
LAMPERTHEIM – Wasser ist unzweifelhaft ein kostbares Gut. Ein verantwortlicher Umgang sollte selbstverständlich sein. Verschwendungen zum Nachteil von Menschen und der Umwelt gilt es generell zu vermeiden. Im Sommer bei hitzigen Temperaturen im von der Landwirtschaft geprägten Ried, wirft das durchaus kritische Fragen auf. Entspricht die Bewässerung von landwirtschaftlichen Flächen durch sogenannte Wurfregner auch in der mittäglichen Gluthitze noch einem nachhaltigen Umgang mit einer knappen Ressource?
Ein TIP-Leser berichtete von seinen Eindrücken im Bereich Boveri-Brücke/Rosengarten/Schießhof anlässlich einer Fahrrad-Tour. Rund 50 Wurfregner seien gegen 13 Uhr bei über 30 Grad in Betrieb gewesen. „Muss das sein?“. Wurfregner sollen unter den Beregnungsarten für einen hohen Wasserverlust bekannt sein. „Liebe Landwirte, das Wasser, welches ihr heute vergeudet, wird euch morgen fehlen. Nicht nur euch, sondern uns allen! Wir bitten euch um einen nachhaltigeren Umgang mit der wertvollsten Ressource“, formuliert der Lampertheimer seinen Appell. Da Landwirte gerne ihre Naturnähe, wie auch den schonenden Umgang mit Ressourcen betonen, sieht der Lampertheimer Bürger Handlungsbedarf, wobei die Beregnung nicht infrage gestellt wird, aber die Notwendigkeit, dies in der prallen Mittagssonne zu tun.
Verbrauch freiwillig reduziert – Grundwasserstände stabil
„Die Landwirtschaft braucht Wasser zur Erzeugung von Lebensmitteln“, stellt Dr. Willi Billau, Vorstand und Sprecher des Regionalbauernverbandes Starkenburg, grundsätzlich klar. „Wir haben uns in Lampertheim zusammengesetzt und entschieden, nur 85 Prozent unserer Wasserrechte zu verbrauchen, um für Extremjahre Reserven zu haben“, betont Billau. Die Landwirte hätten also beim Wasserverbrauch generell die Nachhaltigkeit im Blick. Nicht jede Kultur sei jedoch für die Tropfberegnung geeignet. Auch notwendige Rohrberegnungen könnten sparsam eingesetzt werden, erläutert der Sprecher. Großflächenregner würden nunmal große Flächen abdecken, seien jedoch windempfindlich. Ein Wirkungsgrad von 100 Prozent sei nicht zu erreichen. Wartezeiten bei der Wasserversorgung seien in der Hauptsaison problematisch, Beregnungspausen in der Mittagszeit daher keine Option. Schließlich müsse jeder Landwirt sein Pensum an Arbeit bewältigen.
Mit den Mitteln aus dem EU-Landwirtschaftshaushalt sei in den 80er Jahren eine Infiltrationsanlage in Biebesheim gebaut worden. Rheinwasser wird dort zu Trinkwasser von hoher Qualität aufbereitet. Das versickere in den Riedforsten, informiert Dr. Billau. Damit sei gewährleistet, dass die Grundwasserstände trotz der zurückliegenden Trockenjahre stabil gehalten wurden. „Das ist unser großer Vorteil im Ried“, konstatiert Dr. Wili Billau. (Die Kapazität der Biebesheimer Anlage beläuft sich auf fünf Millionen Kubikmeter Wasser jährlich zur landwirtschaftlichen Beregnung und 38 Millionen Kubikmeter zur Grundwasseranreicherung. Quelle: Wasserverband Hessisches Ried) Natürlich sei es am besten in der morgendlichen Kühle zu beregnen. „Aber auch in der heißen Zeit müssen alle Bauern ihre Kulturen wässern“, wirbt Billau um Verständnis. Die Landwirte in der Region sehen sich durchaus dem Schutz der Natur und Umwelt verpflichtet, so der Fachmann abschließend.
Wasserrechte kontingentiert – Beregnung aktiver Trinkwasserschutz
Claus Schmitt, Geschäftsführer Beregnungs-, Boden- und Landschaftspflegeverband Hofheim (BBLV), verweist darauf, dass eine Bewässerung so effektiv wie möglich durchgeführt werde. Die Wasserrechte seien zudem durch das Regierungspräsidium begrenzt. Es liege daher im allgemeinen Interesse, das Maximum nie auszuschöpfen. Der BBLV kontrolliere die Entnahme. Alle Stationen seien mit Wasseruhren ausgestattet, ergänzt der Geschäftsführer. Vor jeder Saison erfolgt ein Rundschreiben, im Juni gibt es eine Zwischenmeldung, beschreibt Schmitt das Prozedere. Wer sein Wasserkontingent aufgebraucht habe, müsse im Zweifel auf den Anbau einer Zweitkultur verzichten. Aufgrund der vorteilhaften Lage im Ried gäbe es seitens der Verwaltung keine Anweisung, dass die Wasserentnahme – unabhängig von Tageszeit oder Temperatur – eingeschränkt werden müsse. Im Gegenteil. Claus Schmitt verweist auf die Vorteile für Kulturen, diese auch in der Mittagshitze zu bewässern. Durch die optimalere Verdunstung werde Pilzkrankheiten vorgebeugt. Erfolge die Bewässerung nachts, sei das Risiko höher. Wie der TiP bereits in einer früheren Ausgabe berichtet hatte, gilt eine optimale Beregnung auch als Beitrag zum aktiven Trinkwasserschutz, weil dadurch der Düngerverbrauch reduziert wird.
Steffen Heumann
Hintergrund:
Immer mehr landwirtschaftliche Flächen in Deutschland werden bewässert. Die Niederschläge verschieben sich inzwischen immer häufiger in die Herbst- und Wintermonate, während im Frühjahr und Sommer vermehrt längere Dürre- und Hitzephasen auftreten. Dadurch fehlt den meisten Ackerbau- und Gemüsekulturen gerade in der wichtigsten Wachstumsphase Wasser. Mit einem Anteil von 3,3 Prozent an der gesamten Ackerfläche wird in Deutschland aber im weltweiten Vergleich nach wie vor wenig bewässert. Im globalen Durchschnitt beansprucht die Landwirtschaft fast 70 Prozent des aus dem natürlichen Wasserkreislauf entnommenen Wassers für die Bewässerung. In Deutschland sind es nur rund 2 Prozent. (Quelle: www.landwirtschaft.de)
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