Stiftung ACEV stellen das Väter-Unterstützungsprogramm im Kreis Bergstraße vor
Vater sein ist schön
Von links: Brigitte Paddenberg, Ausländerbeauftragte des Kreis Bergstraße, Karin Maliske, Lernmobil e.V., Projektkoordinatorin „Vater sein ist schön“, Brigitta Eckert, Lernmobil e.V., Pädagogische Leiterin, Thomas Metz, Erster Kreisbeigeordneter des Kreis Bergstraße, Serkan Kahyaoglu, Istanbul-Stiftung ACEV, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer, Dilek Ozmen, IstanbulStiftung ACEV, Walter Keuker, Zweiter Vorsitzender Lernmobil. Foto: oh
KREIS BERGSTRASSE – Vater sein ist schön – aber auch nicht die einfachste Aufgabe. Die Erwartungen an Männer und ihre Rolle als Väter haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grundlegend gewandelt. War noch vor wenigen Jahren vorrangige Aufgabe der Männer, als Ernährer für die materielle Sicherheit der Familie zu sorgen, so wird von Vätern heute eine praktische Beteiligung in Erziehungsfragen erwartet und gewünscht. Viele Väter sehen hierin eine Chance für sich und die Beziehung zu ihren Kindern. „In Kürze werde ich heiraten und möchte gerne Kinder haben. Ich will wissen, wie ich von Anfang an alles so richtig wie möglich machen kann“, so Erkin. Vätern wie Erkin zum einen mehr Sicherheit im Umgang mit ihren Töchtern und Söhnen zu geben und zum anderen den Erfahrungsaustausch mit anderen Vätern zu ermöglichen, ist Ziel eines neuen Projektes des Vereins Lernmobil.
Das besondere an dem Projektansatz: in Zusammenarbeit mit der international renommierten Stiftung ACEV, mit Sitz in Istanbul, werden Multiplikatoren aus der Region, mehrheitlich mit Migrationserfahrung, ausgebildet, die wiederum im nächsten Schritt Vätergruppen anleiten sollen. Ein wichtiges Thema in diesen zehnwöchigen Väter-Seminaren ist, wie Erziehung im Spannungsfeld von Wahrung der Herkunftskultur und Anpassung an die Aufnahmegesellschaft, Stichwort z.B. mehrsprachige Erziehung, gestaltet werden kann. Weitere Inhalte der Väterseminare sind die Reflexion eigenen Erziehungsverhaltens, die Auseinandersetzung mit Erziehungszielen und Erziehungsstilen, die Bedeutung von Freundschaften und Peer Groups für Kinder, Informationen über die körperliche, sozial-emotionale und kognitive Entwicklung von Kindern oder die Unterstützung des Bildungsweges von Kindern in der Kindertagesstätte und in der Schule.
Unterstützung erhält der Verein Lernmobil bei seinem Vorhaben auch vom Kreis Bergstraße. So ließen es sich Serkan Kahyaoglu, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Stiftung ACEV und Dilek Ozmen nicht nehmen ihre Stiftung und besonders das Konzept des Väter-Unterstützungsprogramms persönlich dem Ersten Kreisbeigeordneten Thomas Metz vorzustellen. Beide halten sich mit zwei weiteren Mitarbeitern der Stiftung derzeit im Kreis Bergstraße auf, um die 1. Phase der Ausbildung der zukünftigen Leiter der Vätergruppen durchzuführen. In dem angeregt geführtem Austausch wurde schnell deutlich, dass das Grundanliegen in beiden Ländern ähnlich ist. Bildungsinstitutionen können Kinder dann am wirksamsten fördern, wenn Eltern ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen, sie Unterstützung erfahren und eine Erziehungspartnerschaft zwischen gleichberechtigten Partnern zustande kommt. Thomas Metz: „Wir wollen die in jedem Kind vorhandenen Potentiale gemeinsam mit den Eltern fördern. Den Ansatz, Väter mit in den Blick zu nehmen, halte ich für sehr erfolgversprechend“. Der erste Väterkurs hat bereits Anfang Dezember in Viernheim begonnen. Weitere sind in den kooperierenden Kommunen Bensheim, Heppenheim, Lampertheim und Wald-Michelbach geplant.
In der Türkei konnten in den vergangenen Jahren bereits über 50.000 Väter für die Seminare begeistert werden. Hilfreich ist dort die enge Zusammenarbeit mit Schulen; viele Lehrer sind selber als Trainer von Väterkursen aktiv. Serkan Kahyaoglu erhofft sich von der Implantierung des Väter-Unterstützungsprogramms in Deutschland auch Impulse für die Weiterentwicklung des Programms in der Türkei. Beindruckt zeigte er sich von der ethnischen und kulturellen Vielfalt der Bergsträßer Bevölkerung und die vielfältigen Angebote, Integrationsprozesse zu fördern. „Respektvoller Umgang mit Vielfalt“ wurde von ACEV gerade als ein übergeordnetes Leitziel in die Weiterentwicklung der Konzeption aufgenommen. zg