14. Lampertheimer Orgelsommer 2018 endete eindrucksvoll mit Heike Ittmanns Orgelkonzert
Tutti – alle Register erklangen
Heike Ittmann vor Konzertbeginn. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Der Orgelsommer 2018 ist zu Ende, eine Nachricht, die wehmütig stimmen könnte. Immer sonntags im August um 20 Uhr war in der Domkirche ein Orgelkonzert geboten. Doch im nächsten Jahr soll es den 15. Orgelsommer geben, das hat Kantorin Heike Ittmann, die diese Veranstaltungsreihe initiiert hat und alljährlich organisiert, dem Publikum am Sonntag versprochen. Ein gelungener Trost. Vor 150 Jahren wurde die Domkirche erbaut, deshalb wählte Heike Ittmann für den diesjährigen Orgelsommer den Titel „1868 – 150 Jahre Domkirche“ und verpflichtete alle bisherigen Organisten, Carsten Wiebusch (Frankfurt), Daniel Beckmann (Mainz) und Johannes Quack (Köln) für ihr Programm Kompositionen aus dem Jahr 1868 auszuwählen. Wie schon Carsten Wiebusch feststellte, keine ganz leichte Aufgabe, denn damals waren Kirchenmusik und Kompositionen für die Orgel im Besonderen in Deutschland für die Komponisten nicht interessant. Große Sinfonien und Opern standen im Vordergrund, erklärte Heike Ittmann dem Publikum zu Konzertbeginn. Glücklicherweise gab es damals in England Stars unter den Organisten wie Edwin H. Lemare, die Stücke für die Orgel bearbeiteten. So geschah es auch bei dem ersten Stück des Konzerts, das Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Richard Wagner (1813-1883) aus dem Jahr 1868, das Lemare für Orgel transkribiert hatte. Die Erlaubnis hatte er bei Cosima Wagner erbeten. Bei Aufführungen in Kirchen habe die Polizei den Massenansturm der Zuschauer beim Einlass regeln müssen.
Nach dem Konzert veranstaltete der Förderverein Domkirche im Freien einen geselligen Umtrunk. Foto: Hannelore Nowacki
Heike Ittmann bereitete das Publikum in der Domkirche auf eine spannende Bearbeitung mit vier verschiedenen Klangschichten vor. Feingliedrig und fast flüsternd, dann auch erhaben und feierlich dröhnend tönte die große blaue Vleugels-Orgel in der Domkirche. Auch die Sonate Nr. 1 c-Maoll, op. 27 mit Präludium, Andante und Finale von Josef G. Rheinberger (1839-1901) wurde 1868 komponiert. Ähnlich wie im Barock steigere sich seine Musik nicht, sei eher gleichbleibend und etwas konservativ an Bach angelehnt, führte Heike Ittmann aus. Heike Ittmann spielte atemberaubend, ja auch ohrenbetäubend, dann wieder nachdenklich und lieblich flötend. In ihrem Programm nahm die Fantasie und Fuge über den Choral „Ad nos, ad salutarem undam“ von Franz Liszt (1811-1886) aus der Oper „Der Prophet“ von Meyerbeer (1850) den dritten Platz ein, das größte Orgelwerk mit einer halbstündigen Spielzeit. Furiose Klangfolgen, Tiefen und Höhen, Sturm und Ausdauer machten das Stück zu eine allumfassenden Klangerlebnis mit einem modernen Einschlag ins Atonale. Alles hatte die Orgel gegeben, Tutti, mit allen Registern, auch die beiden neuen Register Flöte travers und Trompete waren dabei. Die tiefsten Töne verlangten die Fußarbeit an den Pedalen. Das Publikum applaudierte, hörte nicht mehr auf, erhob sich. Glücklich strahlende Konzertbesucher schauten nach oben. Heike Ittmann verneigte sich von der Empore herab und bat das Publikum bei der Zugabe um Mitwirkung: „Stimmen Sie einfach ein, Sie merken, wenn es losgeht“. Johannes Brahms (1833-1897) hatte das Wiegenlied „Guten Abend, gute Nacht“ im Jahr 1868 komponiert - nun war das Stück der harmonische Schluss eines spannenden Abends. Jeden Sonntag habe sie die Orgel gestimmt, hatte Heike Ittmann zu Beginn berichtet, wobei sie ihr Sohn Josua unterstützte. Allen, die am Orgelsommer unterstützend beteiligt waren, dankte sie, besonders „cultur communal“ der Stadt Lampertheim. Mitglieder des Fördervereins Domkirche hatten zum abschließenden Umtrunk unter freiem Himmel frisches Fladenbrot geschnitten, Wasser und Wein bereitgestellt. Hannelore Nowacki