SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi informierte sich in Lampertheim über das ehrenamtliche Engagement vor Ort
„Unsere Stadt hat Ehrenamt viel zu verdanken"
Waren sich über die Bedeutung des Ehrenamtes einig: Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht, SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi, SPD-Landratskandidat Gerald Kummer und Marius Schmidt (v.l.). Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM - Hoher Besuch aus Berlin weilte am Mittwoch in der Spargelstadt: Die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi informierte sich in der Zehntscheune über das Ehrenamt vor Ort.
„Lampertheim ist eine der Hauptstädte des Ehrenamtes in der Region", betonte Marius Schmidt für die örtliche SPD zur Einführung. „Statistisch gesehen ist jeder Lampertheimer in einem Verein vertreten." „In Lampertheim gibt es 209 Vereine mit insgesamt 27.000 Mitgliedern", ergänzte Bürgermeister Gottfried Störmer. „Früher wurde mehr aus der öffentlichen Hand finanziert, heute geschieht dies häufig aus dem Ehrenamt heraus, seien es der Seniorenbeirat oder die LA 21. Wir sind über diese Entwicklung in Lampertheim heilfroh, denn unsere Stadt wäre ohne dieses ehrenamtliche Engagement ärmer."
„Ich bin gespannt, wie es Ihnen gelingt, das Ehrenamt so beeindruckend zu fördern und zu betreiben", freute sich die SPD-Generalsekretärin auf eine spannende Diskussion. In dieser erläuterten Vertreter von Seniorenbeirat, dem künftigen Behindertenbeirat, des Koordinierungsausschusses für die Flüchtlinge, der LA 21, Selbsthilfegruppen und der Kommunalpolitik ihre Erfahrungen mit dem Ehrenamt vor Ort. SPD-Landratskandidat Gerald Kummer versicherte den Anwesenden Vertretern der Vereine, Selbsthilfegruppen und Beiräte, „dass mir das Ehrenamt sehr am Herzen liegt. Denn dieses macht die Gesellschaft aus, dies muss die Politik viel stärker herausstellen. Aber ich bin auch in Sorge: Was machen wir, um das Ehrenamt zu erhalten? Bei vielen Vereinen habe ich erfahren, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich engagieren wollen, gerade in der Vorstandsarbeit. Wir dürfen das Ehrenamt nicht überfordern - dieses unterstützt die Gesellschaft, es kann und darf das Hauptamt aber nicht ersetzen." Und mit Blick auf die Finanzsituation fügte er hinzu: „Die finanziellen Bedingungen für das Ehrenamt müssen auch künftig vorhanden sein. Denn das Leben findet vor Ort in den Vereinen statt."
Petra Brandt vom künftigen Behindertenbeirat legte den Finger in die Wunde: „In Lampertheim ist bereits viel geschehen, Bordsteine wurden abgesenkt, an großen Kreuzungen gibt es ein Behindertenleitsystem. Aber: Außer der Zehntscheune gibt es keinen Versammlungsraum, der für mehrere Elektrorollstühle geeignet ist." Mit Blick auf das benachbarte Rheinland-Pfalz lobte sie die dortige Unterstützung und das Mitspracherecht der Behindertenbeiräte. Dies sei in Hessen leider nicht so, hier herrsche akuter Handlungsbedarf, um die Bremsen und Blockaden - gerade auch in den Köpfen - zu beheben.
Emotional wurde die Diskussion rund um die Unterbringung der Flüchtlinge. Hier kritisierten Fahimi, Kummer und die SPD-Bundestagsabgeordnete Christine Lambrecht einhellig die Grünen. „Diese kommen immer mit der hohen Moral, aber in der hessischen Landesregierung setzen sie ihre Ziele in kleinster Art und Weise um", so Fahimi. „Wo die Union in Deutschland regiert, soll das Thema Flüchtlingsunterbringung bewusst gegen die Wand gefahren werden. Hier entsteht sozialer Sprengstoff, der vermeidbar wäre."
„30 Prozent der Kosten für die Flüchtlinge bleiben an den Kommunen hängen", ergänzte Kummer. Dies sei bei den derzeit steigenden Flüchtlingszahlen für die Kommunen fatal. „Auch die Möglichkeit für die Teilhabe an der Gesellschaft muss gesichert werden, um Integration zu erreichen. Dazu bedarf es hauptamtlicher Begleiter, das Ehrenamt stößt hier an seine Grenzen. Leider ist die Landesregierung in diesen Punkten beratungsresistent - besonders die Grünen."
Einig waren sich abschließend alle Anwesenden, dass das Ehrenamt gestärkt werden müsse. „Ohne finanzielle Unterstützung ist das Ehrenamt aber nicht möglich", gab Hüttenfelds Ortsvorsteher Karl-Heinz Berg der SPD-Generalsekretärin mit auf den Weg. Diese dankte für die ausführlichen Informationen und betonte, dass auf allen politischen Ebenen entscheidend sei, „das Ehrenamt ernst zu nehmen." Benjamin Kloos