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Di., 09. Mai 2017, 08:25 Uhr
„Wein aus Luthers Zeiten“ – der Malvasier war dem Reformator am liebsten
Weinprobe des Fördervereins Domkirche auf Rekordkurs
Ein Gesamtkunstwerk präsentierte der Förderverein Domkirche mit der Weinprobe, die Dekan Karl Hans Geil geistreich prickelnd bei Kerzenschimmer auch zu Martin Luther führte. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Wer nicht liebt Wein, Weib und G’sang, bleibt ein Narr sein Leben lang“. Martin Luther wird dieser Ausspruch zugeschrieben, ganz sicher ist jedoch, dass er Wein wirklich liebte, genau genommen den Malvasier. Bei der Weinprobe des Fördervereins Domkirche Lampertheim am Samstagabend hatten die Gäste Gelegenheit Luthers Lieblingswein in der Probenfolge gleich nach dem Weißen Heunisch vom Pfortenser Klöppelberg kennenzulernen. Im rheinhessischen Gundersheim wird der Malvasier angebaut, der Weiße Heunisch, eine Rebsorte mit langer Geschichte, kam in diesem Fall aus Sachsen-Anhalt. Ein Glücksfall, wie Dekan Karl Hans Geil erzählte, denn schon drei Wochen nach dem Einkauf war der Wein weg. Im voll besetzten großen Saal der ehemaligen Notkirche begeisterte Dekan Geil die Gäste mit Geschichten und Anekdoten zu den ausgeschenkten Proben und setzte diese Weine in Beziehung zur Geschichte über Luther bis zu den alten Römern, die Wein täglich literweise zur Gesunderhaltung trinken mussten. Allerdings habe der Wein damals nur halb so viel Alkohol enthalten wie heute und Wasser sei damals ungesund gewesen. In bester Stimmung begann die Weinprobe, um nach einigen Schlucken der guten Tropfen stetig an Kraft zu gewinnen. Acht Proben kamen in die Gläser, in aufsteigender Reihenfolge der Qualität bis hin zum Neu-Bamberger Kirschwingert, ein Merlot trocken, im Barrique gereift. Spannende Momente, überraschende Geschmackserlebnisse und selten gehörte Rebsortennamen kamen bei dieser inspirierenden Weinprobe zusammen, denn Dekan Geil hatte bei seiner Entdeckungstour zum Einkauf der Weine alte Rebsorten gefunden, deren Bedeutung er mit profunder Kenntnis erläuterte. Wuchsen in früheren Jahrhunderten die wurzelechten Reben im Weinberg munter durcheinander, so brachte die Reblaus den Wandel hin zu sortenreinen Weinbergen mit neuen Züchtungen, die der gefräßigen Reblaus mit kräftigem Wurzelwerk erfolgreich widerstanden. An entlegenen Stellen, bei der Flurbereinigung wohl vergessen, finden sich noch alte Schätze, wusste Dekan Geil zu berichten. Ein alter Wurzelechter vom Zeller Schloßberg in Franken als Alter Fränkischer Satz floss als dritte Probe in die Gläser. Leicht prickelnd schmeichelte sich das Schliengender Sonnenstück aus dem sonnigen Markgräfler Land ein, ein Gutedel. Diese über zweitausend Jahre alte Rebsorte brachten die Römer mit. Als „gradlinig“ und schön zu schlürfen empfahl sich der weiße Elbling, der dank seiner hohen Erträge einst der ideale Wein zur Abgabe des „Zehnten“ war, wie die Gäste erfuhren. Die Beliebtheit der Weinprobe, die der Förderverein seit 25 Jahren veranstaltet, bricht mittlerweile alle Rekorde. Vereinsvorsitzender Herbert Eichenauer sprach in seinen Begrüßungsworten sogar von Überlegungen des Vereins, wegen der überwältigenden Nachfrage zukünftig einen weiteren Abend anzubieten, um nicht zu viele Interessenten enttäuschen zu müssen. Aus dem Erlös der Veranstaltung werde die Orgel der Domkirche weiter abbezahlt, auch zwei zusätzliche Register werden angeschafft, erklärte Vereinsvorsitzender Eichenauer im Gespräch mit dem TIP. Zwanzig ehrenamtliche Helfer kümmerten sich um das Wohl der Gäste. Geld brachte auch die Versteigerung von drei gespendeten Weinflaschen ein, darunter eine Osthofener Auslese aus dem guten Weinjahr 1973 ein – für den Weingenuss wollte Dekan Geil nicht garantieren, obwohl die Flaschen über die Jahre fachgerecht gelagert worden seien. Sollte der Wein nicht mehr schmecken, winkt eine Freikarte für die nächste Weinprobe. Ein Prosit auf die Gemütlichkeit ließ Wolfgang Weber mit seinem Akkordeon erklingen und begleitete Bariton Klaus Kuczinski beim Liedvortrag „Ich weiß ein Fass in einem tiefen Keller“. Zu fortgeschrittener Stunde nach der Pause waren die Gäste auch einmal zum fröhlichen Schunkeln aufgelegt.
Wein und gute Stimmung gingen bei der Weinprobe eine glückliche Verbindung ein. Pfarrerin Sabine Sauerwein schenkte an diesem Tisch ein. Foto: Hannelore Nowacki
Das Essen war eigentlich nach der vierten Probe eingeplant, doch der zarte Spießbraten mit Weinsauce und Weintrauben, hausgemachte Semmelknödeln und Krautgemüse konnte nicht länger warten. Auf Wunsch wurde zum Essen der hauseigene Lukaswein ausgeschenkt. Ein bekannter Lampertheimer Cateringservice war für das kulinarische Angebot zuständig. Zum Naschen zwischendurch standen Schmalztöpfchen und Brotkörbe auf den Tischen bereit. Süße Krönung des Abends war das große Kuchenbüffet mit der Luthertorte, deren Marzipanumhüllung die Lutherrose zierte. Hannelore Nowacki