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Di., 28. Januar 2020, 09:54 Uhr
ClapForCrap - Rapper Ben Salomo macht sich stark gegen Antisemitismus
Wenn vor dem jüdischen Kindergarten die Polizei wacht
Rapper Ben Salomo berichtete von alltäglicher Diskriminierung und Ausgrenzung und machte eindrucksvoll deutlich, was jeder dagegen tun kann. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – „Jeder hat den Antisemitismus im Geschichtsunterricht kennengelernt, ist aber leider nicht Geschichte“, sagte Mark Wohlfahrt, stellvertretender Schulleiter der Erich-Kästner-Schule, den Schülern der beiden Realschulklassen 9rb und 10ra sowie der Hauptschulklasse 9h, die am Montagmittag in der Aula an einer schulinternen Diskussionsveranstaltung mit dem jüdischen Rapper und Youtuber Ben Salomo teilnahmen. Bevor der Rapper aus Berlin die Bühne betrat, erklärte Gernot Diehlmann, freier Mitarbeiter der Stiftung, den 15- bis 16-jährigen Jugendlichen, warum Veranstaltung gerade an diesem Tag stattfindet, denn am 27. Januar genau vor 75 Jahren wurde Auschwitz von sowjetischen Soldaten befreit. „Diese Veranstaltung soll dazu beitragen, dass ihr euch eine eigene Meinung bilden könnt – es geht generell um jegliche Art der Ausgrenzung“. Es gehe darum, sich Gedanken zu machen, welche Worte man nicht akzeptiert und darum nicht alles zu glauben, was an einen herangetragen werde. „ClapForCrap“ ist der Titel der deutschlandweit angebotenen Veranstaltungsreihe und auch des Videoclips, den Diehlmann zu Beginn zur Einstimmung auf das Thema zeigte. Auf jeden Fall muss man reagieren, wenn zum Beispiel auch im Familienkreis eine rassistische Bemerkung fällt, machte die gezeigte Szene deutlich. Botschafter der Kampagne und Star des Tages war Rapper Ben Salomo aus Berlin, mit bürgerlichem Namen Jonathan Kalmanovich und 1977 in Israel geboren, aufgewachsen in Berlin. Ganz still war es in der Aula, als er aus seinem Leben erzählte. Bekannt wurde er mit seiner Konzertreihe „Rap am Mittwoch“, hunderttausende Gäste füllten von 2010 bis 2018 die Hallen, mehrere Rapper-Karrieren nahmen hier ihren Anfang, 420.000 Abonnenten habe er am Schluss gehabt. Aus dieser Rapperszene habe er sich ausgeklinkt, als sich in Rap-Texten und hinter den Kulissen ein antisemitisches Klima aufgebaut habe. Gerüchte seien in Umlauf gebracht worden, die Battle-Rap-Reihe „Rap am Mittwoch“ sei eine „Judenveranstaltung“ und er würde sich bereichern. „Ich wollte ein Zeichen setzen“. Dabei waren dieoffenen und versteckten Anfeindungen in der Deutschrap-Szene nicht seine ersten Erfahrungen mit Ausgrenzung und Antisemitismus. Seine Familie sei gar nicht sehr religiös gewesen, aber er sollte einen jüdischen Kindergarten in Berlin besuchen, um die Gebräuche kennenzulernen. Mit drei Jahren mit seinen Eltern aus Israel nach Berlin umgezogen, lebte er in Stadtteilen, „die stark migrantisch geprägt sind“. Vor dem Kindergarten hielten Polizisten Wache. Die Mutter erklärte dem Fünfjährigen: „Leider gibt es Menschen, die Juden nicht mögen, diese Leute greifen auch Kinder an“. Der kleine Jonathan war verstört. „Warum? Ein kleines Kind – nur weil ich Jude bin?“. Vollkommen unbegreiflich war es dann für ihn als Achtjährigem, was er beim Besuch seines Opas erfuhr. Ein deutscher Soldat hatte ihm, der erst dreizehn war, im Krieg in Rumänien mit einem Gewehrkolben die Vorderzähne ausgeschlagen. Eine eigene Erfahrung im Alter von elf Jahren schockierte Jonathan besonders – sein seit zwei Jahren bester Freund hatte neue Freunde gefunden und alle zusammen waren auf ihn losgegangen, weil er Jude ist. Auch auf einer Geburtstagsparty als Fünfzehnjähriger wurde er plötzlich von ihm unbekannten Jugendlichen beschimpft. Erschütternd seine Erzählung, was seinem Opa Alex in einem Ghetto in der Ukraine unter deutscher Besetzung als kleines Kind widerfahren war. Auf die Frage nach dem Warum dieser Anfeindung, Ausgrenzung und Verfolgung von Juden in der Vergangenheit und den Entwicklungen heute, gab Ben Salomo in der Diskussion mit den Schülern historisch und wissenschaftlich fundierte Antworten. Gerüchte verbreiten sich schneller als die Wahrheit, das habe schon Adorno herausgefunden. Eine Vielzahl von Gerüchten sei seit Jahrhunderten und auch gegenwärtig in Umlauf. „Die Wahrheit ist komplex und langweilig“. Sein Appell: „Jeder von euch hat die Pflicht Gerüchten und Pauschalisierungen zu widersprechen – es lohnt sich immer zu differenzieren“. Was er als Rapper drauf hat, zeigte Ben Salomo am Schluss der zweistündigen Veranstaltung mit einem eigenen Stück, a cappella vorgetragen. Viel Applaus erhielt er und stand dann noch gerne für die zahlreichen Selfies und Gruppenfotos zur Verfügung. Hannelore Nowacki