REGENTROPFEN-LÄDCHEN: Angebot der evangelischen Kirche in der Backhausstraße hat wieder geöffnet
Unterstützung für Kinder- und Jugendprojekte
Im Regentropfen-Lädchen der evangelischen Kirchengemeinde Hofheim können nun wieder mittwochs und freitags Holzartikel erworben werden. Foto: Petra Gahabka
HOFHEIM – „Wir dürfen aufmachen, also machen wir das auch“, sagt Sigrid Ott vom Regentropfen-Lädchen der evangelischen Kirchengemeinde Hofheim, in dem jetzt wieder zu den gewohnten Zeiten, mittwochs und freitags, Holzartikel erworben werden können. Mit den Einnahmen werden Kinder- und Jugendprojekte in Argentinien, Indien, Afrika und der Dominikanischen Republik unterstützt.
Wer den Laden in der Backhausstraße 5 betritt, muss einen Mund-Nasenschutz tragen, sich die Hände desinfizieren und ausreichend Abstand halten. Der Raum darf nur einzeln oder mit einer im Haushalt lebenden Person betreten werden. Zu den Corona-Regeln gehört auch, dass es keinen Kaffee und Kuchen mehr gibt. Das Team, das sich um den Verkauf kümmert, besteht aus einem Dutzend Ehrenamtlicher. Alle sind im Rentenalter und gehören somit zur Risikogruppe. „Man muss jeden fragen. Wir sind halt alle schon ein bisschen älter, da muss man ab- und zugeben“, sagt Ott, die aktuell die Stellung hält. Die Kundschaft sei noch zurückhaltend, es müsse sich wohl erst im Ort rumsprechen, dass wieder geöffnet ist.
In den Regalen reihen sich Namenspuzzle, Engel und Teelichthalter aneinander, größere Holzobjekte stehen auf dem Boden. Hergestellt werden die Dekoartikel in der Regentropfen-Werkstatt in der Begegnungsstätte Haus Billau, wo verschiedene Gruppen sich wöchentlich zum Werkeln treffen – bis Anfang März zumindest. Die Werkstatt gibt es mittlerweile seit 38 Jahren, so lange unterstützen die „Holzwürmer“ schon Kinder- und Jugendhilfsprojekte im argentinischen Jujuy finanziell. Die 280.000-Einwohner-Stadt in den Anden ist mit großen sozialen und wirtschaftlichen Problemen konfrontiert, Tausende von Menschen leben in ausgedehnten Elendsvierteln. Im Kinderheim Hogar del Sol und in der Tagesstätte Arca de Noé kümmern sich Mitarbeiterinnen der Bensheimer Christusträger-Schwesternschaft, eine evangelische Kommunität, um bedürftige Kinder und deren Familien.
Wie die aktuelle Corona-Situation in Argentinien ist, davon zeugen Briefe, die die Schwestern jeden Monat schicken. Im letzten heißt es: „Die Regierung ergriff absolut strikte Maßnahmen und bevor in Deutschland die Schulen geschlossen wurden, waren sie hier schon zu und die Bevölkerung unter Hausarrest“. Die Menschen hielten sich ziemlich an die strengen Vorschriften, und in dem dünnbesiedelten Gebiet sei die Ansteckungsgefahr nicht so groß wie in den Städten. Dies habe zur Folge, dass es seit Wochen keine Neu-Infizierten mehr gebe und langsam Lockerungen eingeführt würden. „Doch immer noch sind die Schulen geschlossen, auch unsere Kita“. Für die Familien, die jetzt meist kein Einkommen hätten, würden einmal pro Woche Lebensmittel verteilt. Im Kinderheim lebten die Heimfamilien „wie auf einer Insel“, es dürfe niemand rein oder raus. „Die Kinder können nicht zu ihren Angehörigen, entweder weil sie keine mehr haben oder weil das Jugendamt sie zu ihrem Schutz aus den Familien genommen hat“.
„Die Schwestern wissen, dass es jedes Jahr von uns Geld gibt und rechnen damit“, erzählt Sigrid Ott. Die Einnahmen der letzten zwei Monate fehlen, das Ostergeschäft ist ausgefallenen. Doch jetzt kann im Lädchen mittwochs und freitags von 15 bis 18 Uhr wieder eingekauft und bestellt werden. Auch bei der Regentropfen-Werkstatt tut sich etwas. „Wir wollen es demnächst langsam angehen lassen, dass man sich wieder trifft unter Beachtung der vorgeschriebenen Auflagen“, sagt Karl-Heinz Jakob auf Anfrage des TIP. Petra Gahabka