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  • Di., 31. Januar 2017, 11:23 Uhr
    500 Jahre Reformation – die Lukasgemeinde startet mit Jubiläumsprogramm

    Was bewegte Martin Luther? Spannender Vortrag von Pfarrer Arne Polzer



    Pfarrer Arne Polzer aus Nordheim führte die Besucher auf unterhaltsame Weise in die Zeit der Reformation und das Leben Martin Luthers ein. Pfarrerin Sabine Sauerwein von der gastgebenden Lukasgemeinde las Tipps aus den Tischreden Luthers. Foto: Hannelore NowackiLAMPERTHEIM – Aufmerksam richteten sich alle Blicke nach vorn – Pfarrerin Sabine Sauerwein und ihr Amtskollege Pfarrer Arne Polzer aus Nordheim begrüßten am Montagabend die Besucher zur ersten Veranstaltung im Jubiläumsprogramm der Lukasgemeinde zur Reformation. Zur Freude der Veranstalter waren im großen Saal der Notkirche fast alle Plätze an den großen Tischen besetzt. Pfarrerin Sauerwein eröffnete den Abend mit heiteren Zitaten aus Luthers Tischreden mit Kriterien, die nach Luthers Erfahrung bei den Zuhörern zum Erfolg führen. Fleißige Hände in der Lukasgemeinde hatten das bekannte Lutherportrait aus der Werkstatt Cranach mit eigens bestellten Förmchen aus Teig geformt und diese „Lutherkekse“ zum Verzehr gratis auf allen Tischen bereitgestellt. Der feine Lukastropfen, als Weißwein wie als Rotwein ein Genuss, war gegen Entgelt zu haben. In gut zwei Stunden brachte Pfarrer Arne Polzer dem Publikum das Leben und Wirken des Martin Luther nahe, ein unterhaltsamer, kurzweiliger Vortrag, der die Zeit der Reformation lebendig werden ließ und verständlich machte. Pfarrer Polzer machte deutlich: Luther wurde in eine Zeit des Umbruchs hineingeboren, die damaligen Menschen waren verunsichert. Die  Entdeckung Amerikas 1492 durch Kolumbus machte die Welt plötzlich größer und unübersichtlicher. Pfarrer Polzer räumte mit einer Vorstellung auf, die Luther noch in der Zeit der Ritter und Burgen sieht. Das Schwarzpulver war längst erfunden, die Feuerwaffen veränderten die Austragung von Konflikten. Die Weltsicht der Menschen war eine ganz andere: Naturwissenschaftliche Erklärungen im Alltagsleben gab es nicht - Waldgeister, Dämonen und Hexen prägten die Geisteshaltung der Menschen. Und die Erde als Mittelpunkt der Welt, mit den Menschen als Krönung der Schöpfung, drehte sich selbstverständlich um die Sonne, so wie es die Bibel nahelegt. Martin Luther kam am 10. November 1483 in Eisleben auf die Welt, am 18. Februar 1546 starb er, mit seiner adeligen Frau Katharina von Bora, die er 1525 ehelichte, hatte er sechs Kinder, deren Nachfahren sich bis heute in direkter Linie auf sie beziehen. Bestattet wurde der Reformator Martin Luther in der Schlosskirche zu Wittenberg, an deren Tür er im Jahr 1517 seine „95 Thesen wider den Ablasshandel“ geheftet haben soll. Der gerade erfundene Buchdruck mit beweglichen Lettern half diese Thesen schnell zu verbreiten. Was weiß man heute noch über den Ablasshandel, der Luther so auf die Palme gebracht hatte, dass er sich mit Kaiser, Fürsten und dem Papst anlegte und sogar in Lebensgefahr geriet? Luther, einer der größten Denker Europas, wie Pfarrer Polzer betonte, hatte Karriere als Mönch im Augustinerkloster gemacht, wurde 1507 zum Priester geweiht und wurde Doktor der Theologie und Universitätslehrer. Sündenvergebung durch Geld wie beim Ablasshandel war gegen Luthers Überzeugung, doch der Papst brauchte das Geld für den Bau des Petersdoms. Gnädig betrachtete Pfarrer Polzer die andere Seite des Reformators, Luther als Verfasser antisemitischer Schriften und Gegner der Bauern, die sich im Bauernkrieg gegen ihre Fürsten erhoben. Luther sei nur gegen Gewalt gewesen und die heute in der Kritik stehenden Schriften habe er erst im Alter nach seiner Lehrtätigkeit verfasst – und war damit der Geisteshaltung seiner Zeit verbunden. Pfarrer Polzer beschrieb unter anderem am Beispiel des Fegefeuers, der Reliquien und der Bedeutung des Abendmahls bei den Protestanten die Unterschiede zur katholischen Kirche, die er jedoch im ökumenischen Geist betrachtete. Wie versteht man Luther als Mensch? Auch dieses schwierige Unterfangen nach über 500 Jahren meisterte Pfarrer Polzer, die südhessische Mundart dabei zur Hilfe nehmend. Als sich Luther auf der Wartburg unter dem Schutz seines Fürsten Friedrich der Weise vor seinen Verfolgern versteckte, kam ihm die Idee mit der Bibelübersetzung. Mit Papier und Stift ausgerüstet habe er Märkte und Kneipen inkognito besucht und dem „Volk aufs Maul geschaut“. Herauskam eine allgemein verständliche deutsche Bibelübersetzung, die der deutschen Sprache zum Durchbruch verhalf. Auch die Öffnung der Schulbildung für Knaben und Mädchen geht auf ihn zurück. Musik und Lieder aus der Feder Martin Luthers haben bis heute in den Gottesdiensten ihren Platz. Die Zuhörer belohnten den Vortrag, der Luther und seine Zeit lebendig illustrierte, mit begeistertem Applaus. Zum Abschluss gab Pfarrerin Sauerwein den Besuchern Luthers Abendsegen mit auf den Heimweg.  Hannelore Nowacki

     
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