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  • Fr., 12. April 2019, 08:39 Uhr
    „Bürgerinfomarkt“ von Amprion mit Bundesnetzagentur schwach besucht

    Ultranet soll Strom nach Philippsburg leiten

    Das Thema Ultranet bot eine Menge Gesprächsstoff, wobei Markus Roth von der Amprion-Projektleitung Technik kaum kritische Töne zu hören bekam. Sehr zufrieden äußerten sich seine Gesprächspartner Franz Häuser, Rainer Platz und Monika Pfeiffer-Hartmann mit seinen Erläuterungen. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS – Das Thema Ultranet sorgt in Lampertheim für Bedenken und Sorgen, weil die Gleichstrom führende Leitungstrasse näher an bestehende und zukünftige Wohnbebauung herankommt als auf der übrigen Strecke im südhessischen Ried, die Amprion als Abschnitt zwischen „Punkt Ried“ und „Punkt Wallstadt“ in Mannheim definiert. Die Informationsveranstaltung von Amprion als Dialogtermin vor Ort am Dienstagabend in Lampertheim-Rosengarten war laut Joëlle Bouillon, zuständig für die Amprion-Projektkommunikation, mit bis zu 30 Bürgern gut besucht, ähnlich sei es auch in Viernheim gewesen. In Biblis blieben die Mitarbeiter von Amprion bei ihrem „Bürgerinfomarkt“ weitgehend unter sich und in großer Überzahl gegenüber den sechs Bürgern in den ersten anderthalb Stunden, die sich über das Ultranet-Projekt informieren wollten. In der verbliebenen Zeit bis 16 Uhr rechneten die Amprion-Mitarbeiter nicht mehr mit weiteren Besuchern. Zwei Lokalpolitiker informierten sich. Monika Pfeiffer-Hartmann, Mitglied des Gemeindevorstandes, fand die Veranstaltung sehr informativ, bedauerte jedoch, dass nicht mehr Leute gekommen waren. Vor allem die Jugend vermisste sie, die dabei einiges hätte lernen können. War es die ungünstige Zeit von 14 bis 16 Uhr für Berufstätige, wurde zu wenig Werbung gemacht oder aber fühlen sich die Bibliser durch die entlegenere Trassenführung weniger betroffen? Markus Roth, bei Amprion in der Projektleitung Technik, hatte aufmerksame Zuhörer. Besonders ausdauernd lauschten Franz Häuser und Rainer Platz seinen anschaulichen Ausführungen mit dem gesamten Spektrum des Ultranets. Als Elektriker für Betriebstechnik haben sie mit Versorgungsspannung zu tun, erklärten sie, die Ultranet Hochspannung sei für sie Neuland. Rainer Platz meinte: „Es ist sehr interessant, aber es müssten mehr Leute kommen“. Sein Kollege Häuser habe gesagt, gehen wir mal dorthin, vielleicht gibt es etwas Neues. „Man kann gar nicht nachvollziehen, was man in der Bevölkerung über das Ultranet so hört“, meinte Häuser. Roth erläuterte die Zusammenhänge mit der Energiewende – jetzt werde Strom erzeugt, wo der Wind bläst, wo aber keine Industrie sei, früher hätten sich die Energieerzeuger dort angesiedelt, wo die Abnehmer waren. Deswegen muss Strom über lange Strecken transportiert werden, was am besten mit Gleichstrom funktioniere. Von Osterath in Nordrhein-Westfalen nach Philippsburg werde der Gleichstrom geleitet, dorthin, wo es bereits eine Verteilinfrastruktur zu den Verbrauchern gebe. Was bedeutet das Ultranet für das südhessische Ried und wie sind Biblis, Bürstadt und Lampertheim von den Auswirkungen betroffen, wenn die bestehende Wechselstromtrasse von der Firma Amprion als Netzbetreiber auf Gleichstrom umgerüstet wird und sogar neue Masten gebaut werden? Auf dem Großteil der 28 Kilometer langen Strecke müssen neue Masten gebaut werden, dadurch entstehen mehr Eingriffe in die Umwelt als im nördlich anschließenden Abschnitt, ist auch in der Amprion-Broschüre für nachzulesen. Zwischen „Punkt Ried“ und „Punkt Bürstadt Ost“ soll über neun Kilometer ein bestehender Stromkreis für die 380-Kilovolt-Freileitung für den Gleichstromstransport genutzt werden. An 18 Masten werden dafür nur die Isolatoren ausgetauscht, vier Masten mit 84 Metern Höhe (vorher 79 Meter) werden neu gebaut, fünf Masten werden zurückgebaut. Zwischen „Punkt Bürstadt Ost“ und „Punkt Wallstadt“ wird eine neue 380-Kilovolt-Leitung über 18,9 Kilometer gebaut, neben einer bestehenden Trasse. Auf dieser Strecke reicht der heutige Schutzstreifen nach derzeitigem Planungsstand nicht aus und muss auf bis zu 25 Meter zu beiden Seiten der Leitungen erweitert werden. Die neuen Masten werden 58 Meter hoch sein, 20 Meter höher als die alte Leitung, dafür wird es 54 statt bisher 83 Masten geben. Das Magnetfeld einer Gleichstromleitung Ultranet liegt unter dem des Erdmagnetfeldes heißt es in der Broschüre. Höchstspannung kann auch knistern, aber laut Amprion im Rahmen der Lärmschutzanforderungen. Bis 2020 will Amprion die Planfeststellungsunterlagen für diesen Abschnitt Ried-Wallstadt bei der Bundesnetzagentur einreichen, bis Ende 2023 soll die gesamte Leitung nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb gehen, erklärte Amprion-Sprecherin Bouillon. Am 28. März hat Amprion das Planfeststellungsverfahren beantragt. Und welche Rolle hat die Bundesnetzagentur als Genehmigungsbehörde mit Blick auf die Bürgerbeteiligung? Die beiden Mitarbeiter aus Bonn, Karsten Mälchers vom Referat Bundesfachplanung und Planfeststellung und Andreas Michels vom Referat Planung und Recht, hatten ebenfalls informative Stellwände sonstiges Infomaterial mitgebracht. Sie erläuterten im Gespräch mit dem TIP die komplexen Verfahrensabläufe, an deren Ende nach „gewissenhafter Prüfung“, wie Michels hervorhob, die Genehmigung für den „Vorhabenträger“ steht, praktisch die Baugenehmigung. In diesem Falle kann Amprion das Ultranet installieren. Mälchers erklärte, dass er das Verfahren für das Ultranet führe. Dabei gebe es mehrere Möglichkeiten sich als Bürger und Träger öffentlicher Belange einzubringen. Auch bis zum aktuellen Stand habe es viele Beteiligungsmöglichkeiten gegeben. Bei Länder übergreifenden Leitungen gebe es die Bundesfachplanung mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur über einen Trassenkorridor. Im Planfeststellungsverfahren entscheide sich der genaue Verlauf der Leitung, was immer auf einen Kompromiss zwischen den „Betroffenheiten“ hinauslaufe. Eine Erdverkabelung sei im Bundesbedarfsplangesetz für Ultranet jedoch ausgeschlossen. Als nächste Beteiligungsmöglichkeit lädt die Bundesnetzagentur zu einer öffentlichen Antragskonferenz ein, um die Inhalte der Planfeststellungsunterlagen mit den Kommunen und Trägern öffentlicher Belange und verschiedener Experten zu beraten. Auch die Bürger könnten sich hier mit Hinweisen einbringen. Hannelore Nowacki

     
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