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Di., 25. August 2020, 15:00 Uhr
Beratungsstelle in der Blücherstraße stellt Jahresbericht und Arbeitsschwerpunkte vor
Unterstützung bei der Herausforderung des Erziehungsalltages
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz und der Leiter der kreiseigenen Beratungsstelle Frank Occhionero (v.r.) stellten den Jahresbericht der Beratungsstelle in der Blücherstraße vor. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Die Beratungsstelle in der Blücherstraße 26 ist eine bekannte Adresse in Lampertheim und in der Riedregion, viele Menschen haben hier Rat und Hilfe gefunden. Der Leiter der Beratungsstelle Frank Occhionero sowie die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz stellten am Dienstag den Jahresbericht 2019 vor und erläuterten die Neuheiten in der Arbeit dieser wichtigen Einrichtung.
„Unser wiederkehrendes Gruppenangebot für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien haben wir im vergangenen Jahr konzeptionell weiterentwickelt und altersentsprechend weiter differenziert”, so Frank Occhionero zu Beginn des Pressegesprächs. Darüber hinaus stellte er eine der wesentlichsten Änderungen vor: „Bislang waren unsere aufsuchenden Angebote wie Beratung in Kindertagesstätten sowie Beratung in der Schule durch Honorarkräfte erbracht worden. Beide Angebotsformen wurden im Jahresverlauf in die Hände der festangestellten Mitarbeiter der Beratungsstelle überführt und die Honorarmittel für eine neu geschaffene Stelle umgewandelt. Wir bedanken und bei den langjährigen Honorarkräften Christine Baumgärtner, Inge Bonfert, Renate Dubbert, Christiane Ohmer-Zidek und Ayse Sacar und begrüßen Mika Schüßler als neues Teammitglied. Mit Beginn des Schuljahres 2019/2020 sind die Beratungsstellen im Rahmen des Schulsozialarbeiterkonzeptes des Kreises für die Gymnasien ansprechbar. Derzeit betreuen wir zwölf Kindertagesstätte sowie das Lessing-Gymnasium.” Eine weitere Personalie des neunköpfigen Teams: Zum 1. April 2019 hatte Jochen Schanz die Nachfolge von Heidi Lißner im Bereich der Ehe-, Familien- und Lebensberatung angetreten.
Ein neu zu entwickelndes Thema war für das Team der Beratungsstelle die Arbeit mit Pflegekindern und ihren Familien. Hier kooperiert die Beratungsstelle mit dem Pflegekinderdienst des Jugendamtes. Die Beratungsstelle berät alle Familien und Kinder, die in „Familien” leben, wobei es keine Rolle spielt, ob die Kinder, um die es sind handelt, in der Ursprungsfamilie oder in einer Pflegefamilie leben. Seit Anfang 2019 unterstützt die Beratungsstelle zudem den Pflegekinderdienst mit einem Beratungsangebot für Pflegeeltern. Die Beratung richtet sich nach dem individuellen Bedarf. Auch für Herkunftseltern –gemeint sind die Eltern, die zeitlich befristet oder auf Dauer nicht mit ihren leiblichen Kindern im selben Haushalt leben können oder dürfen – wurde ein Gruppenangebot eingerichtet.
Im Ried für Familien da
Die Beratungsstelle arbeitet im Einzugsbereich der Riedregion des Kreises Bergstraße für die Menschen der Städte und Gemeinden Lampertheim, Viernheim, Bürstadt, Biblis und Groß-Rohrheim. Die Anmeldung erfolgt telefonisch oder persönlich zu den Öffnungszeiten. Der Leiter der Beratungsstelle Occhionero gab einen Überblick über die Angebote, die sich an Familien, Eltern, Kinder, Jugendliche, Paare und Einzelpersonen richten. Darüber hinaus gebe es Gruppenangebote für Kinder aus Trennungs- und Scheidungsfamilien, mit Jugendlichen und Erwachsenen. „Wir arbeiten mit persönlichen Terminvereinbarungen. In dringenden Fällen werden nach telefonischer Voranmeldung Krisengespräche – ohne Berücksichtigung der Warteliste – umgehend angeboten”, stellte Frank Occhionero klar. „Grundprinzipien unserer Arbeit sind die Freiwilligkeit der Teilnahme sowie die Vertraulichkeit und Schweigepflicht. Die Erziehungsberatung ist gebührenfrei, die Ehe- und Lebensberatung wird aus Kirchenmitteln finanziert.”
Im Bereich der Erziehungsberatung gab es im Jahr 2019 insgesamt 619 Fälle, davon 101 in der Außenstelle Viernheim, alle anderen in Lampertheim. Dies sei ein leichter, aber kein beunruhigender Anstieg zum Vorjahr. Der größte Teil der Klienten kommt aus der Riedregion, wobei 42 Prozent aus Lampertheim stammen, gefolgt von Viernheim mit 24 Prozent, Bürstadt mit 17 Prozent, Biblis mit 8 Prozent sowie Groß-Rohrheim mit 4 Prozent. Schwerpunkt der Beratungen sind mit jeweils 33 ProzentErziehungsfragensowie Beratungen in Zusammenhang mit Trennung und Scheidung, bei 11 Prozent der Fälle geht es um emotionale Probleme der Kinder und Jugendlichen. Am häufigsten ist dieklassische Familie mit 49 Prozent in der Beratung vertreten, 35 Prozent sind Alleinerziehende. Auch im vergangenen Jahr meldeten sich deutlich mehr Mütter als Väter bei den Beratungsstellen – „wir können die Väter aber bei den Gesprächen dann häufig mit einbinden”, erläuterte Frank Occhionero.
„Prävention, die mir am Herzen liegt”
„Wir haben insgesamt drei Erziehungsberatungsstellen im Kreis. Dies ist ein Angebot, das seit vielen Jahren besteht und sehr niedrigschwellig ist — anonym und kostenlos. Die Beratungsstellen zählen für mich zum Präventionsangebot, welches mir sehr am Herzen liegt. Denn es stärkt die Familie und schütze Kinder und Jugendliche und verhindert möglicherweise schlimmeres”, betonte die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz. „Wir arbeiten daran, das Angebot ständig auszubauen und neuen Bedürfnissen anzupassen.” Nicht nur, aber besonders auch im Bereich der Pflegekinder sieht die Gesundheitsdezernentin „eine Verpflichtung, all jene zu unterstützen, die Verantwortung für andere übernehmen. Gerade die Bereitschaftspflege ist eine große Herausforderung, es ist wichtig, dass wir hier Unterstützung geben. Zudem müssen wir Familien so stärken, dass auch Herkunftseltern wieder in der Lage sind, ihre eigenen Kinder betreuen und erziehen zu können.” Ergänzend zu den Erziehungsberatungsstellen sei darüber hinaus die Säuglingsberatung wichtig. Diese wird im gesamten Kreis – auch in Lampertheim – angeboten, nähere Infos hierzu finden sich auf der Internetseite des Kreises, www.kreis-bergstrasse.de, unter dem Punkt „Frühe Hilfen”. „Wer das Gefühl hat, dass die Familiensituation belastet ist, kann sich gerne an die Frühen Hilfen und die Beratungsstellen wenden – lieber zu früh als zu spät”, so Diana Stolz abschließend. Benjamin Kloos