßnahmen aussehen, stellte Landrat Christian Engelhardt am Donnerstag bei einem Pressegespräch vor. Dabei bilden der Notfallplan Gas und Einsparvorgaben von Bund und EU und der Maßnahmenplan Hessen die Grundlage für das Maßnahmenpaket. Ziel soll sein, den Gasverbrauch um 15 Prozent zu senken und auch im Bereich Strom hohe Einsparungen zu erzielen und somit gleichzeitig Kosten zu reduzieren. Eines ist klar: Für alle, die sich in den entsprechenden Gebäuden aufhalten, sind warme Socken und Kleidung mit Sicherheit keine schlechte Idee.
„Jeder kann einen Beitrag leisten und es ist auf jeden Fall auch für jeden sinnvoll, da die Energiekosten weiter steigen”, betonte Landrat Engelhardt. Grundsätzlich habe der Kreis eine gute Ausgangslage, denn bei allen Bau- und Modernisierungsmaßnahmen sei es schon lange das Ziel, den Energieverbrauch in allen Liegenschaften zu reduzieren und den Anteil regenerativer Energieträger kontinuierlich zu steigern. „Wir besitzen bei vielen unserer Gebäude einen hohen Energieeffizienzstandard. Gerade im Bereich der Schulen, die den deutlich größten Gebäudeanteil stellen, wurden viele bereits energetisch saniert und mit regenerativen Heizsystemen ausgestattet. Wir haben viele Energieträger, neben Öl und Gas auch Solarthermie und Holzpellets”, erläuterte der Landrat, allerdings wissend, dass außer der Solarthermie alle Energieträger im Preis gestiegen seien.
Und trotz allem seien weitere Maßnahmen unumgänglich: So wird in den Schulen der Beginn der Heizperiode von Mitte September auf den 1. Oktober verlegt, die Raumtemperaturen werden in den Klassenräumen der weiterführenden Schulen bei 19 Grad Celsius liegen. Bei den Grundschulen soll die Temperatur in den Klassenräumen bei 20 Grad liegen, wobei hier eine Abfrage läuft, ob auch hier Schulen bereit sind, 19 Grad als Temperatur umzusetzen. In den Verwaltungsräumen der Schulen soll die Temperatur grundsätzlich bei 19 Grad liegen, auf Fluren 15 Grad. Wichtig ist: Die Raumtemperatur darf nicht überschritten werden, es dürfen auch keine zusätzlichen Heizgeräte eingesetzt werden. In diesem Bereich können seitens der Kreisverwaltung auch Kontrollen durchgeführt werden. Die Temperatur-Nachtabsenkung ist bereits in Betrieb, zudem werden die dezentralen Warmwasseraufbereitungsanlagen wie etwa Durchlauferhitzer abgeschaltet. Ausnahme wird eine Anlage für das Reinigungspersonal sein. Die Beleuchtung an den Schulen wird in der Regel nur zwischen 7 und 22 Uhr erfolgen, ausgenommen sind hierbei Beleuchtungen, die der Sicherheit dienen. Und die Kühlung der Serverräume wird auf 25 Grad reguliert.
Sporthallen bei 17 Grad
Auch bei den kreiseigenen Sporthallen kommt es zu entsprechenden Maßnahmen. Hier sind neben den Schulen auch zahlreiche Vereine betroffen. Die Raumtemperatur in den Hallen, bei denen die Heizperiodewie auch übrigens in den Verwaltungsgebäuden ebenfalls ab 1. Oktober startet, wird bei 17 Grad liegen, in nicht genutzten Hallenzeiten bei 15 Grad. Es wird jedoch kein grundsätzliches Abschalten der Warmwasserbereitung geben, da dass Warmwasser hier größtenteils über Solarthermie erzeugt wird und zudem eine Legionellenbildung verhindert werden soll.
Betroffen sind darüber hinaus die Verwaltungsgebäude des Kreises. Hier liegt die Raumtemperatur auf Fluren bei 15 und in den Büros bei 19 Grad, die Nachtabsenkung erfolgt hier bereits ab 17.30 Uhr und freitags ab 13 Uhr. Andere Heizgeräte sind ebenfalls untersagt, insbesondere Heizlüfter. Standby-Geräte müssen bei Nichtgebrauch bzw. am Ende der Arbeitszeit ausgeschaltet werden, ebenso sind wie in den Schulen keine dezentralen elektronischen Warmwasseraufbereitungen angeschaltet.
„Die ergriffenen Maßnahmen tragen dazu bei, ganz erheblich Energie einzusparen”, ist sich Landrat Engelhardt sicher. Trotz aller geplanten Maßnahmen geht der Kreis derzeit dennoch davon aus, dass sich die Energiekosten im kommenden Jahr auf sieben Millionen Euro belaufen werden. Dennoch: „Im Kreis Bergstraße wird es nicht dunkel”, war es Landrat Engelhardt wichtig zu betonen. Dies gelte auch für die Weihnachtsbeleuchtung, denn diese sei ein „Teil unserer Kultur und trägt zum Lebensgefühl ein.” Man halte darüber hinaus an der Umsetzung der Energieziele bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen und der Umsetzung des Klimaschutzkonzeptes des Kreises fest, um künftig weiter Energie einsparen zu können.
Präventive Vorbereitung bei Energieknappheit
Der Kreis ergreift derzeit weitere Maßnahmen, um auf eine mögliche Energieknappheit direkt reagieren zu können, auch wenn von dieser derzeit nicht ausgegangen werden kann und man keineswegs in Panik verfallen sollte. So haben sich der Kreis und die Energieversorger der Region bereits vor den Sommerferien auf ein gemeinsame Abstimmungsrunde geeinigt, um das Vorgehen im schlimmsten Fall koordinieren zu können. Auch im Bereich der Gefahrenabwehrverordnung wurde, unter Einbeziehung der Polizei, Vorarbeit geleistet, was getan wird, wenn Strom oder Gas zusammenbrechen – beispielsweise wird hier geklärt, an wen sich die Bürger in einem solchen Fall wenden können. Die Städte und Gemeinden werden hier ebenfalls mit einbezogen, mit den Bürgermeistern hat Landrat Engelhardt bereits bezüglich einer Abstimmung im Bereich Energiesparmaßnahmen gesprochen. „Die meisten Städte und Gemeinden werden sich den Maßnahmen des Kreises anschließen, wir agieren vergleichbar.” Benjamin Kloos