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Fr., 09. August 2019, 09:37 Uhr
Naturoasen und Biotop - Agenda-Tisch Naturschutz wird aktiv
Wann ist zu mähen, damit die Natur nicht leidet?
Aktueller Blick auf den Teich in der Chausseeallee. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Die Natur liegt vielen Bürstädtern und Bobstädtern am Herzen, das zeigte die Aufregung über den fragwürdigen Umgang der Verantwortlichen mit der Natur und dem Naturschutz in der Bobstädter Naturoase Chausseeallee im Norden des Bürstädter Stadtteils, über den der TIP in seiner Ausgabe vom 17. Juli berichtete. Viele Leser nahmen zum Bericht und Kommentar zustimmend Stellung. Auch die Stadtverwaltung und der Ortsvorsteher Uwe Metzner hatten auf Nachfrage Stellung bezogen, wenngleich nicht zufriedenstellend. Mit dem Naturschutz in Bürstadt befasst sich auch ein Gremium des Bürgerdialogs, der Agenda-Tisch Naturschutz, der ist in wechselnder Besetzung sogar schon seit 1998 aktiv, wie auf der Homepage der Stadt Bürstadt nachzulesen ist. Hier und da fand dieser auch als „Runder Tisch Naturschutz“ bezeichnete lose Zusammenschluss interessierter Bürger und Experten in Berichten Erwähnung, wenn beispielsweise anlässlich einer Begehung die Meinung dieses Agenda-Tisches Naturschutz von der Politik und Verwaltung gefragt war. Ansonsten wirkten die Teilnehmer eher im Stillen, suchten bislang bewusst auch nicht die breite Öffentlichkeit, wie bei der lebhaften, teilweise kontroversen Diskussion von Tagesordnungspunkt 1 mit der Überschrift „Quo vadis, Agendatisch?“ deutlich wurde. Um das Selbstverständnis, die Ziele, Aufgaben und Aufgabenverteilung ging es dabei. Intensiv diskutierten die anwesenden zehn Teilnehmer das Verhältnis zur Presse. Wer auf der Homepage der Stadt Bürstadt mehr erfahren will, findet lediglich heraus, dass die letzte Sitzung wohl im Jahr 2015 stattgefunden hat, das legt die Liste der Sitzungsprotokolle nahe, die mit dem 85. Treffen am 8. September 2015 endet. Am Dienstagabend hat der TIP den Agenda-Tisch Naturschutz bei seiner 97. Sitzung besucht, nachdem im Gespräch mit dem Moderator der Kontakt aufgenommen war. Diplom-Biologe Henry Riechmann, Sachbearbeiter bei der Stadtverwaltung für Natur und Landschaft, ist der Moderator, in der Nachfolge von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Vorgängern. Eine sieben Punkte umfassende Tagesordnung hatte er im Einvernehmen mit den Teilnehmern vorbereitet, in der bereits viel Vorarbeit steckte. Bis alle Themen diskutiert waren, hatte das Gewitter Bürstadt wieder verlassen und zweieinhalb Stunden waren vergangen. Ergebnisse waren erreicht und wegweisende Überlegungen hatten ihren Niederschlag in Papieren gefunden, die den politischen Gremien und der Stadtverwaltung empfehlende Hinweise und Ausarbeitungen an die Hand geben und manche Pläne und Maßnahmen kritisch unter die Lupe nehmen. Eine Stellungnahme zum Sportpark Bürstadt wurde zur Abstimmung vorbereitet und der Arbeitskreis Baumschutzsatzung legte die erarbeiteten Vorschläge vor, über die der Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss abstimmen soll.
So schön war die Chausseeallee als Naturoase vor dem Mähen. Foto: Hildegard Schwara
Neue Konzepte für die Pflege und Mahd und die Öffentlichkeit
Zukünftig will der Agenda-Tisch Naturschutz die Presse und damit die Öffentlichkeit halbjährlich über die aktuellen Aktivitäten informieren, auch sind neue, am Naturschutz interessierte Teilnehmer willkommen. Selbstkritische Äußerungen und eigenes Lob kamen auf den Tisch. „Wir müssten etwas rühriger sein, mehr Tatkraft aufbringen“ war zu hören, ebenso der entschiedene Widerspruch, es gebe eine lange Liste von erreichten Zielen. Michael Held, Vorsitzender des NABU Bürstadt findet, „dass der Agenda-Tisch gut arbeitet“, besonders hinsichtlich der Naturoasen Chausseeallee und Lachgärten. „Es gibt noch mehr Themen, die wir besprechen können“, blickte er in die Zukunft, „hier ist die Schnittstelle von naturinteressierten Bürgerinnen und Bürgern und der Stadtverwaltung“. Aber dieses Gremium sei der Verwaltung nicht rechenschaftspflichtig. Uwe Metzner, Grünen-Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenversammlung und Bobstädter Ortsvorsteher, betonte, dass dieser Agenda-Tisch funktioniere, andere seien dagegen eingeschlafen. „Wir wollen anregen, Vorschläge machen und die Verwaltung bewegen“, umriss Werner Ille die Ziele. Die „Mahd städtischer Grünflächen“ war das nächste große Thema. Es geht um den richtigen Zeitpunkt des Mähens mit dem richtigen Gerät, um die Entwicklung der Natur in den Naturoasen Chausseeallee und Lachgärten zu fördern. „Ein Politikum“ sei die Mahd geworden, sagte Moderator Riechmann. Die Mahd im Naturschutzsinn zu optimieren sei schwierig. Mehrere Lösungsansätze stellte er vor, angefangen vom differenzierten zeitlichen Vorgehen je nach Blüte und Pflanzenwachstum bis zum Abtransport des Mahdgutes, das bislang aus Kostengründen oft liegenblieb und damit die Ausmagerung der Wiesen und folglich die Entwicklung artenreicher Blühwiesen verhinderte. Ziel sei, das neue „Mahdregime“ öffentlich darzustellen. Zweimal im Jahr solle gemäht werden, aber eben differenziert, nicht alles komplett auf einmal – und die Tierwelt könne in die noch nicht gemähten Bereiche auswandern. Werde die Mahd nicht weggeräumt, verschwinden Kräuter und Wiesenblumen, Gräser und Brennnesseln nehmen überhand, wie in der „Flur 21“ und im älteren Teil der Chausseeallee, erläuterte Riechmann.An Wegen könnte ein anderthalb Meter breiter Streifen rechts und links drei- bis fünfmal im Jahr gemäht werden. Auch um die Entwicklung des Biotops „Flur 21“ im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes „Soziale Stadt“ ging es. An der Naturoase Chausseeallee soll ein Schild aufgestellt werden, um über die Historie als Ausgleichsfläche und die Pflegemaßnahmen zu informieren. Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung sind Henry Riechmann (henry.riechmann@buerstadt.de) und Vanessa Holz (vanessa.holz@buerstadt.de). Der Agenda-Tisch Naturschutz trifft sich wieder am 14. November um 18.30 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses. Hannelore Nowacki