Fr., 10. März 2017, 11:28 Uhr
Bürstadt hisst die tibetanische Fahne als Zeichen der Solidarität
„Weit mehr als symbolischer Akt für die Menschen in Tibet“

Der Erste Stadtrat Walter Wiedemann (l.) und Stadtverordnetenvorsteher Ewald Stumpf (r.) hissten am Freitag die tibetische Fahne am Rathaus, um auf das Leid der Menschen aufmerksam zu machen. Foto: Benjamin KloosBÜRSTADT – Es ist weit mehr als ein symbolischer Akt: Jedes Jahr am 10. März ruft die Tibet Initiative Deutschland e.V. seit 1996 zu der gemeinsamen Aktion „Flagge zeigen für Tibet” auf, seit vielen Jahren beteiligt sich Bürstadt bei dieser Aktion, die auf drei wichtige Punkte aufmerksam machen soll: Das Recht der Tibeter auf Selbstbestimmung, die durch China verwehrt wird, die Wahrung der Menschenrechte, die mit Füßen getreten werden und den Erhalt der Kultur, der Religion und somit der Identität der Tibeter.
„Das Hissen der Flagge ist ein sichtbares Zeichen. Wir wollen zeigen, dass wir nicht widerstandslos hinnehmen, was in Tibet passiert”, betonte der Erste Stadtrat Walter Wiedemann. Bürstadt selbst hat einen direkten Bezug zu dieser Aktion: Denn im Rahmen der Gymnastica, an der vor einigen Jahren Tibeter teilnahmen, bekam Günther Hilgartner eine tibetanische Flagge überreicht – seitdem zeigt die Bürgerstadt mit Herz, dass dieses auch für die Menschen im fernen Tibet schlägt. Zudem hat in diesem Jahr der Oberbürgermeister von Darmstadt, Jochen Partsch, die Schirmherrschaft übernommen, so dass aufgrund der räumlichen Nähe zu Darmstadt noch ein weiterer Aspekt zur Beteiligung hinzukommt und man sich in die Reihe von insgesamt 63 Kommunen in Hessen integriert, die diese Aktion unterstützen.
Die Initiatoren wollen auf das anhaltende Leid aufmerksam machen, die Folter und menschenrechtsverletzende Behandlung, denen die Tibeter seit Jahren ausgesetzt sind. Eigentlich wollen die Menschen dort nur ihre Religion ausüben und ihre Sprache sprechen, das ist nicht mehr möglich. Der 10. März 1959 ging dabei als einer der traurigsten Tage Tibets in die Geschichte ein, als ein Volksaufstand durch die chinesische Besatzungsmacht blutig niedergeschlagen wurde. Mindestens 87.000 Tibeter kamen dabei ums Leben, der Dalai Lama als religiöses Oberhaupt musste ins indische Exil fliehen.
Dabei ist auch die Flagge selbst mehr als nur ein Symbol: Denn sie ist das äußere Zeichen des Rechts auf Selbstbestimmung. Die Schneelöwen im Zentrum stehen für die Regierung, welche die geistliche und weltliche Macht vereint. Die aufgehende Sonne symbolisiert das immer wiederkehrende Leben und der überdimensionale rote und blaue Strahlenkranz die sechs alten Völker Tibets sowie die vom Himmel kommende Ordnung, die bewahrt und beschützt werden muss. Aufgrund dieser Symbolik ist die tibetanische Flagge in Tibet selbst strengstens verboten, alleine der Besitz oder gar das öffentliche Zeigen werden von der chinesischen Regierung hart bestraft.
Wer mehr über die Aktion und das Leid der Tibeter erfahren möchte, dem sei die Internetseite www.tibet-flagge.de empfohlen – hier finden sich Informationen und Stimmen bekannter Unterstützer wie dem Dalai Lama oder Thomas D., Musiker der Fantastischen Vier. Benjamin Kloos