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  • So., 13. November 2016, 22:10 Uhr
    „Baim beschde Wille - helfen dou koa Pille“ – Höchstwert auf der Lach-Skala

    Volles Haus und viel Applaus bei Premiere der Volksbühne

    Ein schwerer Fall von eingebildeter Krankheit, der beim Publikum zahlreiche Anfälle von Heiterkeit auslöste. Im Bild (von links): Michael Tschirner als Walter, Ilse Prüssing als Haushälterin Lene, Peter Bischof als kranker Vater Valentin Hamm und Nina Siegel als Tochter Susanne. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – In Erwartung eines heiteren Abends genossen die Besucher sichtlich gut gelaunt ihr Glas Sekt oder Saft, bevor die Glocke sie zum Platznehmen rief. Die Volksbühne Lampertheim präsentierte am Samstagabend ihr neues Mundartstück, ein Schwank in drei Akten von Peter Bischof frei nach Molières „Der eingebildete Kranke“. Sein Stück „Baim beschde Wille - helfen dou koa Pille“ hatte der Mundartautor „uff haid modifidziad“, wie verheißungsvoll auf der Eintrittskarte zu lesen war. Kein Wunder, dass auch die weiteren Aufführungen weitgehend ausverkauft sind, denn in Lampertheim und über die Grenzen der Kulturstadt hinaus, gilt es als besonderer Glücksfall, die Darsteller der Volksbühne in Aktion zu erleben. Für nur sieben Euro Eintritt, ein Preis, der seit Jahren gehalten wird, schenkten die „Schauschbeela“  dem Publikum einen rundum amüsanten Abend. Auf der nach oben offenen Lach-Skala konnten allerhöchste Heiterkeitswerte gemessen werden. Die Premiere am Samstagabend auf der Bühne im voll besetzten großen Saal der Notkirche endete mit brausendem Applaus der begeisterten Zuschauer. Tatsächlich halfen dem ehemaligen Bauunternehmer Valentin Hamm, genial gespielt von Peter Bischof, letzten Endes keine Pillen und Tropfen. Der Ärmste, der beim Gehen beidseitig gestützt werden musste, läutete mit seiner Glocke schwungvoll Hilfe herbei und suchte im „Doktorbuch“ nach der Erklärung für seine Beschwerden. Hat er vielleicht Zoster oder ein Zottenherz? Schleichende Müdigkeit plagt ihn. Auf jeden Fall hat er Temperatur, erschreckende 37,4 Grad. Glückliche Umstände waren es, die dem vom Schicksal schwer getroffenen Mann schließlich halfen. Genervt und besorgt kümmerten sich soi Dochda Susanne Hamm (Nina Siegel) und son Soa Dieter Hamm (Florian Uhl) um den kranken Vater. Kerngesund oder sterbenskrank? Diese Frage bewegte die beiden immer wieder, während Haushälterin Helene Pfeiffer, Lene, die gute Seele, schon lange ahnte: „Baim beschde Wille - helfen dou koa Pille“, der ist bestimmt kerngesund. „Hausheldann“ Lene, von Ilse Prüssing einzigartig verkörpert, und Jula Bischof glaubwürdig als geldgierige Maria Hahl, die so nette Marie von nebenan, sorgten sich um den kranken Mann, jede auf ihre Weise. Aus dem ebenso spannenden wie lustigen Schwank wäre beinahe ein Krimi geworden, denn Leo Klotz, ein windiger Notar, von Sven Soldan perfekt dargestellt, und der freundliche Peter Gündling, ein lockiger, hochstapelnder Naturheiler (Michael Heiß) machten mit ihrer Komplizin zum Nachteil von Valentin Hamm gemeinsame Sache.

    Jula Bischof als äußerst freundliche Nachbarin Marie füttert den Kranken mit Tabletten. Foto: Hannelore Nowacki


    Auch eine Liebesgeschichte hatte der Autor eingefädelt, genau genommen sind es sogar drei. Doch wer keinen Doktor mag, bekommt einen „Eledgrischa“ als Schwiegersohn serviert. Dank Elektriker Willi Schmitt, der mit dem zweimal „Harten“, wie Vater Valentin sich versicherte, nahm der  Schwank seine Wende zum guten Ende. Während Frank Griesheimer seiner Figur Willi eine Riesenportion Komik mitgab, beeindruckte Michael Tschirner als seriöser Doktor Walter Franz, der sich gesundheitsfördernd als Elegdrischa und Inkognito-Doggda ins Spiel brachte. Auf immer an den Sessel gefesselt wähnte sich Valentin Hamm, doch es sollte anders kommen. Regie führen Peter Bischof und Klaus Jenner, das Bühnenbild gestalteten sieben Vereinsmitglieder, Angelika Jenner und Inge Andres soufflieren, um „Frisuan und Massge“ kümmern sich Heike Tschirner und Stefanie Plischek, Peter Bischof hat die Gesamtleitung. Hannelore Nowacki 

     

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