VOLKSTRAUERTAG: Bürger und Vereine gedenken der Opfer der beiden Weltkriege
"Unsere Verantwortung gilt dem Frieden"
Am Kriegerdenkmal im Lampertheimer Stadtpark gedachte man der Opfer der beiden Weltkriege. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – „Wir gedenken heute der Opfer von Gewalt und Tod“, eröffnete Pfarrerin Kaja Kaiser ihre Rede zur Kranzniederlegung zum Volkstrauertag am Kriegerdenkmal im Lampertheimer Stadtpark. Der Katholische Kirchenmusikverein und der Männerchor des MGV 1840 Lampertheim hatten die Zuhörerinnen und Zuhörer zuvor musikalisch einfühlsam auf diese Gedenkstunde eingestimmt, zu der in diesem Jahr ungewöhnlicherweise die Stadt Lampertheim geladen hatte. Der Sozialverband VdK hat in der Ortsgruppe Lampertheim derzeit keinen Vorstand, sodass keine Einladung ausgesprochen werden konnte. Auch die Ansprache aus dessen Reihen musste daher ausfallen.
Pfarrerin Kaiser fing dies aber mit ihrer zum Nachdenken anregenden Rede überzeugend auf: „Wir gedenken der Soldaten, die in den Weltkriegen starben und derer, die verfolgt und getötet wurden, weil sie einem anderen Volk angehörten, einer anderen Rasse zugeordnet wurden, Teil einer Minderheit waren, an ihrem Glauben oder ihrer Überzeugung festhielten oder Widerstand leisteten.“ Mühelos gelang es Kaiser, all das auf das Hier und Jetzt zu projizieren und dessen Aktualität ins Bewusstsein zu rufen. Kriege, Terrorismus, Extremismus, Rassismus und Antisemitismus sind Themen unserer Zeit. Auch auf deren Opfer lenkte Kaiser die Aufmerksamkeit.
„Aber unser Leben steht im Zeichen der Hoffnung auf Versöhnung“, lenkte die Pfarrerin den Blick auf die Möglichkeiten, sich dieser negativen Entwicklung entgegenzusetzen. „Unsere Verantwortung gilt dem Frieden unter den Menschen.“ In der Bibel heißt Frieden „Schalom“. Noch heute begrüßen und verabschieden sich Jüdinnen und Juden mit diesem Wunsch. „Schalom“ bedeute jedoch noch viel mehr als nur Friede: Es soll dir gut gehen – an Körper, Geist und Seele. Manchmal werde aus der Begrüßung „Schalom“ sogar die Frage: Was ist dein Schalom – was verhilft dir heute zu innerem Frieden?
Selbst an so trüben Novembertagen wie jetzt, könne man – wenn man sich nur recht bemühe – etwas finden, was einem inneren Frieden – was einem zum Lächeln bringt, so die Geistliche. Vielleicht könne man sogar dazu beitragen, dass das „Schalom“ seiner Mitmenschen ein bisschen wächst. Natürlich könne man damit nicht die großen Probleme der Welt lösen, ist sich Kaiser bewusst, aber im Kleinen könne man seinen ganz persönlichen Beitrag dazu leisten: „Shalom verbindet uns – miteinander und mit Gott.“ Nadine Schütz