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  • Di., 05. November 2019, 09:36 Uhr
    Zeitzeugin und Vorträge zur Ausstellungseröffnung / Ausstellung im Schiller-Café bis Mitte November

    „Was konnten sie tun?“

    Zeitzeugin Karla Spagerer konnte aus eigenem Erleben vom Widerstand in der Nazizeit berichten, ein leidenschaftliches Plädoyer für die Demokratie. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Schicksale, die ans Herz gehen, Menschen, die auf ganz unterschiedliche Weise gegen den Nationalsozialismus Widerstand geleistet hatten und dafür ermordet wurden – man kann sie bis Mitte November ein wenig kennenlernen. Dazu umrundet man am besten die Fenster des ehemaligen Schiller-Cafés auf dem Schillerplatz, um auf Plakaten zu lesen, was diesen Menschen in der Kriegszeit von 1939 bis 1945 passiert ist. Die Ausstellung mit dem Titel „Was konnten sie tun?“ von der Stiftung 20. Juli 1944 in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand wurde am 1. November eröffnet. Das Lampertheimer Bündnis für Demokratie hatte mit der 90-jährigen Mannheimer Zeitzeugin Karla Spagerer eine lebhafte, politisch engagierte Frau eingeladen, die als Kind viele Familien von Widerstandskämpfern in der Gartenstadt und auf dem Waldhof kennengelernt hatte, mit deren Kindern sie Kontakt hatte. Sie selbst war dort in einer sozialdemokratisch geprägten Familientradition aufgewachsen, die Großmutter war schon immer politisch aktiv, wurde 1936 von der Gestapo verhaftet und zu 18 Monaten Zuchthaus verurteilt, die Mutter war im Stadtrat. Und nach dem Krieg, die junge Frau hatte geheiratet, führte auch ihre Familie die politische Tradition weiter, ihr Mann war mit Gemeinderat und wurde in den Landtag gewählt. Wenn sie erzählt, was sie auch in Schulen tut, ahnt man, was Widerstand bedeutet, wie es sich angefühlt hat, wenn der Vater mit ansehen musste, wie die Firma, in der er arbeitete, geführt von zwei jüdischen Schwestern, von SA-Männern verwüstet wird. Vom weiteren Schicksal der beiden Frauen erfuhr sie erst 80 Jahre später, sie wurden in Theresienstadt ermordet. Und heute? Sie sagt, wenn es sein muss, stehen wir für unsere Demokratie auf. Ihre Meinung zur AfD: „Die Spitze der AfD sind Nazis pur“.

    Blumenstrauß und Präsent mit nachträglichen Glückwünschen zum Geburtstag erhielt sie vom Lampertheimer Bündnis für Demokratie. Foto: Hannelore Nowacki


    Auch an dieser Stelle erhielt sie von den Zuhörern Applaus, von Erich Maier, früherer Bürgermeister und Mitglied im Bündnis für Demokratie, ausdrückliche Zustimmung. Ihrem SPD-Ortsverein will Karla Spagerer von dieser Ausstellung berichten. „Alle Achtung, was Sie hier aufgebaut haben“. In seinem Vortrag zur Ausstellung mit 25 Porträts deutscher Widerstandskämpferinnen und –Kämpfer berichtete Stadtarchivar Hubert Simon über die Situation in Lampertheim am Ende der Weimarer Republik und während der Hitlerzeit, wobei ihm das Buch der verstorbenen Lampertheimer Historikerin Kyra Inachin hilfreiche Informationen bot. Bei den Landtagswahlen 1932 sei die NSDAP erstmals stärkste Partei in Lampertheim geworden, doch bei Wahlen auf lokaler Ebene sah es anders aus, so erhielt der seit 1925 amtierende Bürgermeister Adam Keller 1932 mehr Stimmen als die NSDAP- und KPD-Kandidaten zusammen. Und bei der Reichstagswahl am 5. März 1933, als Hitler bereits Reichskanzler war, haben die Lampertheimer Wähler trotz massiver Behinderungen der anderen Parteien durch die Nazis mehrheitlich mit 58,3 Prozent andere Parteien gewählt. Als Gastredner meldete sich Karl Klemm über die Verfolgung in Lampertheim während des Nationalsozialismus 1933 bis 1945 zu Wort, Mitautor des Buches „Der Erinnerung einen Namen geben“. Eine große Bandbreite habe es beim Widerstand in Lampertheim gegeben, von spontanen subversiven Aktionen berichtete Klemm, von Arbeitsverweigerung, von Protesten bis hin zu Strukturen, die den Umsturz planten und von der Unterstützung Verfolgter. Renate Nagel vom Bündnis für Demokratie zitierte bewegende Worte von zwei Widerstandskämpfern, die nicht nur sie jedes Mal erschauern lassen. Sophie Scholl sagte am Tag ihrer Hinrichtung: „So ein herrlicher Tag, und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn wir es damit schaffen, tausende Menschen aufzurütteln und wachzurütteln“. Pater Alfred Delp sagte vor seiner Hinrichtung: „Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind“.  Hannelore Nowacki

     

     

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