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Mo., 04. September 2017, 11:28 Uhr
17. Tag der Selbsthilfegruppen gab Einblicke in viele Lebensbereiche
Wenn der Atem stockt oder das Essen zum Problem wird
„Die Muthasen“ und „Die Druffties“ waren trotz Regen bester Stimmung, sie haben wie die anderen Selbsthilfegruppen schon viel erreicht. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Fantasievolle Namen waren an den Informationsständen zu lesen wie
„Die Muthasen“ und „Stimmungsvogel“. Andere Selbsthilfegruppen (SHG) haben sich nach der Krankheit benannt, die ihre Mitglieder zusammenführt wie Adipositas, Rheuma oder Diabetes. In der Fußgängerzone hatten am Samstag 17 Selbsthilfegruppen ihre Zelte aufgeschlagen, um über ihre Angebote zu informieren und als kompetente Ansprechpartner für interessierte Menschen zur Verfügung zu stehen. Immer zwei Selbsthilfegruppen teilten sich ein Zeltdach. Die ehrenamtlichen Gruppenmitglieder hatten sich dafür dreieinhalb Stunden Zeit genommen – die gute Laune ließen sie sich durch die kräftigen Regenschauer zu Beginn nicht verderben. Und bald kamen auch Besucher, die sich aus dem umfangreichen Informationsmaterial - Broschüren, Zeitschriften und Faltblätter – bedienten und vereinzelt das eingehende Gespräch suchten. An einigen Ständen wie bei den drei Selbshilfegruppen Schlafapnoe-Atemstillstand aus Lampertheim, Bensheim und Viernheim setzte ein wahrer Ansturm ein. Auch bei der SHG Rheumaliga Bürstadt und der Diabetiker SHG Bürstadt blieben mehr Menschen zum Gespräch stehen als bei den Selbsthilfegruppen, die beispielsweise über Alkoholsucht, Mehrfachabhängigkeiten und Essstörungen informierten. „Mut tut gut“ hatten „Die Muthasen“ als Motto gewählt, fröhlich trotzten sie dem Regen und freuten sich über das große Interesse an ihren selbst gebackenen „Gute-Laune-Keksen“ im Herzformat. Festgeklemmt unter der immer wieder aufgefüllten Schale lag das Rezept. In ihrer Selbsthilfegruppe geht es um Angst- und Panikattacken. „Ab morgen habe ich mich wieder im Griff“ hieß es bei den „Overeaters Anonymous“, die dem Essen einen gebührenden Platz im Leben geben wollen. Gemeinsam gehe es leichter als alleine, meinen sie. Sabine Höhn aus Einhausen und Nadine Schneibel aus Lampertheim am Stand der Adipositas SHG Bergstraße konnten aus eigener Erfahrung berichten, wie gut ein Leben nach dem Abnehmen ist. „Wir sprechen dabei nicht von 95 Kilogramm Körpergewicht, eher von 180“. Dem Naturheilverein Viernheim, Weinheim und Umgebung geht es ganzheitliche Gesundheitsthemen, die sie auch bei den Viernheimer Naturheiltagen vorstellen werden. Überall war der „Selbsthilfewegweiser für den Kreis Bergstraße“ zu haben, herausgegeben von der Selbsthilfekontaktstelle in Heppenheim (www.selbsthilfe-bergstrasse.de). Als Ansprechpartnerin betreute Diplom-Sozialpädagogin Hacer Yontar den Informationsstand der Selbsthilfekontaktstelle, die im Kreis Bergstraße unter dem Dach des Caritasverbandes Darmstadt tätig ist. Die Trommelgruppe um Ingrid Morweiser-Sadik stimmte die Zuschauer mit afrikanischen Rhythmen musikalisch auf den Tag ein, noch bevor der Regen auf die Zeltdächer prasselte. Später hörten die Passanten den harmonischen Dialog von Trommel (Ingrid Morweiser-Sadik) und Harfe (Mariella Pieters). Unter Regenschirmen stehend eröffneten Bürgermeister Gottfried Störmer und Landrat Christian Engelhardt im Beisein von Ansgar Funcke, Direktor des Caritasverbandes Darmstadt, diesen 17. Tag der Selbstgruppen im Kreis Bergstraße. „Wir sind alle irgendwann mal in der Situation uns Rat und Hilfe zu holen“, sagte Störmer, „es ist gut, dass wir Sie haben“. Selbsthilfegruppen könnten unter Umständen viel besser als ein großer Apparat Hilfe geben. In Lampertheim gebe es zehn Selbsthilfegruppen. Im Kreis Bergstraße zählt Landrat Engelhardt 158 Selbsthilfegruppen, drei Millionen Menschen engagieren sich in Deutschland in der Selbsthilfe: „Das macht unsere Gesellschaft stark“. Engelhardt dankte der Kontaktstelle, die von den Krankenkassen und vom Kreis Bergstraße bezahlt werde, sowie den engagierten Gruppenmitgliedern für ihren Einsatz. Landtagsabgeordneter Alexander Bauer (CDU) wies darauf hin, dass Gesundheit ein zentrales, sogar das allerhöchste Gut sei und die Menschen in den Selbsthilfegruppen wirkliche „caritas“, Nächstenliebe, praktizierten. Ohne ehrenamtliches Engagement seien die vielen Hilfen nicht möglich, meinte Caritas-Direktor Funcke, der sich für die finanzielle Unterstützung bedankte. Hannelore Nowacki
Der 17. Selbsthilfetag im Kreis Bergstraße fing mit Regen an, der sich bald verzog. Zur Eröffnung sprachen Hacer Yontar von der Selbsthilfekontaktstelle, Bürgermeister Gottfried Störmer, Caritas-Direktor Ansgar Funcke, Landrat Christian Engelhardt und CDU-Landtagsabgeordneter Alexander Bauer (von links). Foto: Hannelore Nowacki