Vor der Europa-Wahl: Europa-Ministerin Lucia Puttrich besuchte Litauisches Gymnasium
„Warum besuchen Sie gerade unsere Schule?“
Ein Rundgang durch die Schule und eine Gesprächsrunde mit Schulleiterin Dr. Bronė Narkevičienė, Lehrkräften und Schülern gaben Europa-Ministerin Lucia Puttrich einen Eindruck vom Leben mit zwei Kulturen in Europa. Foto: Hannelore Nowacki
HÜTTENFELD – Über Schloss Rennhof war der Himmel grau, aber die drei Fahnen lagen gut im Wind – die deutsche Nationalflagge, die blaue Flagge der Europäischen Union mit ihrem Sternenkreis und die litauische Nationalflagge. „Die Chancen liegen in der persönlichen Begegnung“, sagte Staatsministerin Lucia Puttrich am Mittwoch bei ihrem Besuch des Litauischen Gymnasiums. Das einzige litauische Gymnasium in Westeuropa sei eine Brücke zwischen Ost und West, ein Stück Litauen in Südhessen. Im Vorfeld der Wahl möchte die neue Hessische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Bevollmächtigte des Landes Hessen beim Bund zeigen, wie Menschen in Hessen tagtäglich Europa leben und erleben, welche Bedeutung die Europäische Union für ihren ganz persönlichen Alltag oder ihren Lebenslauf hat. In ihrer Gesprächsreihe „Begegnungen“ wird Europa-Ministerin Puttrich auch die Europäische Schule RheinMain in Bad Vilbel besuchen. Umfragen belegen, dass die Wahl zum Europäischen Parlament am 25. Mai die deutschen Wähler bislang nicht besonders zu mobilisieren vermag. „Die Europa-Wahlen sind wichtig“, betonte dagegen Puttrich in der Gesprächsrunde mit Direktorin Dr. Bronė Narkevičienė, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern des staatlich anerkannten privaten Litauischen Gymnasiums. Zuvor hatte sie die Schule bei einem Rundgang durch das Schloss und die weiteren Schulgebäude mit Unterrichtsräumen und Internat näher kennengelernt. Unter anderem sah Puttrich den „Litauischraum“, in dem der Sprachunterricht für die Nichtmuttersprachler stattfindet, sowie den neuen naturwissenschaftlichen Lehrsaal. Im Internatsbereich schaute sie in ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer und ein geräumiges privates Schülerzimmer. „Wer hat schon das Glück in einer solchen Schule lehren und lernen zu dürfen“, meinte Ministerin Puttrich beeindruckt von der besonderen Ausstrahlung der Gebäude und weitläufigen Anlage.
In der Gesprächsrunde versprach Ministerin Puttrich (vorne rechts) den Schülern im Leistungskurs Deutsch, dass sie ihren Wunsch unterstützen werde, den Schülern des Litauischen Gymnasiums partnerschaftliche Kontakte zu einer Schule oder Institution in einer der fünf europäischen Partnerregionen Hessens zu knüpfen. Foto: Hannelore Nowacki
Auch von der kulturellen Bedeutung der großen Eiche im Innenhof hatte sie erfahren. „Aber eine Schule lebt vom Miteinander der Menschen“, sagte Puttrich. „Das Litauische Gymnasium ist ein gutes Beispiel, wie Europa die Menschen zusammenbringt - mit dem Austausch der Kulturen, der Pflege von Traditionen und den gemeinsamen Schritten in die Zukunft“. Vor allem zwei junge Leute hatten der Ministerin beim Rundgang die Schule und ihre Geschichte erklärt: Schulsprecher Till Walter, 16 Jahre alt, und die 17-jährige Michelle Gusdorf, sie war im Vorjahr Schulsprecherin. „Für uns ist Europa Begegnung mit dem Ziel sich zu verstehen und damit ein friedliches Miteinander zu sichern“, sagten sie im Gespräch mit Europa-Ministerin Lucia Puttrich. Beide sind im Leistungskurs Deutsch und werden im nächsten Jahr ihr Abitur machen – und beide trugen litauische Trachten wie sie zu besonderen Anlässen und Festen auf Schloss Rennhof zu sehen sind. Die beiden hatten eine Frage an die Ministerin: „Warum besuchen Sie gerade unsere Schule?“. Die ausführliche Antwort erhielten sie in der abschließenden Gesprächsrunde im Schloss, andererseits erfuhr Ministerin Puttrich von Lehrkräften und Schülern, wie sie zum Litauischen Gymnasium mit seinen etwa 200 Schülerinnen und Schülern gekommen sind und was sie verbindet. Direktorin Dr. Bronė Narkevičienė leitet das Gymnasium seit 2009, zuvor war die geborene Litauerin Leiterin der litauischen Nationalen Schülerakademie für Hochbegabte in Kaunas. Einige Lehrerinnen und Lehrer, deutscher und anderer nationaler Herkunft, waren eher zufällig beim Litauischen Gymnasium gelandet – und sind geblieben, weil es ihnen hier gefiel. Andere Lehrkräfte hatten sich gezielt für eine zweisprachige Schule entschieden. „Die Schule ist klein und familiär, die Arbeit macht Spaß, der Beruf ist hier Berufung“, so lautete das vielfältige Lob. Englischlehrerin Maria Schmidt ist schon seit 38 Jahren von ihrer Arbeit begeistert. Bei den meisten Schülern haben die Eltern die Entscheidung geprägt, wie Ministerin Puttrich vermutete. Die Mannheimerin Michelle Gusdorf erzählte: „Meine sind weltoffen und fanden die kleinen Klassen gut“. Hannelore Nowacki