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  • Fr., 25. August 2017, 11:34 Uhr
    Mundartabende im Heimatmuseum – Publikum feiert Premiere mit viel Applaus

    Wenn „Die Friehsticksmeeschda“ im Wirtshaus tagen

    So gefiel es der Frühstücksgesellschaft im Wirtshaus „Zum Hirsch“. Wirtstochter Luise schenkte immer gut nach. Foto: Hannelore Nowacki

    „Alla Prost, Männer“ – so machten es sich die drei Handwerksmeister und weitere ortswichtige Personen wie der Gemeindeschreiber Jakob Schalk (Florian Weppelmann) und der Ortspolizist Maddi Kronebäjer (Jean-Pierre Dupin) im Wirtshaus “Zum Hirsch“ schon zum Frühstück gemütlich. Die Riesenportion Knusperbrötchen hatte Bäckerlehrling Friedrich Bauer (Patrick Rupp) gerade noch rechtzeitig in seiner Korbkiepe angeliefert. Auf der Bühne stand der große Stammtisch, an dem auch Bierkutscher Lui Rheinmüller (Heiner Weppelmann) noch Platz fand. Ein Fass Bier hatte er angeschleppt. Eine gemütliche Wirtsstube hatten die Zuschauer vor Augen, in der der Welten Lauf kommentiert und gewichtet wurde. Einig war man sich dort oben, dass auch Lampertheimer Handwerker Brücken bauen können. Neue Aufträge für Maurermeister Schorsch Kraus (Karl-Heinz Hoffinger) und Malermeister Hannes Hamm (Peter Medert) winkten womöglich mit dem Bau des Lampertheimer Amtsgerichts. Auch Schneidermeister Christoph Lang (Stefan Weis) stand gut da, zumindest solange er nicht zu viel vom „Bowoutz“ im Glas hatte. Damit Humpen und Schnapsgläser nie lange leer waren, wirbelte Wirtin Alwadi Best (Silvia Hoffinger) zwischen Tresen und Tischgesellschaft hin und her, doch auch Bildung und Kultur ihrer Gäste ist ihr ein Herzensanliegen. Die Außerdem ist ihre Wirtschaft Umschlagplatz für alle Neuigkeiten in Lampertheim und Umgebung. Auch ihre dralle Tochter Luise (Marion Justen) schenkte fleißig ein. Mit dem Besuch der Mannheimer Tante Emilie Schick (Doris Schmidt) kam eine weitere resolute Frau ins Haus. Als die Maurersgattin Äjvegräjt Kraus (Angelika Kessler) die Bühne betrat, wurde klar, Heinrich Karb, Autor des Volksstücks „Die Friehsticksmeeschda“, gab den Frauen ein deutliches Profil mit klarer Ansage. Einfallsreich wie ihre Mutter waren auch die drei Kinder des Maurermeisters, gespielt von Lara, Ronja und Simon Kärcher. An der überraschenden Schlusspointe waren die vier der Krausfamilie maßgeblich beteiligt. Neu im Darstellerteam war Marion Justen, die als Wirtstochter eine gute Figur machte, sowie die drei Kinder als jüngste Mitglieder. Hausierer Oskar Bullay (Lothar Lauseker) war ein gern gesehener Besucher, der für 75 Pfennige Hosenträger und für nur zwölf Pfennige Schluppen aus seinem gut gefüllten Bauchladen hervorzauberte. Witz im Dialog und die Kunst der schauspielerischen Darstellung, das gemütliche Bühnenbild und die Kostüme aus der Zeit um 1900, als Lampertheim noch gar kein Amtsgericht hatte, verschmolzen zum gelungenen Gesamtkunstwerk. Das Publikum konnte sich am Donnerstagabend im Hof des Heimatmuseums wie in der guten Stube der Stadt fühlen. Gemütlich und warm in anheimelnder Atmosphäre unter freiem Himmel sitzend, mit einem Glas Wein oder kühlem Bier auf dem Tisch, ließ sich der abwechslungsreiche Abend in vollen Zügen genießen. Nicht nur das Volksstück war geboten. Zu Beginn stimmte das „Schnoukequartett mit Wolfgang Weber („Quetschkommod“), Berthold Eisenbraun (Tuba), Roland Bachert (Trompeten) und Charly Hartnagel (Trommel) mit dem Schneewalzer, dem Trompeten-Echo und weiteren beschwingten Stücken auf den Mundartabend ein. Nach der Begrüßung gab Hubert Simon, Geschäftsführer des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins, das Mikrofon an den Moderator des Abends, Rainer Müller, weiter, der mit einer kräftigen Prise Humor durch den Abend führte und vor der Pause zum „Esse fasse! und Trinke fasse!“ aufrief. Margit Karb, die die Gesamtleitung hatte, brachte in zwei Mundartgedichten die gute Nachbarschaft und die Lambada Muddersproach auf den Punkt, gereimt und ungereimt fasste sie das Leben von A bis Z zungenfertig zusammen. Heinrich Karb konnte diesmal leider nicht dabei sein, teilte sie dem Publikum mit. Für die Aufführungen am Freitag und Samstag waren nur noch wenige Restkarten zu haben.

    Hannelore Nowacki
    Bildung und Wissen um die Welt und Lampertheim hat die Wirtin im Hirschen für ihre Gäste stets im Programm. Foto: Hannelore Nowacki

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