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  • Di., 13. April 2021, 08:54 Uhr
    GESUNDHEITSSYSTEM: Protestaktion für bedarfsgerechte Personalausstattung am Kreiskrankenhaus Bergstraße

    „Uns reichts, Herr Spahn“ – „PPR 2.0 jetzt“

    Beschäftigte des Kreiskrankenhauses Bergstraße forderten bei ihrer Foto-Aktion mit dem Slogan „UNS REICHTS, HERR SPAHN“ und „PPR 2.0 JETZT!“ eine bedarfsgerechte Personalausstattung. Foto: Hannelore Nowacki


    HEPPENHEIM – Einen weiten Bogen spannten die Beschäftigten des Kreiskrankenhauses Bergstraße am Montag mit ihrer Forderung „Uns reichts, Herr Spahn“ – „PPR 2.0 jetzt“. Hinter jedem Buchstaben eine Pflegekraft, eine Foto-Protestaktion ohne laute Töne und mit viel Abstand, aber mit Nachdruck. Die Gewerkschaft Verdi hatte bundesweit zur Foto-Aktion aufgerufen, genau zu der Zeit, als im Bundestag die Anhörung zum „Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung“ stattfand. Woran sich die Kritik entzündet? Im aktuellen Gesetzentwurf ist erneut keine bedarfsgerechte Personalbemessung vorgesehen. Und das, obwohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) immer wieder zugesagt habe für Entlastung zu sorgen, beklagen auch Betriebsrat und Beschäftigte des Kreiskrankenhauses. „Schon seit Jahren machen wir darauf aufmerksam, dass Personal fehlt, doch bis auf Versprechungen kommt nichts in den Kliniken an“, erklärte die Betriebsratsvorsitzende Kirsten Knecht und ihre Stellvertreterin Nicole Edinger ergänzte zur derzeitigen Orientierung an der Personaluntergrenze: „Wenn man möchte, dass mehr Leute den Pflegeberuf erlernen und nicht wieder gehen, dann brauchen wir Stellen nach Bedarfsorientierung“. Rayk Oemus, Leiter der Pflege- und Funktionsbereiche am Kreiskrankenhaus, beschreibt die Lage: „Unsere Patienten können nicht so versorgt werden, wie es sein sollte und die Kolleginnen und Kollegen gehen unzufrieden nach Hause – es kommt auf die Rahmenbedingungen an“. Alles, was das Kreiskrankenhaus als Arbeitgeber tun könne, werde getan: „Aber von staatlicher Seite muss Unterstützung kommen, als Arbeitgeber sind die Möglichkeiten begrenzt“. Andernfalls sei zu befürchten, dass die Flucht aus der Pflege nach der Pandemie noch zunehme. „Deshalb brauchen wir die PPR 2.0 – jetzt“. Zum Thema Helden legte der Leiter der Pflege im Gespräch mit dem TIP Wert auf die Feststellung: „Wir sind keine Heldinnen und Helden, die Pflegefachkräfte machen eine anspruchsvolle, zum Teil eine hochspezialisierte Arbeit, sie brauchen eine adäquate Personalbemessung, auch für ihre Work-Life-Balance“. Denn Held sei man nur eine gewisse Zeit, das sei nicht von Dauer. „PPR 2.0“ bringt die Forderung der Beschäftigten abgekürzt auf den Punkt: Die aktuell geltende Personalausstattung nach der „Pflegepersonal-Regelung“ (PPR) soll ersetzt werden durch ein neues Instrument zur Personalbemessung. Im Verdi-Flugblatt heißt es, das Gesetz sei Spahns letzte Chance, diese Versprechungen vor der Bundestagswahl in die Tat umzusetzen. Doch Spahn spiele auf Zeit. Bereits seit über einem Jahr liege die PPR 2.0 vor, ein Instrument, das die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat (DPR) und die Gewerkschaft Verdi auf Anforderung von Gesundheitsminister Spahn erarbeitet hatten. Zudem habe Spahn Verdi, DKG und DPR aufgefordert, gemeinsam mit den Krankenkassen einen Fahrplan für die Entwicklung eines wissenschaftlich fundierten Instruments zur Personalbemessung zu vereinbaren. Doch das dauere mindestens bis 2025, bei ganz unterschiedlichen Interessen. Als Zwischenschritt müsse die PPR 2.0 sofort kommen. Hannelore Nowacki 

    Foto: Hannelore Nowacki

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