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  • Do., 28. November 2013, 09:41 Uhr
    Bürgerinformation: Deichsanierung verzögert durch Witterung und Hochwasser / Schlagkräftig im Notfall / Mitte Dezember bis März oder April ruhen Arbeiten

    Unzufriedene Anwohner und Landwirte melden sich zu Wort

    Eine Vielzahl von Experten hielt sich für die Fragen der Bürger bereit. Bürgermeisterin Dr. Hildegard Cornelius-Gaus begrüßte die Bürger und den Dezernatsleiter Staatlicher Wasserbau Wolfgang Zwach. Foto: Hannelore Nowacki


    BIBLIS –  Das Deichsanierungsprojekt an der Weschnitz hat bisher schon die Nerven vieler Bürger strapaziert, Schäden an Wohnhäusern wurden festgestellt und sollen behoben werden, die Lagerplätze für Baumaterial und der Baustellenverkehr sorgten für Unmut der Anlieger. Und dann das Hochwasser Ende Mai, Anfang Juni dieses Jahres. Fast wäre die Weschnitz den Deich überspült - auf einem Streckenabschnitt von 500 Metern reichte das Wasser bis 80 Zentimeter an die abgetragene Deichoberkante heran. Auch dieses Thema erzürnte so manchen Bürger, wie sich bei der Informationsveranstaltung der Staatlichen Wasserbau-Behörde am Dienstagabend im Bürgerzentrum zeigte. Für Ärger bei einigen Bürgern sorgen auch weitere Maßnahmen im Zusammenhang der Deichsanierungsarbeiten, die sich in der Veranstaltung zu Wort meldeten.

    So wird bemängelt, dass einige Übergange und Wege nach den Bauarbeiten nicht mehr zur Verfügung stehen. An die hundert Bürger nahmen an der über zweistündigen Bürgerinformation teil. Das Dezernat Staatlicher Wasserbau unter der Leitung von Diplom-Ingenieur Wolfgang Zwach  informierte über den Stand der baulichen Umsetzung der Weschnitzdeichsanierung rechts (WDR), den Stand der Planungen am Weschnitzdeich links (WDL) sowie den Stand der Baufeldfreistellung, die mit einer Unternehmensflurbereinigung verbunden ist. In ihren Begrüßungsworten dankte Bürgermeisterin Dr. Hildegard Cornelius-Gaus noch einmal allen Kräften, die beim Hochwasser geholfen hatten: „Das zeigte wie schlagkräftig wir im Notfall sein können“. Der Hochwasserschutz im hessischen Ried rund um Biblis, Wattenheim, Nordheim und Hofheim wird verbessert, das Land Hessen gibt dafür 40 Millionen Euro aus.

    Unter der Regie des  Dezernats Staatlicher Wasserbau beim Regierungspräsidium Darmstadt arbeiten mehrere Firmen sowie das Amt Bodenmanagement in Heppenheim zusammen, deren Vertreter das Deichsanierungsprojekt erläuterten und für Fragen zur Verfügung standen. Am Weschnitzdeich rechts (WDR) sind auf einer Gesamtlänge von 8,2 Kilometern umfangreiche Arbeiten auszuführen. Thomas Schönrich (BGS) berichtete im Detail von den baulichen Herausforderungen. So wurden für die einen Kilometer lange Spundwand Bohlen etwa zwölf Meter tief im Boden versenkt und Dichtwände auf drei Kilometern Länge mit einer Gesamtfläche von 17.000 Quadratmetern verbaut. Der Deichabschnitt WDR I sei abgeschlossen und abgenommen, im Abschnitt II gehe es noch um Restarbeiten, die Beweissicherung für Entschädigungen und Ansaat. Die Abnahme soll möglichst noch in diesem Jahr erfolgen. Im Deichabschnitt III seien Spezialtiefbau- und Erdarbeiten abgeschlossen, die Ausgleichsmaßnahmen schon sehr weit vorangekommen.

    Von Juni 2012 bis November 2013 habe die Bauleistung 3,5 Kilometer betragen, im Jahr 2014 stehen 4,7 Kilometer an. Die Bauverzögerung gegenüber Plan betrage etwa 3 Monate, bedingt durch den langen Winter, die Niederschläge im Frühjahr und das Hochwasser im Mai und Juni. Schönrich wies auf einen bauvertraglich festgelegten Alarm- und Einsatzplan hin, durch den man auf das Hochwasser vorbereitet gewesen sei. „Wir haben alle aus der Erfahrung gelernt“, räumte er ein, doch „es war zu keiner Zeit kritisch, wir hatten immer ausreichende Deichhöhen“. Eine Aussage, die aus dem Publikum gekontert wurde: Nur durch den Einsatz von Freiwilligen Feuerwehren, THW, DRK weiteren Hilfskräften sei nicht mehr passiert.

    Ab  Mitte Dezember bis März oder April werden die Arbeiten ruhen. Die  Weschnitzdeichsanierung links (WDL) mit Deichababschnitt I beginnt am Pumpwerk Augieß  im Steinerwald bis zur Wattenheimer Brücke (bis Ende 2016) und setzt sich mit Abschnitt II fort bis zur Bürstädter Brücke (2015 bis 2017). Der letzte Abschnitt WDL Z soll zwischen Mitte 2016 und Ende 2018 realisiert werden. Insgesamt sind bei WDL 7,2 Kilometer Weschnitzdeiche und 2 Kilometer Rheinwinterdeiche zu sanieren. Fünf Brücken wurden bereits gebaut und Hochspannungsmasten versetzt. 10 Kilometer Baustraßen werden gebraucht. Straßen- und Bahnanschlüsse sowie 35 Leitungsquerungen sind zu bewältigen. Ein Problem sind die gemeinsam mit Landwirten genutzten Wege, wie bei den Fragen deutlich wurde. Werden die Wege wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt? Diese Frage eines Landwirts bejahte Dezernatsleiter Zwach.

    Andere gewohnte Wege, die Fußgänger gerne nutzten, entfallen zukünftig, da die Bahn die Flächen nicht mehr für ihren Betrieb benötige. Die Gemeinde Biblis müsste 100.000 Euro dafür aus eigenen Mitteln aufwenden. Das Amt für Bodenmanagement wird Eigentümer und Pächter anschreiben, um benötigte Flächen für die Bauarbeiten zu erwerben und Flurbereinigungsmaßnahmen durchführen. Bürger, deren Fragen nicht vor Ort beantwortet werden konnten, erhalten eine schriftliche Mitteilung. Am 13. Dezember findet mit der Bürgermeisterin ein Gespräch zum Thema Deichsanierung statt, an dem die beteiligten Behörden, Firmen und betroffenen Landwirte teilnehmen.

    Hannelore Nowacki

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