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    STADTENTWICKLUNG: Gut besuchte Bürgerversammlung zur Umgestaltung der Nibelungenstraße Ost / Planungsbüro erhielt viele Anregungen / Baubeginn 2. Quartal 2027

    Viele Eindrücke, lebhafte Diskussionen und hohe Transparenz

    Mit etwa hundert Bürgern war die Bürgerversammlung gut besucht – darüber freuten sich Stadtverordnetenvorsteher Alexander Bauer, der eingeladen hatte, und Bürgermeister Boris Wenz.
    Foto: Hannelore Nowacki

    BÜRSTADT – Groß war das Interesse der Bürger am Thema Umgestaltung und Sanierung der Nibelungenstraße Ost wie sich bei der Bürgerversammlung am Mittwochabend im großen Saal des Bürgerhauses zeigte. Der Einladung des Stadtverordnetenvorstehers Alexander Bauer (CDU) waren nahezu hundert Bürger gefolgt, unerwartet viele, denn die Stuhlreihen wurden schnell noch mit weiteren Stühlen ergänzt. Im Mittelpunkt des Abends stand die Präsentation der aktuellen Planungsvariante, die Carlo Bös vom Planungsbüro Mailänder Consult vorstellte. An den Schautafeln mit den geplanten Teilabschnitten im Bereich der Nibelungenstraße Ost verschafften sich viele Besucher schon vor Beginn der Bürgerversammlung einen Eindruck und diskutierten lebhaft untereinander. Bauer betonte in seiner Begrüßungsrede, dass die Bürgerversammlung kein formaler Akt sei, sondern ein Forum der Transparenz und Mitgestaltung. Die Bürger Bürstadts sollen bewusst frühzeitig in den Planungsprozess einbezogen werden. Die Beiträge der Bürger würden bei den weiteren Beratungen berücksichtigt. Bauer appellierte an den Bürstädter Gemeinschaftsgeist, Weitblick und Sachlichkeit. Zettel und Stifte lagen bereit, um eigene Ideen und Anregungen auf der Pinwand mitzuteilen. Auch können in der nächsten Zeit noch Anregungen an die Stadt übermittelt werden. Oliver Haberer, Leiter des Quartiersmanagements, kündigte an, dass im Quartiersbüro am Beethovenplatz (Bürgermeister-Siegler-Straße 29) in den Schaufenstern einige Pläne ausgehängt werden, mit der Gelegenheit dienstags von 10 bis 17 Uhr hier Anregungen persönlich abzugeben. 

    Planer Carlo Bös (von links), Stadtverordnetenvorsteher Alexander Bauer, Bürgermeister Boris Wenz und Oliver Haberer vom Quartiersmanagement der Sozialagentur Fortuna waren auf dem Podium.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Planungen nach Protesten zu Straßenentwurf überarbeitet

    Die ursprünglichen Planungen hatten in Bürstadt heftigen Protest und Widerstand erregt, der sich auf Initiative des NABU und in einer Demonstration unter dem Motto „Jeder Baum zählt“ am 9. Oktober 2023 vor Ort Luft machte. Vorgesehen war nach damaliger Planung 35 Bäume an der Nibelungenstraße zu fällen, darunter große und alte Bäume. Kritisiert wurde damals auch, dass das Planungsbüro auf eine schriftliche Stellungnahme des Agenda-Tisches Naturschutz nicht reagiert hatte. Jetzt liegt der überarbeitete Entwurf vor, den Planer Carlo Bös detailreich erläuterte. Am Ende seiner Ausführungen skizzierte Planer Carlo Bös im Ausblick die planungstechnischen und behördlichen Meilensteine: Für den Teilabschnitt III nach dem Bahnübergang vom Freibad bis zum Ortsausgang Richtung Riedrode wird die Entwurfsplanung erstellt, in die Anregungen der Bürger einfließen sollen, eine wasserrechtliche Genehmigung ist erforderlich, bevor der Förderantrag bis Juni 2026 erstellt wird. Nach der Ausführungsplanung und Ausschreibung soll ab 2. Quartal 2027 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Für den später folgenden Teilabschnitt II, bei dem die Deutsche Bahn wegen des Bahnübergangs Forsthausstraße beteiligt ist, wird der Förderantrag bis Juni 2027 gestellt, Baubeginn ab 2. Quartal 2028. 

    Bürgerstimmen zur Umgestaltung

    Auf beengtem Raum zwischen Bahnschienen und Bebauung soll Platz für Fahrradwege und Fahrzeuge geschaffen werden, wobei die Radwege mit Querungen nicht durchgängig in der gleichen Breite verlaufen. Durch Fahrbahnverengungen soll der Verkehrsfluss verlangsamt und das Rasen erschwert werden. Zukünftig werden die Fahrzeuge an den barrierefrei gebauten Bushaltestellen hinter den Bussen warten müssen, bis alle Fahrgäste ein- und ausgestiegen sind – die Busse halten auf den Fahrstreifen. Bei 6,50 Meter breiten Fahrbahnen sehen Landwirte Probleme mit ihren großen Maschinen. Ortslandwirt Richard Schöcker meldete sich in der Fragerunde zu Wort zum Thema Fahrbahnbreite, die mit 6,50 Metern bei Gegenverkehr für die 3,50 Meter breiten Mähdrescher zum Problem werde. Kritik wurde laut, dass in der Anliegerstraße, die weiterhin als Sackgasse konzipiert ist, die Parkplätze und Haltemöglichkeiten am Gehweg entfallen sollen. Es gebe kein Recht aufs Parken vor dem eigenen Haus, machte Bös geltend. An der Einmündung Wasserwerkstraße soll eine Ampelanlage für besseres Durchkommen auf die Nibelungenstraße sorgen. Durch Fahrbahnerhöhung mit umweltfreundlicher Ableitung des Regenwassers im Sinne einer Schwammstadt sollen die Wassermassen gebändigt werden. Sorge bereitet einigen Bürgern die notwendige Sperrung der Nibelungenstraße in der Bauphase, die Frage von Umleitungen steht im Raum. Im Rettungsfall könne jedes Haus erreicht werden, machte Bös deutlich, die Wege würden mit Polizei, Feuerwehr und Rettungsorganisationen abgesprochen. Mit Applaus wurde Planer Carlo Bös verabschiedet. 

    An den Schautafeln machten sich die Bürger ein Bild von der geplanten Umgestaltung.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Bürgermeister Wenz informiert über aktuelle Themen

    „Wir nehmen den Bürgerwillen ernst“, sagte Bürgermeister Boris Wenz nach der Fragerunde und erinnerte an die Demonstration zum Erhalt der Bäume. Für den Wunsch von Bürgern, den LKW-Verkehr auf der Nibelungenstraße und im Ort zu reduzieren, sieht Wenz durch die komplette Sperrung der Nibelungenstraße über viele Monate gute Chancen – die von Hessen mobil ausgeschilderte Umleitung werde zur Umgewöhnung führen. „Unbequem machen“ ist das Zaubermittel, das auch ein Zuschauer ansprach. In seiner ersten Bürgerversammlung seiner Amtszeit hatte Wenz eine überraschende Neuigkeit, für die er Applaus bekam: Für das brach liegende Raiffeisengelände deutet sich eine Lösung an – die Stadt stehe mit einer Investorengruppe in Verhandlung, die dort ein Ärztehaus und Parkplätze bauen könnte. Auch hätten bereits drei Ärzte Interesse bekundet. Der Haushalt 2026 sei kein einfaches Unterfangen, kündigte Wenz an, viele Interessen wollen berücksichtigt sein. Im Freibad müssen Duschcontainer aufgestellt werden, da die Duschen nicht mehr betrieben werden dürfen, für die energetische Sanierung des Bürgerhauses bedürfe es einer Machbarkeitsstudie. Zum Thema Kindeswohl in der Kita und Sicherheitsgefühl von Eltern und Kindern sagte Wenz, das sei ein durchaus brisantes Thema. Die Stadt sei mit den Eltern im Gespräch. Zur Kritik an den Öffnungszeiten des Bürgerservice teilte Wenz mit, dass es mehrere Coronafälle unter den Mitarbeitern gegeben habe, die Situation werde sich bessern – ab November wird ein neuer Mitarbeiter das Team verstärken. Für das Thema Laubfall sieht sich Bürgermeister Wenz allerdings nicht als zuständiger Ansprechpartner, was offenbar aber einige Bürger meinen. Wenz klärt auf: „Wir haben Herbst, da fallen die Blätter“ – und es gebe die Pflicht zum Straßenkehren. Im Anschluss stand Wenz für Fragen zur Verfügung. 

    Hannelore Nowacki

    Das Raiffeisengelände könnte mit einem Ärztehaus und Parkplätzen ein attraktiver Ort werden. Bürgermeister Boris Wenz informierte über die Verhandlung mit einer Investorengruppe.
    Foto: Hannelore Nowacki

     

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