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  • Mo., 15. August 2022, 15:57 Uhr
    WEINPROBE: Förderverein Domkirche präsentierte erlesene Klosterweine 

    Volles Haus und beste Stimmung – Erlös für die Orgel bestimmt

    Das Motto der Weinprobe war „Klosterweine“, unterhaltsam und kenntnisreich von Karl Hans Geil präsentiert. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Was den Mönchen schon vor Jahrhunderten zum Wohlbefinden gereichte, zeigt auch heute Wirkung wie bei der Weinprobe des Fördervereins Domkirche am Freitagabend dank der erlesenen Klosterweine zu erleben war. Dabei kommt es den Gästen auch auf die Geselligkeit an, die sich an den Tischen wie von selbst beflügelte. Herbert Eichener, Vorsitzender des Fördervereins, hieß die Gäste willkommen und informierte sie über die Verwendung des Erlöses aus der Bewirtung, der vollständig der großen blauen Vleugels-Orgel zugutekommt. Zwei bereits bestellte Register werden im Oktober eingebaut, was auf über 40.000 Euro kommt, dazu ein Zimbelstern, der mit über 6.000 Euro veranschlagt ist. Außerdem erinnerte er daran, dass die Orgel der Domkirche im kommenden Jahr volljährig, also 18 Jahre alt werde. Als besondere Veranstaltung konnte die Weinprobe am Freitag gelten, weil es wegen der Corona-Pandemie die erste seit 2019 war, darauf wies Eichenauer hin. Um eine räumliche Enge zu vermeiden, hatte der Förderverein zunächst eine weitere, identische Weinprobe am Samstagabend geplant, doch dafür hätten nur 20 Anmeldungen vorgelegen. Zu eng wurde es trotzdem nicht, denn früher wurde für bis zu 150 Gäste gedeckt. Siebzehn Helfer des Fördervereins schenkten ein und umsorgten die Gäste. In der stimmungsvollen Atmosphäre im großen Saal der Notkirche hatten 89 Gäste an den dekorierten Tischen Platz genommen. Die Leuchten hatte Vereinsmitglied Silke Schuster handgefertigt. Wie oft kommt das Wort Wein in der Bibel vor? Rund 200 Mal werde das Wort erwähnt, als Gabe des Schöpfers gelte der Wein, als Symbol der Gemeinschaft, der Lebensfreude und der Nähe Gottes, ließ Eichenauer die Gäste wissen. In Vorbereitung auf die zu erwartenden flüssigen Genusstropfen hörten die Gäste einen Weinspruch aus der Feder von Werner Mitsch, einem deutschen Aphoristiker: „Wer die Wahrheit im Wein finden will, darf die Suche nicht schon nach dem ersten Glas aufgeben“. Weinkenner Karl Hans Geil führte die Weinfreunde in die Zeit Benedikts zurück, der im frühen Mittelalter das erste Kloster auf dem Monte Cassino gründete und damit eine Weinbautradition begründete, die auch in anderen Benediktinerklöstern fortgeführt wurde und zu deren Wohlstand führte. Günstige Schnäppchen sind die Klosterweine nicht, betonte er, Qualität und kleine Anbauflächen tragen dazu bei. Nachdem der lieblich erscheinende Serenissima Benediktiner Secco des Klosterweinguts Kloster Jakobsberg in den Sektgläsern perlte, merkten die Probanden bald, dass Geils Hinweis ein Erfahrungswert ist: „Ein Wein, der die Zunge löst und zum Lächeln anregt“. Ebenfalls in Rheinhessen vom Klosterweingut kam der Riesling „Magnificus“, der Großartige, zur Reife, eine trockene Spätlese. Der trockene Bacchus, eine Neuzüchtung des Klosters Porta, folgte im Glas, er duftet und schmeckt. Ein besonderer Wein und Ort, wie Geil anmerkte. Nach drei Weinen war das Büffet eröffnet, mit  reichlichen Fleischgerichten, mehreren Beilagen, Gemüse und Salaten. Dazu stellten die freundlichen Helfer als Tischwein eine Flasche Lukastropfen auf jeden Tisch, den Hauswein der Lukasgemeinde. So gestärkt konnten anschließend die weiteren fünf Weine vertragen werden. Zwar habe es auch arme Klöster gegeben, erzählte Geil, doch die Wirtschaftsklöster der Benediktiner sammelten Reichtum an, trotz des Leitspruchs „ora et labora“ bei sinkender Arbeitsmoral.  Eine Klosterreform führte Regeln und Gehorsam ein. Klosterweine wie der Cistercium Riesling des Klosters Eberbach aus dem Rheingau lassen jegliche Mühsal jedenfalls vergessen, sobald die im Glas funkeln. Zwei Weine der Benediktinerabtei St. Hildegard in Rüdesheim, ein Riesling halbtrocken und ein Spätburgunder Weißherbst folgten in die Gläser. Ein historischer Exkurs Geils zur außergewöhnlichen Persönlichkeit der Hildegard von Bingen, geboren 1098, begleitete diese Weine. Die Besonderheit dieses Weißherbstes – weißes Fruchtfleisch und violette Schale, hellrot beim Pressen. Ein Tipp des Weinkenners: Rosé-Weine sind im Kommen. Nach einem duftenden blauen Spätburgunder von der Nahe und einem samtigen „Splendor Regis“, Regent Spätlese trocken, ebenfalls von der Nahe und ein würziger Abschluss, war die eigentliche Weinprobe samt unterhaltsamer Kommentierung zu Ende, nicht jedoch das gesellige Beisammensein. Eichenauer lud zum großen Kuchenbüffet mit Kaffee ein, das besonders üppig war, weil ursprünglich für zwei Abende gedacht, vorwiegend von Irmgard Allgeier gespendet. Eine Weinweisheit nach Friedrich Hegel stand am Ende der Probenfolge: „Im Wein liegt Wahrheit – und mit der stößt man überall an“. Die Auswahl der Weine geschah in kleiner, gemütlicher Kennerrunde des Fördervereins gemeinsam mit Karl Hans Geil. Zwei Klöster habe man besucht, weitere Weine habe man bestellt. Hannelore Nowacki

     

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