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  • Di., 18. Februar 2014, 10:31 Uhr
    Zum Fastnachtsgottesdienst volle Pfarrkirche St. Michael

    „Und dann die Hände hoch zum Himmel“

    Pfarrer Peter Kern begrüßte die Großgemeinde in der voll besetzten Pfarrkirche St. Michael und freute sich, dass auch Stadtprinzessin Teresa I. gekommen war. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Ein bedeutendes Ereignis in der Fastnachtszeit ist der alljährliche Fastnachtsgottesdienst in der Pfarrkirche St. Michael, der nun schon zum dritten Mal gefeiert wurde. Sogar die Sonne strahlte und der Himmel leuchtete so blau wie kaum zuvor in diesem grauen Winter. Die Menschen strömten am Sonntagnachmittag in die Kirche, die Sitzplätze waren bald belegt, auch Stehplätze wurden gerne angenommen. Mit dem Einzug der Bürstädter Fastnachtsvereine waren auch die vorderen reservierten Bankreihen gefüllt. Der Heimat- und Karnevalverein (HCV) mit seiner samtenen tiefblauen Fahne und der Spiel- und Kulturkreis 50 (SKK 50) führten den Einzug der organisierten Bürstädter Narren ein, die   Tanzgarden vollendete das prächtige Gesamtbild. Die Katholische Kirchenmusik unter der Leitung von Wolfgang Rotheber präsentierte sich ebenfalls in stilgerechter Kleidung. Pfarrer Peter Kern zelebrierte die Heilige Messe mit Kommunion. Ein mit Spannung erwarteter Höhepunkt war seine Reimpredigt mit mundartlichem Zungenschlag. Stadtprinzessin Teresa I. und ihre Begleitung von der Vereins-AG hatten ihren Ehrenplatz im Altarraum und sprachen die Fürbitten. Ein Strauß bunter Luftballons zierte das Mikrofon. Pfarrer Kern kam nach der Begrüßung und einem Exkurs zum Papstrücktritt umgehend zum Kern seines Anliegens. „Wir wollen bete, lache und jubiliere“, kündigte er an. Darauf reimte sich zunächst „und dem HCV zu seinem Jubiläum gratuliere“. Viel sei geschehen im vergangenen Jahr. „Dass wir dieses Jahr nicht mehr Papst sind, das war nicht in der Planung, davon hatten wir keine Ahnung“. Gemeinsam wurde das Gloria-Lied gesungen, Marcel Kilian trug das „Halleluja“ vor.

    „Wir klatschen zusammen und keiner ist allein – und dann die Hände zum Himmel“. Die Gottesdienstbesucher machten beim Fastnachtsgottesdienst gerne mit. Foto: Hannelore Nowacki


    Nach der Kommunion beeindruckte er mit dem ergreifenden Lied „Im Schatten des Doms“. Die Liedtexte waren einem fastnachtlich gestalteten Faltblatt zu entnehmen. „Sind alle schon zum Lachen bereit?“ Pfarrer Kern prüfte das Publikum erfolgreich mit einem Pfarrer-Witz über eine Predigt in Überlänge. Und dann: „Setzen Sie sich bequem hin und denken, Sie seien auf einer Sitzung – so eine Sitzung dauert in der Regel fünf Stunden“. Auch dieser Versuch endete mit Lachen und kräftigem Applaus. Die Zuhörerschaft war also bereit für die besondere Predigt, die von der frohen Botschaft Jesu getragen war und dabei Ernstes mit heiterer Gelassenheit verband. Sein zum Lachen reizender Hinweis: „So lang wird’s nicht dauern“. Stilsicher auch im Outfit, setzte Pfarrer Kern nun die Fastnachtsmütze auf, in der Hoffnung, es möge nützen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, lautet seine Kernbotschaft. „Ihr Christen seid die Optimisten“. Dabei machte sich Pfarrer Kern einen Reim auf vieles in der Welt, was nicht so läuft wie es sollte. Der Sonntag ist so ein Beispiel – Brunchen und Sport, aber keine Zeit haben für den Gottesdienst. Sein Rat: „Wer Gott, dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut“. Wieder war lautstarker Applaus die Antwort. Auch warb Pfarrer Kern für den direkten Verbindungsaufbau zu Gott, ganz ohne Geräte, mit denen viele Menschen online stets erreichbar seien, aber keine Zeit mehr für die Gemeinschaft hätten.

    Ein bewegender Gottesdienst war zu Ende – Pfarrer Peter Kern und die Ministrantinnen zogen zum Ausgang. Foto: Hannelore Nowacki


    Keinen frohen Reim machte sich Pfarrer Kern auf das knappe Geld, das auch in Bürstadt fehle. Sechs große Henkelkörbe wurden nun in den Bankreihen zur Kollekte weitergereicht. Andererseits: „Auch die Verschwendung in Limburg ist nicht zu begreifen, das ist zum Verzweifeln“. In humorvolle Reime gefasst waren Themen wie das Zölibat, der Besuch von Bürstädtern in Regensburg beim Bischof, der aber in Rom war, und vieles mehr. „Fröhlich sein, an Fastnacht und auch sonst“, diesen Wunsch gab Pfarrer Kern seiner Zuhörerschaft mit auf den Weg. „Helau und Amen“. Ein Kanon wurde gesungen, den Pfarrer Kern dirigierte. Zum Beten des Vaterunsers rückten die Gottesdienstbesucher über den Mittelgang hinweg zusammen und hakten sich auf Vorschlag von Pfarrer Kern gemeinschaftsbildend unter. Nach der Kommunion, die von der Katholischen Kirchenmusik mit stimmungsvollen Klängen unterlegt war, sangen alle das Danklied mit umgeschriebenem  Text zur bekannten Melodie mit der Aufforderung: „Und dann die Hände zum Himmel – komm lasst uns fröhlich sein … und keiner ist allein“.  Hannelore Nowacki

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